Sozialarbeit und Wildlife in Südafrika

"Ein riesiger Schub an Selbstvertrauen und Selbstständigkeit"

  • Freiwilligenarbeit
  • Südafrika
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von (18 Jahre)

15.08.2013

Valerie schrieb:

"Von meinem ersten Projekt im Krüger National Park hatte ich eigentlich kaum eine Vorstellung, abgesehen natürlich wie aus Filmen wie König der Löwen, etc. Unendliche Natur, viele Tiere und Hitze. Mir war von vornherein klar, dass ich durch meine zwei unterschiedlichen Projekte

zwei völlig unterschiedliche Seiten von Südafrika sehen werde, die zweite Hälfte, die sich ja doch deutlich mehr in der Zivilisation befand, konnte ich mir da schon wesentlich besser vorstellen. In meiner Vorstellung war Südafrika immer noch das Land wie es sich 2010 bei der Weltmeisterschaft präsentiert hat: bunt, aufgeschlossen und vielfältig. Lebensfreude pur. Und genau diese Lebensfreude wollte ich erleben, vor allem auch bei meiner Arbeit mit den Kindern, auch wenn mir bereits im Vorfeld klar war, dass die Betreuung von Kindern zuweilen sehr sehr anstrengend sein kann. :-)

In meinem ersten Projekt im Krüger National Park mussten wir schon immer sehr früh aufstehen, so gegen 05:15 Uhr, da wir um 05:45 Uhr bereits auf dem Truck sitzen mussten, bereit für die Dawn Patrole. Das war morgens unsere erste Fahrt und meistens sehr interessant, weil man eben auch mal die nachtaktiven Tiere beobachten konnte. Danach haben wir meistens einen Bird Count gemacht, an verschiedenen Stationen zehn Minuten gehalten und Vögel gezählt. Danach sind wir meistens zurück ins Camp und haben erst mal gefrühstückt und uns dann für eine Stunde auf die Wiese in die Sonne gelegt. Manchmal haben wir dann noch eine Lektüre gemacht, bei dem unsere Koordinatorin uns wichtige Dinge über Spuren lesen, Überlebenstechniken etc.; erklärt hat. Mittags nach einem Sandwich konnte wir meistens bis 14:00 Uhr am Pool liegen bleiben, weil es zu heiß zum arbeiten war. Dann mussten wir wieder unsere Arbeitsuniformen anziehen und sind raus gefahren um Reservatsarbeit zu leisten, also die Wege nach einer „Elefantenparty“ wieder frei zu räumen oder Büsche zu schneiden. Danach haben wir meistens noch einen Sun Downer gemacht, also eine Fahrt durchs Reservat, während die Sonne untergeht und sind dann schließlich zurück ins Camp, wo wir uns zusammen Abendessen gekocht haben und später noch gemeinsam zusammen draußen gesessen haben. Wir haben zwar so ziemlich jeden Tag das Gleiche gemacht, langweilig war es trotzdem nicht, da ich mich der Natur noch nie so nahe gefühlt habe und man doch jeden Tag wieder neue Tiere oder Spuren oder andere interessante Dinge gesehen hat.

Für mein zweites Projekt am Strand musste ich erst um 07:00 Uhr aufstehen, konnte mich gemütlich fertig machen, frühstücken und wurde dann um 08:00 Uhr von meinem Fahrer abgeholt und zu meinem Projekt gefahren. Dort hatte ich jeden Tag in der Woche eine andere Klasse, in der ich geholfen habe, aber meistens war der Ablauf relativ ähnlich: Wenn wir ankamen hatten die Kinder gerade Pause und so sind wir als erstes raus auf den Hof um mit ihnen zu spielen, die Schnürsenkel zu binden, etc. Nach der Pause kam eine Lektion von den Lehrerinnen, welche man manchmal beim Unterrichten unterstützt hat, indem man Bücher vorgelesen hat oder die englischen Begriffe für Wörter gesagt hat. Danach war meistens eine Zeit für Gruppenarbeit, in der wurde mir ein Tisch zugewiesen, wo ich helfen sollte, das war meistens der Tisch mit den Kindern, die am schwächsten in der Schule waren. Danach war Snacktime, wo die Kinder ihre mitgebrachtes Essen, essen durften und danach gab es wieder eine halbe Stunde Pause zum Spielen auf dem Hof. Danach kam wieder ein Lektion von der Lehrerin und eine Gruppenarbeitsphase. Meistens habe ich in der zweiten Gruppenarbeitsphase jedoch der Köchin in der Küche beim Mittagessen kochen geholfen. Gegen 12:00 Uhr sind wir dann durch alle Klassen gegangen und haben das Essen verteilt. Sobald die Kinder fertig waren, habe ich dann beim Abwasch in der Küche geholfen, dann Matratzen und Decken für die Kinder zum Schlafen auf den Boden gelegt, die Tische und Stühle abgewischt und den Boden gefegt. Meistens bin ich dann noch in andere Klassenräume gegangen und habe das Gleiche dort nochmal gemacht. Mein Fahrer kam dann meist gegen 13:00 Uhr, so dass ich spätestens um 13:30 Uhr zurück in der Wohnung war, wo wir uns als erstes ein Sandwich zum Mittagessen gemacht haben. Nachmittags bin ich oft mit meinen Mitbewohnern an den Strand gegangen oder in ein Lokal in dem man Internet hatte. Oft bin ich auch nachmittags surfen gegangen, neben den Kindern war das meistens mein Highlight des Tages. Abends haben wir entweder alle zusammen gekocht, manchmal gab es sogar ganze Kochparties in unserer Wohnung mit zwölf Personen oder wir sind mit unserem Fahrer in die Mall zum Pizza All You Can Eat gefahren, wo man meist noch andere Freiwillige von Praktikawelten getroffen hat. Im Gegensatz zum Krügerpark war das Leben während des 2. Projektes schon wesentlich normaler und dem von Studenten sicherlich sehr ähnlich, dennoch könnte ich nicht sagen was mir besser gefallen hat. Am allermeisten an meiner Zeit in Südafrika hat mir jedoch die Zeit gefallen, die ich mit den Kindern verbracht habe, denn auch wenn sie manchmal sehr laut und anstrengend waren, so waren sie für mich doch das Schönste.

Berufserfahrung direkt habe ich selbst jetzt nicht sammeln können, da ich im Gegensatz zu den meisten Freiwilligen dort nicht in die soziale oder pädagogische Richtung studieren werde. Dennoch habe ich viel gelernt, was mir sicherlich auch in meinem BWL-Studium weiterhelfen kann.

Zum einen wäre da ein riesiger Schub an Selbstvertrauen und Selbstständigkeit, man konnte nicht mal eben zu seinen Eltern gehen und sie nach Hilfe oder um Rat fragen. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich eine kleine Verantwortung für einen anderen kleinen Menschen zu tragen, was sicherlich auch dazu beigetragen hat, dass ich verantwortungsbewusster geworden bin. Ansonsten ist auch Dankbarkeit ein ganz anderes Thema jetzt für mich, sowie Freude. Bei meiner Arbeit konnte ich so viel von den Kindern lernen und das größte davon bestand in der Freude selber, denn sie haben mir gezeigt wie vielfältig Freude sein kann, und besonders für diese Erfahrung bin ich sehr sehr dankbar.

Der Kontakt zu den anderen Teilnehmern sowie zu den Einheimischen war sehr gut. Auch das Land hat mir super gut gefallen und ich bin sehr gut mit der neuen, fremden Kultur zurechtgekommen.

Da ich den meisten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung in meinem Projekt hatte, lassen sich eigentlich die meisten Erfahrung übertragen. Grundsätzlich habe ich jedoch nur positive Erfahrungen mit der südafrikanischen Kultur und Bevölkerung gesammelt, die Einheimischen waren sehr nett, aufgeschlossen und haben auch gerne von ihrem Leben erzählt. Die Kultur finde ich schwer zu definieren, da sie aus unterschiedlichen Kulturen der verschiedenen Ethnien besteht. Aber genau dieser Umstand hat mir auch einiges über meine eigene Kultur gezeigt: Wir verteidigen unsere Kultur doch immer recht schnell, anstatt uns einfach für Einflüsse anderer Kulturen zu öffnen. Und wie bereits zuvor erwähnt hat mir vor allem die schwarze und farbige Bevölkerung ein völlig neues Gefühl von Lebensfreude und Miteinander gezeigt, welches mir jetzt bereits wieder in Deutschland sehr fehlt.

Abends habe ich oft mit meinen Mitbewohnern gekocht, manchmal kamen gar andere Freiwillige aus den anderen Wohnungen zum Essen zu uns, weil es bei uns am besten geschmeckt hat :-P Ansonsten war ich nach der Arbeit, sowie am Wochenende oft Surfen, auch etwas was mir hier in Deutschland sehr fehlt. Am Wochenende habe ich entweder irgendwelche mehrtägigen Touren mit anderen Freiwilligen gebucht, um mehr vom Land zu sehen oder habe meistens mit meinen Mitbewohnern Kapstadt auf eigene Faust unsicher gemacht. Oft sind wir mit dem Zug nach Kapstadt gefahren, haben uns am Tag die Stadt und ein paar Museen angeschaut und waren abends mit der einheimischen Bevölkerung in der Long Street feiern. Manchmal sind wir am Wochenende aber auch einfach Zuhause geblieben, um uns von der anstrengenden Woche zu erholen und am Strand unter der Sonne einfach mal die Seele baumeln zu lassen.

In meiner ersten Woche habe ich mir von einer Lehrerin alle Namen von den Kindern aufschreiben lassen, in deren Klassen ich mithelfe. Dazu habe ich noch Fotos von den Kindern gemacht und dann fast jeden Abend vorm Einschlafen alle angeschaut und versucht endlich diese schwierigen Xhosa Namen, am besten noch mit Klickslauten, zu lernen. In meiner letzten Woche konnte ich dann endlich alle Namen und als ich jedes Kind mit Namen ansprechen konnte, war nicht nur ich mehr als stolz und glücklich, sondern auch  die Kinder haben mich angestrahlt und waren so aufgedreht, weil endlich mal ein Freiwilliger die Namen konnte. Generell war die letzte Woche im Projekt mit eine der schönsten, denn nach sechs Wochen hatte man fast zu jedem Kind in irgendeiner Weise eine Beziehung aufgebaut und auch ich habe ihnen in der letzten Woche Seifenblasen mitgebracht und es war so schön zu sehen, wie sehr sich diese Kinder über die Seifenblasen gefreut haben. Natürlich waren auch die vielen Touren und Ausflüge wirklich schön, sowie der Rest meiner Zeit in Südafrika, aber diese Momente waren doch irgendwo einzigartig. :-)

Die Betreuung während meines Aufenthaltes war super und genau nach meinen Vorstellung.

Meine Betreuerin hatte eine sehr herzliche und offene Art. Man konnte sie jederzeit anrufen oder ihr schreiben, wenn es ein Problem gab und meistens ist sie dann noch persönlich vorbeigekommen. Auch ist sie regelmäßig zu wöchentlichen Meetings gekommen.

Mein Fazit:

Für einige Zeit ins Ausland zu gehen ist meiner Meinung nach immer eine gute Entscheidung und hat mich bisher auch immer weiter gebracht. Einerseits ist es natürlich unglaublich interessant ein Land mal so hautnah mitzuerleben, viel näher als jemals ein normaler Tourist es könnte und andererseits lernt man dadurch ja auch so unglaublich viel, nicht nur über das Land und die Kultur, sondern auch über sein eigenes Land und sich selbst. Für einige Zeit ins Ausland zu gehen macht einen nicht nur selbstständiger, sondern auch viel offener für andere Meinungen und Kulturen.

Mein Tipp:

Wer offen für Neues ist, der hat in Südafrika auch kein Heimweh, denn dort findet man nicht nur wunderbare Freunde unter den Freiwilligen, sondern auch viel Spannendes und Schönes, man muss nur die Augen dafür öffnen. Also bitte, seid offen!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Valerie C. so begeistert hat: Sozialarbeit und Wildlife in Südafrika