High School - Wenn Eltern ihr Kind vermissen

Die Vorbereitungen für den Auslandsaufenthalt an der High School sind sowohl für das Kind, als auch für die Eltern eine aufregende und intensive Zeit. Geht es dann endlich los und das Kind startet ins Zielland, ist auf beiden Seiten eine der Restsorgen wohl das berüchtigte Heimweh. Doch auch die zurück bleibenden Eltern können betroffen sein - wenn sie ihr Kind zu Hause vermissen. 

Wir haben mit Frau Schütz, Mutter einer 16-jährigen High-School-Teilnehmerin, gesprochen und zeigen Strategien auf, mit denen sich der High-School-Aufenthalt als positives Familienabenteuer für alle Beteiligten begreifen lässt. 

KIND AN DER HIGH SCHOOL: SO WIRD AUS DER LEERE ZU HAUSE EIN FREIRAUM FÜR NEUES

Keine einfache Situation für Eltern: Das eigene Kind geht für mehrere Monate ins Ausland, um an einer High School die Luft der großen, weiten Welt zu schnuppern. Zurück bleiben Eltern, Geschwister, Freunde.

Gerade für Eltern stellen sich mit so einem ausgedehnten Schüleraustausch gleich mehrere Herausforderungen: Die Sorge um das Wohlergehen des Kindes paart sich mit der Frage: Was macht die auf Zeit „freigewordene“ Stelle im familiären Gefüge mit Geschwistern, dem Partner und nicht zuletzt einem selbst?

Ebenso wie für den Austauschschüler gilt auch für den Rest der Familie: Gute Vorbereitung und die richtige Einstellung helfen, eine rundum positive und gewinnbringende Erfahrung zu machen, neue Einsichten und Freiräume zu gewinnen und eine Sinnkrise gar nicht erst entstehen zu lassen.

Welche Faktoren helfen, den High-School-Aufenthalt des Kindes als gemeinsames Familienabenteuer zu begreifen?

Ein Schüleraustausch bedeutet nicht, dass das geliebte Kind sein Zuhause verlässt und der Rest der Familie verlassen zurückbleiben. Schließlich passiert die Abreise nicht spontan, plötzlich und unerwartet, sondern ist das Ergebnis eines längeren Prozesses. So auch im Hause Schütz: Die alleinerziehende Mutter hat ihre 16-Jährige Tochter im August 2017 für geplante 10 Monate zu einem High-School-Aufenthalt in Kanada verabschiedet. Darüber gesprochen, immer mal wieder, zeitweise intensiv und dann wochenweise auch mal gar nicht, haben Eva Schütz und ihre Tochter bereits seit zwei Jahren. Die Idee, an einem Schüleraustausch teilzunehmen, konnte so reifen, wachsen und von Mutter und Tochter immer wieder „im Herzen bewegt“ werden.

Der richtige Zeitpunkt: wird kommen

Und so kam dann, was Eva Schütz „den richtigen Zeitpunkt“ nennt.

„Am Beginn der Diskussion“, berichtet sie Praktikawelten im Interview, war das nicht mehr als ein Gedankenspiel. Aber erst im letzten Jahr vor der Abreise hat meine Tochter einen solchen Entwicklungssprung gemacht, dass wir beide fanden, nun sei die Zeit für einen solchen Schritt auch wirklich gekommen.“

Die richtige Vorbereitung: macht aus der Idee einen Plan

Steht der Entschluss, beginnt die akribische Vorbereitung der „Mission High-School-Aufenthalt“: Der richtige Veranstalter will ausgewählt, das passende Angebot gefunden und alles Organisatorische gestemmt werden.
Diese Phase ist aufregend und spannend, denn hier wird aus der Idee ein greifbarer, konkreter Plan. Und die Organisation mitsamt Flügen, Visa, Versicherungen und Vorab-Kontakt zur Gastfamilie schafft die nötige Sicherheit im High School Jahr für alle Beteiligten. Auch Fragen wie: Was, wenn mein Kind krank wird, mich braucht, Heimweh bekommt, werden in dieser Phase ausführlich beantwortet. Und mehr noch: Die richtige, ausführliche Vorbereitung sorgt dafür, dass eventuelle Probleme gar nicht erst Wirklichkeit werden.

Die richtige Einstellung: sorgt für emotionale Ausgewogenheit

Für die gesamte Unternehmung – von der ersten Idee über die Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes bis zu dessen Durchführung ist es vor allem die richtige Einstellung, die ihren Erfolg ausmacht. Dabei ist die Einstellung der Eltern nicht nur wichtig für ihr eigenes Wohlbefinden, sondern auch für das des Austauschschülers.

„Am wichtigsten ist eigentlich, dass man sich die Frage, ob man bereit ist, sein Kind gehen zu lassen, mit einem klaren Ja beantworten kann“, betont Eva Schütz. „Ich freue mich unheimlich, dass meine Tochter die Möglichkeit hat, all die neuen Erfahrungen zu sammeln, die der High-School-Aufenthalt ihr bescheren wird.“ 

Wäre es nicht so, würde ihre Tochter auch nicht unbelastet zu ihrem Auslandsaufenthalt antreten können, weiß sie.

Empty nest syndrome – was ist das und sind Sie betroffen?

Die Kinder werden flügge und verlassen das elterliche Nest – es bleibt ohne „Küken“ leer zurück. Bereits seit etwa 50 Jahren sprechen Soziologen vom „empty nest syndrome“, wollen sie die elterliche Gefühlslage beim endgültigen Auszug von Kindern beschreiben. Sinnkrise, Verstimmungen und vieles mehr sind Symptome dieses Syndroms.

Der High-School-Aufenthalt ist Ihre Generalprobe: Ihr Kind ist nun auf Zeit nicht zu Hause, kehrt danach aber (erstmal) wieder zurück. Doch auch Schulabschluss, Volljährigkeit, Ausbildung oder Studium sind nicht mehr fern – und „Hotel Mama“ in den meisten Fällen keine Konstruktion für die Ewigkeit mehr.

Der High-School-Aufenthalt ist also die perfekte Gelegenheit, sich als Eltern eines erwachsenen Kindes zu erproben: Nutzen Sie die Zeit, um herauszufinden, wie der neue Lebensabschnitt aussehen könnte!

Wie können Eltern das Beste aus „ihrem“ High-School-Jahr machen?

Die ausführliche Vorbereitungsphase eines Schüleraustauschs gibt auch Eltern und Geschwistern die Gelegenheit, sich intensiv vorzubereiten: Wie wird die Situation sein und wie soll die Zeit genutzt werden, während das Kind im Ausland ist? Möglichkeiten gibt es viele: alte Hobbys aufleben lassen oder neue entdecken, sich beruflich, sozial, politisch, kirchlich engagieren, die Beziehung zum Partner neu intensivieren oder sich den Geschwisterkindern ausgiebiger widmen, reisen – um nur einige der unendlichen Möglichkeiten zu nennen.

Eva Schütz hat selbst einige dieser Ideen gedanklich durchgespielt und ist dabei zu einem Entschluss gelangt: 

„Den Austauschschülern wird in der Vorbereitung durch Praktikawelten geraten, sich keine zu genauen Vorstellungen von Ihrem Auslandaufenthalt zu machen. So mache ich es auch in Bezug darauf, wie ich die Zeit ausfülle, während meine Tochter in Kanada ist.“

Sicher ist aber: Sie kann bewusst genießen, nicht mehr so eingebunden zu sein in familiäre Abläufe, nicht mehr unbedingt ein warmes Essen auf den Tisch zaubern zu müssen, wenn ihr nunmal gerade nicht nach Kochen ist – oder sich als Lehrerin in neue Projekte zu vertiefen, ohne gleichzeitig das Gefühl zu haben, dass diese Zeit mit ihr ihrer Tochter dann abgeht.

Welche konkreten Tipps gibt es für Eltern?

In der Zeit vor dem High-School-Aufenthalt:

Wie mache ich mein Kind „fit“ für den Schüleraustausch?

Selbständigkeit ist eins der Dinge, die ein High-School-Aufenthalt intensiv fördert. Gerade besonders behütete Jugendliche sollten bereits vor der Abreise herangeführt werden an einen Auslandsaufenthalt, bei dem viel selbst zu erledigen ist. Einzelkinder werden in der Gastfamilie vielleicht erstmals das Leben mit Geschwisterkindern erleben, so dass sich die Aufmerksamkeit der Gasteltern nicht wie daheim alleine auf sie konzentrieren können wird – Umstellungen, auf die Sie Ihr Kind bereits vor der Abreise vorbereiten sollten.

Diese drei Tipps helfen sowohl Ihrem Kind als auch Ihnen, gut vorbereitet in den Austausch zu starten:

  • Besprechen Sie vorab, wie Sie in Kontakt bleiben werden, verabreden Sie zum Beispiel einen wöchentlichen Skype-Anruf oder animieren Sie zu einem Videotagebuch oder Reiseblog.
  • Fördern Sie die Selbständigkeit Ihres Kindes schon in den Monaten vor der Abreise massiv – von Aufgaben im Haushalt über kleine Wochenendtrips oder Dinge, die bisher Sie für Ihr Kind organisiert haben. Das verringert Ihre Sorgen erheblich, wenn die Abreise bevorsteht!
  • Geben Sie Ihrem Kind gegenüber durchaus zu, dass Sie es sicher vermissen werden, aber dennoch den Austausch aus vollem Herzen mittragen und sich darauf freuen. So kann Ihr Kind unbelastet und ohne schlechtes Gewissen abreisen.

In Bezug auf Sorgen um ihr Kind:

Was ist, wenn mein Kind mich braucht, erkrankt, Heimweh hat oder der High-School-Aufenthalt nicht seinen Vorstellungen entspricht?

Selbstverständlich macht es Eltern Angst, wenn ihre Kinder, vielleicht sogar erstmalig, nicht mehr unter ihrer alltäglichen Obhut stehen.
Halten Sie sich deshalb vor Augen, dass es deswegen nicht schutzlos und alleine auf einem fremden Kontinent lebt, sondern auch hier wohl behütet ist: von Gastfamilie, Lehrern und Praktikaweltenbetreuern, die nicht nur in Deutschland, sondern selbstverständlich auch vor Ort zur Verfügung stehen.

Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind durchaus in der Lage ist zu erkennen, wann es Hilfe benötigt und sich die entsprechende Unterstützung auch zu suchen.

Entwickelt Ihr Kind Heimweh, so ist auch das kein Grund für einen Abbruch des Aufenthalts. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Symptom eines vollkommen natürlichen Abnabelungsprozesses. Selbst wenn auch Sie Ihr Kind schmerzhaft vermissen, helfen Sie ihm am besten, wenn Sie es zwar verständnisvoll unterstützen, aber nicht in die Klagen einstimmen. Bestärken Sie Ihr Kind und schenken Sie ihm vertrauen, auch schwierige Situation, wie z.B. Heimweh, meistern zu können.

Entwickelt sich der Aufenthalt an der High School oder in der Gastfamilie anders als erwartet, ist „expectation management“ angesagt. Konkrete Probleme lassen sich auch mit Hilfe von Praktikawelten immer lösen. Wichtiger ist aber, verständlich zu machen, dass auch der Umgang mit Unerwartetem die eigene Offenheit und Selbständigkeit auf die Probe stellt und durchaus bestanden werden sollte. Es gilt die Maxime: Es ist leichter, seine Erwartungen der Realität anzupassen, als die Realität den eigenen Erwartungen zu beugen.

In Bezug auf die eigene Person:

Wie sorgen Sie dafür, dass Sie die Leerstelle, die Ihr Kind hinterlässt, als Freiraum erleben und nutzen können?

Wer sich 14 Jahre und länger täglich um sein Kind gekümmert hat, erlebt seine Abreise in Richtung Ausland natürlich auch als persönliche Herausforderung. Selbst wenn alle Sorgen und Bedenken, dass es dem Kind nicht gut gehen könnte, aus der Welt geräumt sind, bleibt die Frage: Was nun?

Diese Ideen und Anstöße helfen Ihnen vielleicht dabei, sich in die neue Situation einzufinden:

Partnerschaft
Meist erleben Paare, wie sich durch die Elternschaft Ihre Beziehung verändert. Vor allem, wenn es Einzelkinder sind, die an einem Schüleraustausch teilnehmen, können Eltern die Zeit nutzen, die Partnerschaft wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Abends öfter mal ausgehen, am Wochenende lange ausschlafen oder eine spontane Städtetour buchen? Die Welt steht Ihnen offen – nutzen Sie die Zeit also!

Geschwister
Haben Sie noch weitere Kinder? Dann findet sich nun sicher die Gelegenheit, mit Ihrem Nesthäkchen mehr Zeit zu verbringen oder Ihrer Ältesten mal einen Besuch übers Wochenende am Studienort abzustatten. Über „Quality Time“ mit Ihnen freuen sich Ihre Kinder sicher!

Eigenen Bedürfnissen nachgehen
Einfach mal einen ganzen verregneten Sonntag durchlesen oder nach der Shopping-Tour noch spontan ins Kino gehen oder bei Freunden vorbeischauen… warum eigentlich nicht? Das alles geht ohne organisatorische Aufwände oder lange Erklärungen. Unser Tipp: einfach mal ausprobieren!

Hobbies reaktivieren oder entdecken
Malen, Stricken, Klavier spielen, Reiten: Ist da vielleicht etwas, dass Sie in den vergangenen Jahren vernachlässigten, aber durchaus vermissen – oder vielleicht etwas, das Sie schon immer mal tun wollten? Dann ist der High-School-Aufenthalt Ihres Kindes vielleicht die Zäsur, die es dazu brauchte. Also: Probieren Sie sich aus!

Engagement zeigen
Berufliche Projekte, Kirchenarbeit, soziales Engagement oder politischer Auftrag: Vielleicht bietet Ihnen der High-School-Aufenthalt Ihres Kindes eine willkommene Gelegenheit, mal wieder in ganz neuer Weise über den Tellerrand hinaus zu schauen?

Wanderlust
Kennen Sie diese Reiseziele, die für Sie Sehnsuchtsorte sind, für den Familienurlaub aber immer denkbar ungeeignet waren? Dann brechen Sie auf zu neuen Horizonten! Es muss ja auch nicht immer weit und exotisch sein …

Welcome back-Party planen
Selbst ein mehrmonatiger High-School-Aufenthalt vergeht schneller, als Sie vielleicht zu Beginn glauben mögen. Deswegen ist auch die Beschäftigung mit einer Welcome-Back-Party nach dem High-School-Aufenthalt eine Aufgabe, der Sie sich vielleicht mit viel Elan und Lust widmen möchten.

Besuch im Zielland
Auch die Idee, vielleicht nach dem High-School-Aufenthalt Ihres Kindes noch einmal gemeinsam ins Zielland zu reisen, Gastfamilie und Freunde persönlich kennen zu lernen, ist durchaus eine Überlegung wert. Denken Sie darüber nach, die Erzählungen, die Sie von Ihrem Kind kennen, vielleicht mit eigenen persönlichen Eindrücken abzugleichen und zu ergänzen.

Was sind die wichtigsten drei Punkte, die Eltern im Hinterkopf behalten sollten, wenn ihre Kinder an einem Schüleraustausch teilnehmen?

  1. Über den Erfolg des High-School-Aufenthalts entscheiden im Wesentlichen drei Faktoren: der richtige Zeitpunkt, die richtige Einstellung und die richtige Vorbereitung. Und: Diese Faktoren betreffen durchaus nicht nur den Austauschschüler, sondern sein gesamtes Umfeld, das familiäre ganz besonders.
  2. Ihr Kind steht vielleicht nicht mehr unter Ihrer direkten, alltäglichen Obhut, verfügt aber durch High School, Gastfamilie und Praktikawelten über ein starkes Netzwerk, das auch Unvorhergesehenes jederzeit abfangen kann.
  3. Die Abreise Ihres Kindes muss keinesfalls bedeuten, dass eine Leere entsteht, die mit nichts zu füllen ist – ganz im Gegenteil: Der Freiraum, der entsteht, schafft Platz zur persönlichen Entfaltung und Weiterentwicklung. Er will nur aktiv erlebt und genutzt werden. Und er bietet eine hervorragende Gelegenheit, „hineinzuschnuppern“ in die Zeit, in der Sie Eltern erwachsener Kinder sein werden, die nicht mehr im „Hotel Mama“ logieren.

Zu guter Letzt:

Die Erfahrungen und die Weiterentwicklung, die Ihr Kind während des Auslandsaufenthalts durchleben wird, sind ein spannendes Projekt für die gesamte Familie. Denn auch Zuhause verändert sich durch die Abwesenheit Ihres Kindes das familiäre Gefüge - und dann ist noch die Frage: Wie wird sich Ihr Kind entwickelt haben, wenn es zurückkehrt?

High-School-Expertin Sara mit Praktikawelten-Shirt und Amerika Flagge
Sara - Expertin
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Sara ist deine Hauptansprechpartnerin für dieses Programm. Fragen? Du erreichst mich unter: +49 89-286751-12 Infoveranstaltungen in deiner Nähe
Friederike - Expertin
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