Schüleraustausch Select in Kanada

"Alles richtig gemacht"

  • High School
  • Kanada
  • 5 Monate

Erfahrungsbericht von

2006-06-30

Susanne schrieb:

"Wie bist du auf die Idee gekommen?

Zu Beginn habe ich eine Messe besucht wo ich verschiedenes Infomaterial bekommen habe. In meinem Jahrgang haben sich mehrere Schüler für einen Schulaufenthalt im Ausland wie zum Beispiel USA und Australien entschieden, weswegen das Gesprächsthema groß war und ich auch bald meine Eltern darauf angesprochen habe. Meinen Eltern war diese Art von Aufenthalt zuerst unbekannt und ich musste mich eigenständig informieren und ihnen dann die Pläne genau vorlegen. Als sie merkten, dass es mir ernst war, haben sie mein Vorhaben unterstützt.

Wie hast du deinen High School Aufenthalt in die Schullaufbahn integriert?

Ich bin im zweiten Halbjahr der 11. Klasse nach Kanada gegangen, also von Januar bis Juni. Die Auslandszeit wurde mir von der Schule anerkannt und ich habe die Note, die ich bis dahin erhalten habe als Übergang mit in die nächste Klasse genommen. In die 12. Klasse bin ich zuerst auf Probe eingestiegen und ich habe mich wieder gut rein gefunden.

Wie hast du dich auf deinen Aufenthalt vorbereitet? Was hat dir geholfen?

Ich habe am Vorbereitungswochenende der Organisation teilgenommen. Dieses war sehr hilfreich, da verschiedene Situationen durchgesprochen wurden. Außerdem habe ich viel über das Land in zum Beispiel Reiseführern gelesen und  Karten des Landes angeschaut. Als hilfreich empfand ich auch den Kontakt zur Gastfamilie im Voraus, ich habe mit Ihnen geschrieben und telefoniert.

Wie war deine Ankunft vor Ort? Ist es dir leicht gefallen in den neuen Alltag zu finden?

Am Flughafen wurden wir (wir waren mehrere internationale Schüler die am selben Tag ankamen) von einem Vertreter des Schulbezirkes abgeholt und in das Gemeindezentrum gebracht, wo wir die Betreuer der Schule kennengelernt haben. Nach einer kleinen Einführung wurden wir dort von unseren Gastfamilien abgeholt. Die  Begrüßung war nett und wir hatten beim gemeinsamen Abendesse Zeit uns kennen zu lernen. Meine Gastfamilie war sehr interessiert und hat immer nachgefragt ob ich auch alles verstehe.

Am Anfang war alles sehr neu und aufregend. Die ersten Tage waren wegen der Schuleinführung spannend und strukturiert und es gab viele Ausnahme. Erst nach 2 – 3 Wochen kam dann allmählich der Alltag. Zu Beginn war es noch etwas komisch, dass nicht mehr alles aufregend und man noch keinen festen Freundeskreis hatte, doch durch die Schule dauerte es nicht lange, bis man Kontakt zu den Mitschülern aufbaut und Freundschaften knüpft. Dann war es wieder sehr angenehm, vertraute Leute um sich zu haben, mit denen man nachmittags noch Unternehmungen machen kann.

Wie sah ein typischer Tag bei dir aus?

Nach dem aufstehen habe ich mit meiner Gastmutter gefrühstückt. Meist gab es Toast und sie hatte schon immer verschiedene Sachen vorbereitet, sodass ich mir ein Lunchpaket für die Schule zum mitnehmen machen konnte. Der Gastvater war morgens meist schon aus dem Haus. In die Schule gekommen bin ich dann zu Fuß, da meine Gastfamilie nur ca. 15 Minuten von der Schule entfernt wohnte. Auf dem Weg habe ich dann immer noch 2 andere Schüler eingesammelt, die den gleichen Schulweg hatten. Unterricht hatte ich bis nachmittags und 2x pro Woche habe ich noch Badminton gespielt. Ansonsten standen nach der Schule auch noch Hausaufgaben an und den Abend habe ich dann mit meinen Gasteltern oder mit Freunden, häufig in der Mall, verbracht.

Wie war deine Schule?

Die Schule war größer als in Deutschland, aber durch das Kurssystem kannte man meist nur die Schüler, die in den selben Kursen waren und es ist schwer abzuschätzen wie viele Schüler tatsächlich auf diese Schule gingen. Durch den ebenerdigen Bau gab es viele Gänge mit Schließfächern, wo man sich vor allem zu Beginn schon einmal leicht verlaufen konnte. Um das Schulgebäude herum gab es viele Sportfelder, wo die Sportgruppen nach dem Unterricht trainierten.

Hast du eine Schuluniform getragen? Gab es eine besondere Kleiderordnung?

Es gab keine Schuluniform, das ist an öffentlichen Schulen in Kanada nicht üblich. Allerdings gab es Regeln, dass die Knie und Schultern durch die Kleidung bedeckt werden müssen.

Wie sah dein Stundenplan aus? Was waren die Unterschiede zu Deutschland? Was hat dir daran gefallen?

An meiner Schule wurde im Semestersystem unterrichtet, wo ich mir für das Semester 4 Kurse wählen konnte. Ich hab mich für Mathe, Englisch, Social Studies und Sport entschieden. Jeder Tag ist dann gleich aufgebaut mit diesen 4 Kursen. Die ersten 3 Kurse habe ich mit gleichaltrigen besucht. Den Sportkurs konnte ich in einer höheren Jahrgangsstufe belegen, der Abschlussklasse. Das war ziemlich gut, weil in dem höheren Jahrgang mehr Ausflüge und Unternehmungen durchgeführt wurden. Mein Schultag endete dann deutlich später als in Deutschland um ca. 3 Uhr.

Was gab es für außerschulische Aktivitäten? Was hast du gewählt?

Es gab ganz unterschiedliche Angebote. Viele Sportmöglichkeiten wie zum Beispiel Hockey, Baseball und Basketball wurden angeboten. Ansonsten gab es auch noch viele andere Gruppen wie die Theatergruppe, den Chor, das Orchester und den Koch-Club. Ich habe mich für Badminton entschieden und das Training hat 2x pro Woche nach dem Unterricht stattgefunden.

Wie war deine Gastfamilie?

Meine Gastfamilie war ein nettes älteres Ehepaar. Ihre eigenen Kinder waren schon aus dem Haus und hatten mittlerweile eigene Familien gegründet. Deswegen hat meine Gastfamilie auch schon vor mir internationale Schüler aufgenommen. Der Gastvater war ein älterer, lustiger und netter Mann der viel gearbeitet hat. Die Gastmutter war auch sehr nett und lieb, allerdings etwas strenger. Sie war sehr gewissenhaft und regelkonform und hat besonders auf gesunde Ernährung geachtet. Nach dem Abendessen bin ich öfter mit Freunden in die Stadt, wo ein Donut nach dem vielen Gemüse sehr gut getan hat. Einmal habe ich auch meinen Gastvater dort getroffen, dem es wohl genauso ging. Wir mussten beide grinsen und von da an hat er mich manchmal nach dem Abendessen auf einen Donut eingeladen!

Meine Gasteltern waren auch sehr daran interessiert, mir die Gegend zu zeigen und wir haben viele Ausflüge gemacht. Einmal waren wir zum Beispiel Skifahren und wir haben auch ihre Tochter in Seattle besucht.

Wie war das Essen vor Ort?

In der Gastfamilie gab es sehr gesundes Essen. Meine Gastmutter hat mit viel Gemüse allerdings etwas weniger Geschmack gekocht. Allgemein in Kanada ist das Essen sehr multikulturell. Es gibt verschiedenste Restaurants. In jeder Mall gab es Foodcourts, wo Restaurants mit unterschiedlicher Küche waren, sodass man immer etwas Neues probieren konnte. Es gab vor allem asiatische, mexikanische, amerikanische und italienische Küche. Auffällig war, dass viele Restaurants Ketten waren und es kaum familiengeführte Betriebe gab. Da Vancouver am Meer liegt, gibt es auch viel Fisch und Meeresfrüchte zu Essen.

Was hast du am Wochenende und in den Ferien gemacht?

In meiner Anfangszeit war es gerade Winter und ich bin mit meiner Gastfamilie und mit Freunden  Skifahren gegangen. Einmal war ich auch in den Bergen zum Schneeschuhwandern. Das Büro für internationale Schüler hat auch Städtetrips und Ausflüge organisiert, woran ich gerne teilgenommen habe. Wir waren mit der Gruppe zum Beispiel in Vancouver und Victoria unterwegs. Ansonsten habe ich mich mit Freunden viel in der Mall getroffen. Die Mall war für uns nicht nur ein Shopping Center, sondern ein allgemeiner Treffpunkt. Dort hat man sich getroffen, etwas gegessen oder getrunken und wir sind auch oft ins Kino. Im Sommer gab es auch einen Fluss, wo wir uns getroffen haben und die eine oder andere Grillparty stattgefunden hat.

Wie war der Abschied von Kanada?

Durch den Sportkurs kannte ich einige Schüler aus dem Abschlussjahrgang. Dadurch, dass sich die Abschlussschüler alle auf den Schulabschluss und den neuen Lebensabschnitt vorbereitet haben, war es schön sich der Aufbruchsstimmung anzuschließen. Die Graduation-Feier wurde mit viel Vorfreude organisiert und erwartet. Es war ein toller Abend und ein gelungener Abschluss. Danach gab es auch noch viele private Abschiedspartys, die den Abschied auch noch ein wenig leichter gemacht haben. Die letzte Woche habe ich dann nur mit meiner Gastfamilie verbracht, weil viele Freunde nicht mehr in der Stadt waren und dann war ich auch langsam bereit für die Rückkehr. Der letzte Tag war komisch und der Abschied war schwer. Allerdings hatte ich meine Eltern während dem halben Jahr nicht gesehen und ich habe mich auch wieder sehr auf mein zu Hause in Deutschland, meine Familie und meine Freunde gefreut.

Wie war deine Rückkehr in die Heimat?

Ich habe mich sehr auf meine Familie gefreut und nach der Zeit in der Gastfamilie habe ich meine eigene  Familie viel mehr schätzen gelernt und manche Sachen habe ich plötzlich nicht mehr als so streng empfunden. In den Freundeskreis bin ich auch wieder super reingekommen. Da ich nicht die einzige war, die im Ausland war, war es schön die Erfahrungen teilen zu können. Es war toll, dass ich im Juli zur Sommerzeit zurück kam. Wir hatten frei und konnten den Sommer genießen. Klar habe ich nach wenigen Wochen auch Kanada vermisst aber im Großen und Ganzen hab ich mich wieder wohl gefühlt zurück zu Hause.

Wie war dein Wiedereinstieg in die deutsche Schule? Wie waren deine Noten im Vergleich zu zuvor?

Mit ein paar anderen Schülern die im Ausland waren, haben wir einen Mathelehrer gefragt, ob er uns Nachhilfe in Mathe geben kann. Das war das einzige Fach, wo ich Sorge hatte, etwas verpasst zu haben. Da ich nach der Rückkehr in das Kurssystem der Oberstufe eingestiegen bin, habe ich Mathe nur als Grundkurs und Englisch als Leistungskurs gewählt und der Einstieg fiel mir sehr leicht. Durch den Auslandsaufenthalt waren die Noten natürlich in Englisch deutlich besser. :)

Was ist dein Fazit?

Alles richtig gemacht! Die Zeit war toll und ich war im Nachhinein stolz darauf, es gemacht und geschafft zu haben. Die Angst sich auf etwas Neues einzulassen war weg und ich bin selbstsicherer geworden. Das hat mir vor allem für die Zukunft geholfen. Ein Stadtwechsel wegen des Studiums war beispielsweise überhaupt kein Problem mehr für mich. Während meiner Zeit in Kanada war nicht immer alles leicht und es gab auch neue Situationen und Herausforderungen für mich. Aber diese Erfahrung machte mich nur stärker und es ist ein sehr gutes Gefühl, zu wissen, dass man mit dem was kommt umgehen kann.

Aufgrund meiner positiven Erfahrungen mit meinem Highschool-Aufenthalt in Kanada habe ich mich dazu entschlossen als Highschool-Beraterin zu arbeiten. So kann ich meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke teilen, Informationen „aus erster Hand“ weitergeben und Schülerinnen und Schülern zu ihrem eigenen Highschool-Aufenthalt verhelfen. Ich freue mich jedes Mal mit den neuen Teilnehmern, weil ich weiß, dass eine tolle Zeit auf sie wartet!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Susanne L. so begeistert hat: Schüleraustausch Select in Kanada