Schüleraustausch Classic in USA
Schüler in roten Roben

"Ich bin sehr dankbar für diese einmalige Chance!"

  • High School
  • USA
  • 1 Jahr

Erfahrungsbericht von

24.06.2016

Nora schrieb:

"Ein T-Shirt mit der Aufschrift "Everyone loves a german girl" wartete an einem verschneiten Weihnachtsmorgen unter dem Christbaum auf mich. Obwohl ich tausende Kilometer von zu Hause entfernt war und „Jingle Bells“ mit einer anderen Familie geschmettert habe, war das amerikanische Weihnachtsfest eines der tollsten Erlebnisse meines Lebens. Um euch aber zu erzählen, wie es dazu kam und was ich sonst noch erlebt habe, muss ich ein bisschen weiter ausholen ...

7 Jahre zuvor: Schon mit 10 Jahren wusste ich genau, dass ich in der 11 Klasse ein Auslandsjahr machen würde. Grund dafür war mein Englischlehrer. Er stellte uns im Unterricht seinen Sohn Fred vor. Fred war damals 17 und kam gerade aus den Staaten zurück, wo er ein Jahr verbracht hatte. Er erzählte mit so viel Leidenschaft und Aufregung von seinen Erlebnissen, dass ich so ziemlich jedes Wort von ihm aufgesogen habe. Für mich war klar: „Ich werde das auch machen“. Meine Mutter belächelte mich zu diesem Zeitpunkt noch und meinte, ich soll erst mal abwarten, wie es später mit meiner Meinung aussieht. Ich bin jedoch nicht einen Moment von meinen Auslandsplänen abgewichen.

2 Jahre zuvor: Nun mussten endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Ich war immer noch Feuer und Flamme und nachdem ich meiner Mutter zum 100. Mal versichern musste, das ich es Ernst meine, haben wir uns eine Exchange Organisation gesucht, die meinen Aufenthalt organisiert hat. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, denn es müssen viele Dinge erledigt werden. Ich brauchte ein Visum, Impfungen, Dollars und am Ende dann doch eine große Portion Mut, denn wenn man sich von seinen Eltern verabschiedet am Flughafen, dauert es 12 Monate bis zum nächsten Wiedersehen.

Mein Jahr in Chicago:
Mein Flugzeug landete an einem September-Morgen in Chicago. Beladen mit meinem kleinen Koffer wartete ich beim Ausgang auf meine Gastmama Jean. Sie kam mir mit offenen Armen und meinem jüngeren Gastbruder Joe entgegen. Ich fiel in ihre Arme und wusste, dieses Jahr wird einfach nur großartig. Meine Gastfamilie hatte sich vor meiner Ankunft viel Zeit genommen um den oder die Richtige zu finden. Da ich gerne Musik und Sport mache, passte das gut zu den Hobbies meiner beiden Gastgeschwister. Von der ersten Stunde an waren wir eng miteinander verbunden und ich kam mir nie wie eine Fremde vor. Wir lebten in einem kleinen Ort namens Homer Glen, 45 Minuten weg von Chicago. Ich bekam mein eigenes Zimmer und Bad und habe von Anfang an alles mitgemacht und auch mit mir lassen machen.

Mit meiner Gastschwester ging ich in den Chor, mit meiner Gastmama in die Kirche, mit meinem Gastbruder spielte ich Tennis und mit meinem Gastvater gab es die besten Donuts und tollsten Gespräche. Meine schönsten Erinnerungen verbinde ich mit den täglichen Autofahrten zur High School und damit komme ich zum größten Culture Clash meines Aufenthaltes: Für die ersten Wochen in der High School brauchte ich eine A3-Karte, um mich in dem Labyrinth der Gänge zurechtzufinden. 3000 Schüler brauchen ja auch eine Menge Platz, denn es gibt nur einen Schultyp, den alle Kinder besuchen. Das ist toll, weil so viele Menschen mit verschiedene Begabungen und Stärken zusammen lernen und sich unterstützen. Jeder Schüler bekam eine Art Vertrauensperson, die alle Stundenpläne und Abläufe für einen koordinierte. Irgendwie habe ich es geschafft, diese Person davon zu überzeugen, dass ich kein Mathe bräuchte und dafür viele Kunstfächer belegen will. Es hat geklappt und ich bin jeden Tag in die Schule geschwebt und habe jeden Kurs genossen. Meine Lieblingsfächer waren Mythologie, Skulptur, Politik und Französisch. Die Lehrer waren super cool, die Cafeteria hatte ein riesiges Pizzasortiment und ich konnte jeden Tag Jogginghosen tragen, ohne aufzufallen. Was mir in den Hosen auch nicht auffiel waren meine neuen 15 Kilo.....der Gummibund war wirklich sehr elastisch. Irgendwann merkte ich es doch und rutschte relativ schnell ins Leichtathletik-Team der Schule. Hier habe ich alles über Teamspirit und Ehrgeiz gelernt und sehr gute Freunde gefunden.

Fast jeder Schüler war nach dem Unterricht mit Sport, Musik und Clubs beschäftigt. Im Gegensatz zu unseren Schulen daheim ist es da totaler Standard, in der Schule zu bleiben. Neben der Leichtathletik war ich noch im Chor und Kunstclub. Langeweile gab es nie und jeder Tag und Nachmittag wurde einfach sinnvoll gefüllt. Die Stundenpläne waren anders als in Deutschland. Jeder Tag hatte 7 Stunden und dazwischen gab es nur 8 Minuten, um den Raum zu wechseln. Keine große Pause, nur 25 Min. Lunch-Zeit, wenn man wollte. Schüler durften ohne einen Lehrerzettel nicht durch die Gänge der Schule gehen und es gab manchmal Kontrollen an den Türen. Einmal habe ich aus Versehen einen Kurs vertauscht und am nächsten Tag wurde ich gleich zur „Schulaufsicht“ zitiert, um mich zu rechtfertigen. Diese Regulieren waren am Anfang zwar sehr befremdlich, aber ich hatte mich schnell daran gewöhnt und glaubt mir, ich war pünktlich in jedem Kurs. Die Wochenenden verbrachte ich viel mit meinen neuen Geschwistern und Freunden. Meine Gasteltern hatten eine Wohnung in Chicago und wir haben dort viele Stunden verbracht. Seitdem ist es meine Lieblingsstadt, denn ich verbinde damit eine neue Heimat und das Erwachsenwerden.

Während der ganzen Monate wurde ich regelmäßig von einer Mitarbeiterin der Organisation besucht. Sie hat mich oft interviewt und wollte wissen, wie es mir geht und ob ich gut zurechtkomme. Ich hatte nie eine Beschwerde oder Sorgen, trotzdem fand ich es sehr gut, dass das ganze Jahr auf mich geachtet wurde. Ich weiß auch von anderen Austauschschülern, die auf die Hilfe der Organisation angewiesen waren, um z.B. eine Familie zu wechseln. Manchmal stoßen halt auch Menschen und Kulturen aufeinander, die nicht ganz so gut miteinander klarkommen. In diesem Fall hat man immer eine Ansprechperson ganz in der Nähe. An mein richtiges Zuhause war gar nicht mehr zu denken, nichtsdestotrotz war ich erst 16 und mein Jahr näherte sich den Ende. Doch es war kein wirkliches Ende, meine Zeit in Amerika hat mich so tief verwurzelt und eingenommen, dass ein großer Teil von mir da geblieben ist.

Fazit:
Für mich steht eines fest: Das Auslandsjahr war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe ein vollkommen neues Bild von Menschen und anderen Kulturen bekommen. Mein Englisch ist super und Mathe muss ich halt nachholen. Ich habe so viele neue Freunde gewonnen und eine großartige Familie auf der anderen Seite der Welt. Diese Erfahrung und Erinnerungen kann mir keiner mehr nehmen und ich bin sehr dankbar für diese einmalige Chance!"

Schüler in roten Roben
Nora im Chor
Einige Mädchen beim Sport
2 Jungen und ein Mädchen in Sportkleidung

Erfahre mehr über das Projekt, das Nora so begeistert hat: Schüleraustausch Classic in USA