Sabbatical Regelungen

Rechtliche Grundlagen für dein Sabbatjahr

In deinem Kopf siehst du dich schon am Strand liegen, als Volontär mitanpacken oder mit Work and Travel die Welt bereisen? Bevor du dich mit deinem Chef an den Verhandlungstisch setzt, um dein Sabbatical auszutüfteln, solltest du dich mit den rechtlichen Grundlagen rund um das Thema Sabbatjahr vertraut machen. Los geht's!

Was ist ein Sabbatical?

Ein Sabbatical, zu Deutsch auch Sabbatjahr genannt, ist ein spezielles Arbeitszeitmodell, das dir eine längere Auszeit von deinem Job ermöglicht. Ursprünglich ins Leben gerufen wurde es von US-amerikanischen Professoren, die sich dazu entschlossen haben, eine Pause vom Universitätsleben zu nehmen, um sich ganz ihren Forschungen zu widmen.

Weitere Informationen zu Dauer und richtiger Zeitpunkt eines Sabbaticals und deine Möglichkeiten: Sabbatical im Ausland

Warum macht man ein Sabbatical?

Um sich Träume zu erfüllen, die sich nach einem langen Arbeitstag nicht (mehr) realisieren lassen oder während dem Jahresurlaub zeitlich schwierig zu verwirklichen sind. Die Möglichkeiten und Wünsche für eine Auszeit sind viele: du willst dich in einem Freiwilligenprojekt engagieren, beruflich in einem Auslandspraktikum weiterentwickeln oder neue berufliche Wege entdecken, autark leben, die Welt sehen, ein Buch schreiben oder einen Reiseblog, eine fremde Sprache lernen, ein Retreat und Yoga-Kurs? Dann ist ein Sabbatical genau das Richtige für dich! 

Gibt es ein Recht auf eine Auszeit?

Grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer ein Sabbatical einlegen. Leider gibt es in Deutschland jedoch - außer für Beamte, Lehrer, Tarifbeschäftigte - keinen gesetzlichen Anspruch darauf.

Du bist Beamter?

Glückwunsch! Du hast in Deutschland laut § 91 Absatz 1 BBG gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Zusätzlich gibt es in allen 16 Bundesländern klare Regelungen dazu: So ist ein Sabbatical an den Antrag auf Teilzeitbeschäftigung geknüpft. Das heißt, du verkürzt deine Arbeitszeit auf dem Papier um bis zu 50 Prozent, arbeitest faktisch jedoch weiterhin in Vollzeit. Dein dadurch angespartes "Guthaben" an Überstunden kann anschließend als Sabbatical zusammenhängend genommen werden, während du dein gekürztes Gehalt während der Auszeit weitergezahlt bekommst. 

Du bist Tarifbeschäftigter?

Und zudem im öffentliche Dienst? Dann gibt es Grund zu jubeln! Du hast nämlich laut § 10 Absatz 6 TVöD gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Dieses läuft ähnlich wie das Sabbatica-Modell für Beamte und Lehrer - nämlich über ein Langzeitkonto - ab. In der freien Wirtschaft findet sich ein solcher Anspruch auf Auszeit ebenfalls in so manchem Tarifvertrag - wie etwa in der chemischen Industrie. Ein Blick in deinen Vertrag bringt Klarheit.

Du bist Beschäftigter in einer anderen Berufsgruppe?

Dann heißt es: Ab an den Verhandlungstisch. Denn um diese Art der Auszeit in Anspruch zu nehmen, ohne dein Arbeitsverhältnis zu kündigen, musst du mit deinem Arbeitgeber eine einvernehmliche Regelung treffen. Auch gut zu wissen: Wenn ein Kollege in einer ähnliche Position bereits ein Sabbatical angetreten hat, hast du den Grundsatz der Gleichbehandlung auf deiner Seite und so rechtlichen Anspruch auf das "Ja" vom Chef.

Wie überzeuge ich meinen Chef von meinem Sabbatical?

 

Eine Reihe Buddhas mit orangenem Tuch am Tempel in Ayyutthaya

Vorbereitung ist alles:

  • Führe das Gespräch lange im Vorfeld.
  • Finde einen günstigen Termin für beide Seiten.
  • Schildere die Vorteile für beide Seiten und unterbreite Vorschläge für die organisatorische Umsetzung: den Zeitplan, die Abwesenheitsregelung, ein Muster für die Vertragsgestaltung, die Wiedereinstiegsmöglichkeiten.
  • Bereite deine Argumente gut vor.
  • Lasse deinem Chef Zeit für seine Entscheidung.

Überzeugende Argumente:

Du möchtest deine Auszeit zur Weiterbildung nutzen

Ob du einen MBA absolvieren oder eine berufliche Weiterbildung mit Zertifikat abschließen willst - dieses Argument zieht, weil es deinem Arbeitgeber und deinen künftigen Projekten zu Gute kommt.

Du kehrst erholt zurück

Und das wiederum bedeutet, übertraen auf den Arbeitskontext und für deinen Chef: neue Ideen, frische Motivation, geballte Energie und eine erweiterte Perspektive.

Du entwickelst neue Talente

So ein Sabbatical kann auch ein wunderbares Experimentierfeld sein und die Chance, sich besonderen Herausforderungen zu stellen: Gehe z.B. ins Ausland und schnuppere dort in verschiedene Arbeitsweisen hinein. Dabei sammelst du viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die du später im alten Job gewinnbringend nutzen kannst. 

Du sparst deinem Arbeitgeber Geld

Dein Arbeitgeber hat gerade mit einem Auftragsloch zu kämpfen? Dann kommt ihm dein Sabbatical finanziell sogar entgegen.

Du hast private Gründe für deine Auszeit

Mehr Zeit für deine Familie und Kinder, ehrenamtliches Engagement, ein akuter Pflegefall in deiner Familie, eine wichtige Renovierung in deinem Haus oder die Entlastung deines Partners sind einfache, aber überzeugende Argumente.

 

Wer ist neben deinem Chef ein guter Ansprechpartner?

Teilnehmerin sitzt auf einer Terasse und genießt den Ausblick auf das Meer

Dein Betriebsrat: In einigen Fällen kann es ratsam sein, mit deinem Wunsch nach einem Sabbatjahr nicht gleich zum Chef zu rennen. Existiert beispielsweise ein Betriebsrat, kannst du dich vorab bei diesem erkundigen, ob überhaupt die Möglichkeit für ein Sabbatical besteht. 

Deine Personalabteilung: Du willst dich darüber informieren, welche Vorgaben und Regelungen es zum Thema Sabbatjahr in deinem Unternehmen gibt? Dann ist eine Personalabteilung eine geeignete Anlaufstelle. 

Deine Kollegen: Natürlich kannst du auch Kollegen befrage, die in diesem Bereich bereits Erfahrung sammeln konnten.

Was kann ich tun, wenn mein Chef "Nein" sagt?

Wenn das Sabbatjahr in deiner Firma etwas Neues ist, musst du unter Umständen zwei Mal oder drei Mal fragen und Überzeugungsarbeit leisten. Mache deinem Chef die Entscheidung leichter, indem du ihm immer wieder den Nutzen für dein Unternehmen präsentierst und vorrechnest. Zahlen haben Macht! Dein letzter Ausweg ist und bleibt natürlich die Kündigung.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um ein Sabbatjahr beantragen zu können?

Dein Arbeitsverhältnis muss mehr als sechs Monate bestehen. Zudem dürfen deinem Sabbatical keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.

Was sollte ich in meinem Vertrag für das Sabbatjahr regeln?

Vertrauen ist gut, ein Vertrag noch besser! Denn alles, was bereits im Vorfeld sauber geklärt und schriftlich festgehalten wird, führt im Nachhinein nicht zu unnötigem Ärger oder Streit.

Diese Fragen sollte dein Sabbatical-Vertrag beantworten

  • Wie lässt sich dein Gehalt im Sabbatjahr berechnen?
  • Wann startet dein Sabbatical, wann musst du wieder zur Arbeit antreten?
  • Welche Aufgabe und Position wartet nach deiner Rückkehr auf dich?
  • Werden deine betriebliche Altersvorsorge und freiwillige Leistungen weiterbezahlt?
  • Wie läuft die Übergabe und Dokumentation deiner bisherigen Aufgaben ab?
  • Was passiert, wenn du im Sabbatical krank wirst?
  • Bist du während des Sabbaticals kündbar?
  • Was passiert, wenn du nicht zurückkehrst?
  • Musst du während des Sabbaticals erreichbar sein?
Yoga Unterricht, Sri Lanka

Gibt es eine Job-Zurück-Garantie?

Aufgrund des sogenannten „erweiterten Direktionsrechts“ hast du leider keine Garantie darauf, dass du nach deiner Auszeit an deinen alten Arbeitsplatz zurückkehren kannst. Achte daher darauf, dass in deinem Sabbatical-Vertrag eine Regelung aufgenommen wird, die eine Rückkehr an deinen alten Arbeitsplatz vorsieht. Alternativ kannst du auch eine Abfindungsvereinbarung mit aufnehmen, für den Fall der Fälle, dass du nach deiner Rückkehr eine schlechtere Stelle zugewiesen bekommst.

Zahlt mein Unternehmen weiterhin die Sozialleistungen?

In den meisten Sabbat-Modellen, ja! Die einzige Ausnahme stellt unbezahlter Urlaub dar, der länger als einen Monat andauert: Hier ruht dein Arbeitsvertrag, deshalb stellt dein Arbeitgeber die Zahlungen vorerst ein und du musst dich selbst um deine Sozialversicherungen kümmern.

Wenn du vor hast, deine Auszeit im Ausland zu verbringen, solltest du zudem den Umfang deines Versicherungsschutzes checken: Bei Reisen innerhalb der EU greift deine gesetzliche Krankenversicherung bei allen Notfällen. Für andere Regionen brauchst du eine spezielle Auslandskrankenversicherung.

Kann ich ein Sabbatjahr gesetzlich einklagen?

Das funktioniert nur dann, wenn du gesetzlichen Anspruch auf eine Auszeit hast oder dein Chef einem Kollegen mit einer ähnlichen Position und Tätigkeit bereits eine Auszeit genehmigt hat. In diesem Fall kannst du deinen Anspruch auf Gleichbehandlung vor Gericht geltend machen.

Darf ich während des Sabbaticals Geld verdienen?

Das kommt ganz auf dein Sabbatical-Modell an:

Du bist während deiner Auszeit weiterhin angestellt? Dann musst du dich an die Regelungen deines Arbeitsvertrags halten. Dieser verbietet Nebenbeschäftigungen in der Regel oder macht sie zumindest genehmigungspflichtig. Damit soll ausgeschlossen werden, dass der Arbeitnehmer für die Konkurrenz tätig wird.

Dein Arbeitsvertrag ruht während deines Sabbaticals? Dann steht deinem „Ferienjob“ absolut nichts im Wege!

Habe ich während meines Sabbaticals Urlaubsanspruch?

Solange ein Arbeitsverhältnis besteht, hast du einen gesetzlichen Mindestanspruch an Urlaub. Diese Regelung gilt ohne „Wenn und Aber“, solange du dich in einem bestehenden Arbeitsverhältnis befindest, und ist völlig unabhängig davon, ob du tatsächlich arbeitest.

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