Schüleraustausch Select in Kanada
Bastian Kenzler mit seinen Eltern vor der Abreise nach Kanada

"Ich fand immer ein offenes Ohr"

  • High School
  • Kanada
  • 10 Monate

Erfahrungsbericht von

2018-06-19

Zuerst nahm ihn keiner Ernst mit seinem Wunsch. Ein Schuljahr im Ausland! Er war doch erst 15 Jahre jung und dann für ein halbes oder gar ein ganzes Jahr weg? Undenkbar. Aber… eigentlich wohnte der Sache ja doch ein gewisser Reiz inne. Irgendwie war er aktuell unzufrieden. Unzufrieden mit sich und der Umwelt. Die Schule bot aktuell keine größeren Herausforderungen und im Sport wurde er durch eine Verletzung ausgebremst. Zu Hause hatte er viel Streit mit den ebenfalls pubertierenden Brüdern…. Also was sprach eigentlich dagegen, als Zeit der Reifung? Und aus seiner Sicht, sich endlich mal abzugrenzen von den 1,5 Jahre älteren Brüdern. Immer war er der "Kleine", obwohl der Unterschied doch gar nicht so gravierend war.

Lange Rede kurzer Sinn: eine "spleenige" Idee nahm Formen an. Dies lag unter anderem auch an Bastians Hartnäckigkeit. Er wollte unbedingt diese Herausforderung haben und sich unbedingt in der Fremde beweisen. Das eigentliche Ziel waren die USA. Doch hier waren uns die zur Auswahl stehenden privaten Colleges dann doch zu teuer. Den Sprung ins völlig Ungewisse an eine der vielen Public Schools wollten wir doch nicht wagen. So gar nicht zu wissen, wo man hinkommt – das war uns in seinem Alter doch nicht ganz geheuer.

Nachdem wir einige Vermittlungsagenturen kontaktiert hatten, hatte sich besonders die Agentur Praktikawelten positiv hervorgetan. Während andere sich nur halbherzig kümmerten oder gar nicht meldeten, fand sich bei Praktikawelten sofort eine kompetente Beraterin, die unseren Ängsten und Bedenken ein Gehör schenkte. Ihr Vorschlag als Alternative zu den USA mit den beiden Polen: Unbekannte Public School oder sehr teure Privatschule hieß schlicht "Kanada".

Und dieser Rat war Gold wert. Schnell freundete sich Bastian mit dem neuen Ziel "Kanada" an. Natur pur, Berge, Wasser und die viel gepriesene Traumstadt Vancouver… Und uns klang Kanada irgendwie sehr geordnet und behütet im Ohr. Speziell für einen erst 15-jährigen Abenteurer.

Das System der Vermittlung in Kanada ist etwas anders als für ein College-Jahr oder Semester in den USA. In Kanada kann sich der Schüler die Schule aussuchen – sofern die Schule noch Plätze frei hat für ausländische Studenten – und vor Ort suchen dann geschulte Betreuer die für den Schüler am besten erscheinende Gastfamilie aus. Ist der Schüler zum Beispiel besonders sportlich, dann wird eine Familie gefunden, die ebenfalls diese Vorlieben teilt. Ist der Schüler besonders tierlieb, dann wird ihn sicher eine Familie mit Haustieren erwarten. Es wird also sehr auf ein harmonisches Umfeld geachtet, wo sich der Schüler wohlfühlen kann und wo auch auf seine Vorlieben eingegangen wird.

Vorab sei verraten: Bastian fühlt sich pudelwohl in seiner Gastfamilie und in der Schule und hat ein sehr herzliches und inniges Verhältnis zu seinen Gasteltern entwickelt. Mittlerweile haben ihn dort sogar schon zwei seiner Brüder besucht.

Aber zunächst waren da die vielen bürokratischen Hürden zu überwinden. Visum beantragen, beglaubigte Dokumente, die eine Vormundschaft auf eine kanadische Betreuerin übertrugen, da es sich um einen minderjährigen Schüler handelte, ein "Letter of Acceptance" seitens der Schule musste vorliegen, damit man überhaupt einreisen darf, natürlich musste ein Reisepass her, ferner musste der Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel erbracht werden, welcher den kanadischen Behörden garantiert, dass der Schüler während seines Aufenthaltes versorgt ist….

Ich kann die vielen und zum Teil sehr komplizierten bürokratischen Hürden und Vorbereitungen gar nicht mehr alle aufzählen. Ohne die Hilfe von Praktikawelten hätte ich das nie im Leben alleine geschafft. Hier gab es stets einen Ansprechpartner, der auch sofort reagiert hat und nie ungeduldig wurde bei meinen vielen vielen Fragen, die zum Teil auch schon längst irgendwo in den Mails beantwortet waren. Ich hatte nur oftmals nicht gründlich genug gelesen oder war im Alltag selbst zu angespannt. Aber wie gesagt – ich fand immer ein offenes Ohr und Hilfestellungen für meine Fragen und es gab zahlreiche Ausfüllhilfen. Praktikawelten begleitete mich von der ersten Stunde an bis heute durch alle Prozesse. So eine gute Betreuung kann ich nur empfehlen. Das findet sich ganz sicher nicht überall.

Ziemlich konkret wurde es direkt nach der ersten Kontaktaufnahme: eine Mitarbeiterin und Kanada-Expertin kam zu uns nach Hause und machte sich erstmal ein Bild von dem Reiselustigen. Ich denke, es soll auch eine erste Einschätzung vorgenommen werden, ob die Person psychisch stabil genug ist für solch ein Abenteuer und ob das nicht nur eine flüchtige Idee ist. Gerade bei so jungen Schülern ist dies wichtig. Auch wurde bei der Gelegenheit mal ein bisschen das Englisch erprobt. Bastian zeigt sich bei dieser Begegnung wild entschlossen zu dem Trip und auch sein Englisch ließ einen Schulbesuch problemlos zu. Die Englischkenntnisse wurden dann zu einer späteren Planungsphase aber dann nochmal in einem Skype-Gespräch mit einer kanadischen Mitarbeiterin oder Schulrepräsentantin geprüft. Sie befand Bastians Englisch-Kenntnisse auch für ok. Zu diesem Zeitpunkt war alles schon sehr aufregend, weil es tatsächlich Realität zu werden schien. Die Anmeldung war bereits verbindlich gemacht und die Anzahlung geleistet.

Wir entschlossen uns dennoch zunächst für ein halbes Jahr – also ein Semester. Ein bisschen Rest-Bedenken hatten wir schon, da man ja nie weiß, wie die Umstände sind und ob nicht doch ein großes Heimweh-Gefühl auftritt. Darum dachten wir, ein halbes Jahr wäre erstmal eine gute Idee. Zumal man uns versicherte, dass eine Verlängerung dann nicht mehr so aufwändig sei von den bürokratischen Hürden. Die Entscheidung müsse nur relativ frühzeitig getroffen werden, damit die Schule weiß, welche Plätze auch im zweiten Semester belegt sein werden. Das leuchtete ein. Die Schulen in Kanada nehmen nämlich nur maximal 5% internationale Studenten aus aller Welt auf.

Bastian zog los im September und entschied sich bereits im November für eine Verlängerung. Bum. So schnell geht das. Da waren wir unseren Jüngsten direkt für ein ganzes Schuljahr los. So viel Eigenständigkeit hätte ihm keiner zugetraut. Das Gute für uns an dieser Zwei-Etappen-Buchung war, dass die Kosten für das zweite Semester dann erst Ende Dezember fällig waren. So hatten wir eine kleine Atempause, denn das Leben hier zu Hause ging ja auch weiter mit den anderen Familienmitgliedern. Es gab dann noch ein paar Formalitäten zu erledigen, wie die offizielle Schulverlängerung, aber das war wirklich nicht mehr so wild. Das große Visum galt ja noch. Es gilt automatisch immer für ein Jahr. Natürlich liefen auch Gespräche mit den Gasteltern, damit sichergestellt war, dass Bastian auch im gleichen Haushalt bleiben konnte. Sie sagten sofort "ja" zu der Verlängerung.

Bastian hatte im ersten Semester einen italienischen Gastbruder. Die beiden verstanden sich hervorragend, denn beide haben den Schalk im Nacken und es gab viel zu lachen. Leider blieb der italienische Gastbruder nur für ein Semester. Beim Abschied waren alle traurig.

In der Folge bekam Bastian dann zweimal Besuch von zwei seiner Brüder. Allerdings hintereinander. Mit dem ersten größeren Bruder machte er einen Wochen-Trip nach Las Vegas und mit dem zweiten Bruder dann ausgiebige Shopping-Touren in Vancouver. Die Gastfamilie hatte zum Glück reichlich Raum für die zusätzlichen Kurzbesuche der beiden Brüder. Natürlich haben wir den Gasteltern diese Aufenthalte mit dem üblichen Tagessatz vergütet. Bastian hat aber auch vor Ort reichlich Kontakte geknüpft und hat darum nie Langeweile oder Gefühle der Einsamkeit.

Auch wenn er noch drei Monate vor Ort hat, werden auch jetzt schon Pläne geschmiedet für ein Wiedersehen oder vielleicht sogar für ein späteres Studium in Kanada… Aber das wird die Zeit dann zeigen, denn es gibt hier noch zwei lange Schuljahre bis zum Abi zu schuften. Bastian überspringt mit diesem Aufenthalt die 10. Klasse hier in Deutschland und geht dann nahtlos in die Oberstufe der G8. So braucht er kein Schuljahr zu wiederholen. Er war dafür aber noch relativ jung für solch ein Abenteuer. Am liebsten würde er dort leben. Was uns natürlich etwas befremdet. Aber andererseits ist es so ja das Beste, wenn man es recht bedenkt. Keiner kann sich wünschen, dass sich sein Kind in der Fremde vor Heimweh verzehrt. Und ich bin mir sicher, dass dieses Jahr in Kanada eine lebensprägende Erfahrung sein wird, von der Bastian ganz viel profitiert. Er ist dort zu einem jungen Erwachsenen gereift. Das sagten schon jetzt seine beiden Brüder, die ihn besuchen konnten.

Eine Top Erfahrung mit einem Top Betreuer-Team an der Seite. Ich kann Kanada absolut empfehlen und am besten in der Obhut von Praktikawelten. Die gute Betreuung gab allzeit ein gutes Gefühl und Sicherheit. Die Intensität der Betreuung ließ auch in keiner Phase nach und hält auch jetzt noch an, wenn ich sie denn bräuchte. Aber das ist derzeit nicht nötig, da alles perfekter nicht sein könnte. Der Rückflug ist auch längst umgebucht und eine kleine 14-tägige Verlängerung nach Ende des zweiten Semesters gab' s auch noch, um in Ruhe Abschied nehmen zu können von einer sehr prägenden Zeit und von vielen ganz lieben Menschen insbesondere den Gasteltern Anna und Max.

Ich bin selbst gespannt auf all die persönlichen Berichte von Bastian. Aber sicherlich muss man ihm erstmal Zeit geben, auch den inneren Abschied zu vollziehen und in dieser Welt wieder anzukommen.

Petra K., Mutter von Bastian

Bastian Kenzler mit seinen Eltern vor der Abreise nach Kanada
Bastian Kenzler in Kanada mit seiner Gastmutter

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