Sozialarbeit und Wildlife in Südafrika

" gemeinsam viel Zeit am Strand verbracht, haben Elefanten und Löwen besucht"

  • Freiwilligenarbeit
  • Südafrika
  • 4 Wochen

Erfahrungsbericht von

2014-10-08

Jasmin schrieb:

"Da ich mein Praktikum im Ausland absolvieren wollte, hatte ich nicht nur Erwartungen an das Praktikum, sondern auch an meine persönlichen Erfahrungen in Südafrika. Zunächst zu meinen Erwartungen an das 4-wöchige Praktikum. Ich absolvierte mein Praktikum im sozialen Bereich, genauer gesagt in einem Township-Kindergarten mit ca. 20 Kindern im Alter von 1 Monat bis 6 Jahren.

Ich erhoffte mir, dass ich viele Eindrücke über die Erziehungsmaßnahmen und die weiteren Anwendungen sammeln würde, die sich von den Gegebenheiten in Deutschland unterscheiden. Ich erwartete, dass ich viel selbstständig mit den Kindern arbeiten und meine eigenen Ideen mit einbringen durfte. Ich hoffte, dass die sprachliche Verständigung mit den Erzieherinnen nicht zu kompliziert werden würde, da viele nur Afrikaans sprechen und nur ganz wenig, beziehungsweise unvollkommen Englisch. Ich hatte Bedenken, dass es ein wenig zu einem Kulturschock kommen könnte, da die Verhältnisse von dort nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen sind.  Andererseits freute ich mich darauf, den Tagesablauf eines Kindergartens in Südafrika, die Verhaltensweisen der Kinder und ihre Gewohnheiten kennenzulernen. Ich hoffte, dass ich den Kindern in vielen Sachen behilflich sein werde und ihnen beispielsweise in Mathe oder Englisch eine Art Nachhilfe geben könnte.

Auf persönlicher Ebene erhoffte ich mir zum einen, die Kultur, die Lebensweise und die Umgebung der Menschen in Südafrika kennenzulernen, zum anderen selbstständiger und selbstbewusster zu werden, da ich dort alleine hinreiste und viel auf mich selbst gestellt war. Ich erhoffte mir durch das Praktikum eine schöne Zeit, in der ich viele neue Eindrücke sammeln kann. Zudem erhoffte ich mir durch das Auslandspraktikum eine Bereicherung fürs Leben und eine Hilfe für meine spätere Berufsausrichtung.
Die Arbeit war jeden Tag etwas anders, ich habe jeden Tag neue Erfahrungen gesammelt. Dadurch, dass ich mittendrin war und so viel ausführen durfte, habe ich einiges über die Entwicklung der Kinder beobachtet und gelernt. Was ich feststellen musste ist, dass die Erziehungsmaßnahmen im Gegensatz zu Deutschland komplett verschieden sind. Die Sachen, die in Deutschland streng behandelt werden, wie zum Beispiel die Anzahl der Erzieherinnen, die für eine bestimmte Zahl von Kindern vorhanden sein müssen, wird dort nicht beachtet. Es ist oft vorgekommen, dass die Kinder alleine draußen waren, weil zu der Zeit niemand Zeit hatte.

Das Erste, was wir morgens gemacht haben, war, dass wir die Taschen der Kinder ausgeräumt haben und auf alles, was sie dabei hatten, ihre Namen geschrieben haben, damit die Sachen später nicht verwechselt werden. Zum Großteil war es so, dass die Kinder zum Frühstück Haferschleim dabei hatten. Diesen haben sie um 8 Uhr direkt bekommen. Ein paar wenige hatten auch Müsli oder Brot dabei. Nach dem Frühstück haben wir mit den Kindern verschiedene Lieder gesungen, zum Großteil Lieder, die zum Lernen der Zahlen und des Alphabets beigetragen haben. Des Weiteren habe ich den Kindern oft aus Büchern vorgelesen und mit ihnen ihre Namen, die verschiedenen Farben, Zahlen und Buchstaben geübt. In dieser Zeit wurden die Kleineren von den Größeren getrennt. Es war also so, dass die 0- bis 3-jährigen vorne in der Garage geblieben sind und die 4- bis 6-jährigen in die Hütte auf den Hinterhof gegangen sind. Es fand ein täglicher Wechsel statt, einmal war ich vorne bei den Kleinen und dann wieder hinten bei den Älteren. Großartige Unterschiede bei den Tätigkeiten gab es nicht. Der einzige Unterschied war, dass die Älteren meistens etwas fortgeschrittener agierten als die Jüngeren.

Um 10 Uhr fand eine sogenannte Snacktime statt. Die Kinder haben entweder selbst mitgebrachte Chips oder Joghurt gegessen. Obst wurde von manchen Kindern auch mitgebracht, allerdings war die Lust, etwas Gesundes zu essen, leider nicht allzu groß.
Nachdem alle etwas gegessen hatten, wurden kleine Tische aufgestellt und der kreative Bastelteil begonnen. Es gab jeden Tag etwas anderes, was wir mit den Kindern ausgeführt haben. Wir Praktikanten haben in der Zeit, in der wir dort verweilten, viel an Aufgabenstellungen vorbereitet und mitgewirkt. Einmal haben wir in unserer Wohnung am Vortag Mandalas gemalt und in der Druckerei genügend Exemplare ausgedruckt. Durch das Mandalas-Malen wurde sehr schnell klar, welches Kind in seiner Entwicklung wie weit ist und wie lange die einzelnen Kinder konzentrationsfähig sind, beziehungsweise wie lange sie zur Erfüllung der Aufgaben Lust haben. Des Weiteren haben wir Sterne gebastelt, mit Knete verschiedene Figuren hergestellt oder mit Lego gespielt und Körper entwickelt.

Jeden Montag kam die Religionslehrerin der nahegelegenen Schule und hat die Kinder planmäßig auf den Religionsunterricht in der Schule vorbereitet. Diese Stunde jeden Montag gab uns, beziehungsweise den Erzieherinnen die Möglichkeit, besser einschätzen zu können, wer bis zur Schule noch einiges lernen muss, an Benehmen und Geduld und wer dafür bereit ist.
Da den Kindern eine Theateraufführung bevor stand und sie dafür Tiermasken aller Art gebraucht haben, haben wir uns außerhalb des Praktikums darum gekümmert. Wir haben Pappteller eingekauft und dazu Wasserfarben. Daraus haben wir verschiedene Masken gebastelt. Dazu gehörten Fische, Blumen, Löwen, Giraffen und Elefanten. Diese Masken haben wir den Kindern an unserem letzten Arbeitstag übergeben. Sie und die Erzieher haben sich riesig darüber gefreut. Nachdem ich vier Wochen in Südafrika war, muss ich sagen, dass meine Erwartungen auf jeden Fall erfüllt worden sind, wenn nicht sogar übertroffen wurden. Ich durfte jeden Tag selbstständig mit den Kindern arbeiten und jede Idee, die ich hatte, mit einbringen. Die Erzieherinnen haben sich über jede Idee gefreut.

Das ganze Projekt war sehr interessant und es hat sich wirklich gelohnt. Mir haben die Tagesabläufe in ihrer Gesamtheit gefallen und dabei habe ich mein Ziel erreicht, den Kindern etwas beizubringen und auf die Schule vorzubereiten. Meinen Berufswunsch hat das Praktikum nicht beeinflusst, es hat nur noch einmal bestätigt, dass ich mich gerne sozial engagiere und meinen Berufsweg in die soziale Richtung einschlagen will. Dass ich keine Erzieherin werden will, war mir vor dem Praktikum schon klar, trotzdem hat es mir sehr viel Spaß und Freude bereitet und die Möglichkeit gegeben, eine andere Seite der Welt besser kennenzulernen.
Es war mein vierter Aufenthalt in Südafrika, von daher kam einerseits nichts Überraschendes auf mich zu, andererseits empfindet man viele Situationen dann doch als neu oder abgewandelt. Diese Empathie ist für mich das Reizvolle bei jedem neuen Aufenthalt.

Mit den anderen Teilnehmerinnen aus meiner WG habe ich fast täglich eingekauft, Essen zubereitet und es später gemeinsam genossen. Außerdem haben wir gemeinsam viel Zeit am Strand verbracht, haben Elefanten und Löwen besucht und als abendlichen Absacker auch mal ein Glas Wein in einer der vielen Bars getrunken.
Ein Wochenende haben wir zu sechst (nur Mädels!) in Kapstadt verbracht, super! Der tollste Moment war das Bungee Jumping! Das war wohl das non plus Ultra!
Es gab (zum Glück) nichts Aufregendes, was einen aus der Bahn geworfen hätte. Selbst als eine Mitreisende auf dem Flughafen Kapstadt kollabierte, war das Team vor Ort mit dem richtigen Personal und den erforderlichen Maßnahmen aktiv. Alle Achtung, ich zücke den Hut!!! Dafür gibt’s  fünf Sterne!

Fazit:
Nach dem Abitur habe ich vor, ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz zu absolvieren und danach eine Ausbildung beim Zoll oder bei der Polizei zu beginnen. In dem Praktikum sah ich die Möglichkeit, andere Sozial-, Lebens- und Erziehungsformen kennenzulernen, die mir auch in meinem späteren Leben und Berufsweg weiter helfen werden.
Die Vorbereitung, vor allem durch die Informationsschriften von Praktikawelten waren sehr gut. Auch die Hinweise, die gesundheitliche Fragen betreffen, wurden angesprochen. Die Menschen dort in Südafrika unterscheiden sich in diesem Punkt nicht sehr von uns Mitteleuropäern."

Erfahre mehr über das Projekt, das Jasmin A. so begeistert hat: Sozialarbeit und Wildlife in Südafrika