Big Five Reserve in Südafrika
Zwei Nilpferde an einem Fluss

"Ich konnte eine der landschaftlich wunderschönsten Seiten Südafrikas tagtäglich genießen"

  • Freiwilligenarbeit
  • Südafrika
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

24.03.2013

Melanie schrieb:

"Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir keine großen Gedanken gemacht habe. Ich wollte so unvoreingenommen wie möglich in dieses Land reisen. Natürlich war mir die Geschichte und die Spannungen zwischen Weißen und Schwarzen in Südafrika durch die Medien und die Schule bekannt.

Aber dennoch wollte ich mir meine eigene Meinung dort machen. Ich wusste im Voraus auch, dass Südafrika ein, landschaftlich betrachtet, sehr abwechslungsreiches und magisches Land ist! Ich hatte mich natürlich auf warmes Wetter gefreut:-)

Bei der Arbeit war es ähnlich, ich hatte mir vorab keine Vorstellungen gemacht. Gut, dass ich viel draußen sein werde und mit Tieren und Menschen arbeiten werde, war mir klar!:-)

Wie bereits erwähnt, habe ich keine genauen Vorstellungen gehabt. Aber das, was auf mich zukam, war toll! Schnell habe ich mich in die Abläufe, den Alltag, den Park, die Leute und die Arbeit gewöhnt! Es waren alle immer so freundlich!

Jeden Tag habe ich was anderes erlebt und unglaublich viel von der Flora und Fauna von Addo sehen können!

Die Ranger haben auch immer darauf geachtet, uns Besonderheiten zu zeigen und uns viel zu erzählen! Auch waren sie an uns und Deutschland interessiert und es gab viele tolle Gespräche mit „AHA-Effekt“! Ich habe mich daher sehr wohl gefühlt!

Morgens um sechs klingelte immer der Wecker. Allerdings war ich immer schon früher wach, da in Südafrika die Sonne schon viel früher aufging und somit die Tiere, insbesondere die Vögel, auch schon aktiv waren!

Morgens frühstückten wir Mädels immer schnell und richteten uns Lunchpakete für den Tag!

Um sieben Uhr gab es dann auf dem Versammlungsplatz mit allen Rangern und Freiwilligen die morgendliche Hauptversammlung. Wir erfuhren, was für den Tag geplant wurde und konnten uns dann einer der zwei Rangergruppen anschließen!

Aufgaben der Ranger und uns Freiwilligen waren das Entfernen von Gras und Unkraut unter dem Elektrozaun, das Kontrollieren der Voltzahlen und das Patrouille fahren mit dem Jeep durch den Park, wobei wir die Tiere und die Landschaft beobachteten, um Unstimmigkeiten zu finden. Wir haben auch ganz oft die Wasserpumpen im Park kontrolliert und Benzin nachgefüllt.

Ich liebte es immer auf dem Jeep zu stehen und einfach nur im Park rumzufahren und Tiere in der Landschaft zu entdecken.

Aufgaben, die ganz speziell nur uns Freiwilligen übertragen wurden, gab es nicht. So gut es ging, haben wir den Ranger bei ihrer täglichen Arbeit geholfen.

Besonders beeindruckend war, dass wir bei der Freilassung von einem Nashorn und mit einem Löwenforscher unterwegs sein durften!

Mittags haben wir alle zusammen gegessen und uns für ein Stündchen schlafen gelegt, das war so gemeinschaftlich und chillig.

Um 16 Uhr war dann Feierabend für alle. Den Abend haben wir meist damit verbracht, uns gegenseitig (zwischen den Freiwilligen)die Ereignisse vom Tag zu erzählen und über lustige Situationen zu lachen, haben gemeinsam gekocht und den Abend gemütlich zusammen verbracht.

Beim Arbeiten konnte ich nicht nur kennen lernen, was ein Ranger so den ganzen Tag macht, was seine Aufgaben sind und was er alles wissen muss, es war viel viel mehr. Ich konnte eine der landschaftlich wunderschönsten Seiten Südafrikas kennen lernen und tagtäglich genießen. Die tägliche Arbeit im Park war beeindruckend. Die Tier- und Pflanzenwelt ist großartig. Aber auch zwischenmenschlich passierte viel. Die Ranger und wir Freiwillige lernten uns kennen und sprachen über unsere Kultur, unsere Heimatländer und über alle möglichen alltäglichen Themen.

Die Arbeit im Park mit den Rangern eröffnete mir ein ganz anderes Menschenbild über die Südafrikaner und erweiterte meinen sozialen Background.

Südafrika ist ein kulturell sehr reiches Land. Allein die Tatsache, dass es 11 anerkannte Sprachen in Südafrika gibt, spricht für die Vielseitigkeit dieses Landes.

Wir haben uns mit den Rangern angefreundet und viele Gespräche während der Arbeit geführt. Wir unterhielten uns über unsere Länder, wie wir wohnen, was unsere Zukunftspläne sind, über Liebe und Beziehungen und über Alltägliches. Es war erstaunlich zu sehen, wie die Ranger von Tag zu Tag mehr Vertrauen zu uns fanden. So trauten sie sich, auch immer mehr und auch Detailliertes zu fragen!

Oft hatte ich ein schlechtes Gewissen den Rangern gegenüber, da diese alle recht arm waren. Ich, ein deutsches Mädchen komme nach Südafrika und zahle auch noch Geld, um mit den Rangern im Park zu arbeiten. Ich bin für deutsche Verhältnisse nicht sehr wohlhabend, aber im Vergleich zu unseren Rangerfreunden, bin ich reich! Ich hatte deshalb oft ein schlechtes Gewissen, weil sie so arm waren.

Allgemein kann ich sagen, dass Südafrika die Bevölkerung von Südafrika sehr interessant und abwechslungsreich ist. Auf der einen Seite hat man die Schwarzen und auf der anderen die Weißen!

Die Weißen sind sehr modern und westlich orientiert. Sie haben Geld und können sich ein sehr modernes Leben mit Studium, Reisen, Auto und Luxusgütern leisten. Unsere weißen Freunde dort unterscheiden sich nicht groß von den unseren hier in Deutschland.

Ich fand es beunruhigend  mitzuerleben, was für ein krasser sozialer Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen immer noch dort herrscht. Die meisten höheren Führungspositionen waren und sind stets von Weißen besetzt. Viele der jüngeren Rangern arbeiten, um sich Geld für ein Studium zusammen zu sparen.

Trotz dieser Unterschiede erlebte ich auch, dass die Diskriminierung und die Unterschiede und die Distanz bei den jüngeren Generationen langsam abnimmt! Alle Südafrikaner sind immer sehr offen, freundlich und nett zu uns gewesen. Ich liebe ihre Lebenseinstellung, wo Stress und Hektik selten sind!

Unter der Woche nach dem Arbeiten saßen wir Mädels stets bei Kaffee und Keksen auf unserer Veranda und erzählten uns vom Tag! Wir lachten viel zusammen und hatten Spaß!

An den heißen Tagen gingen wir oft noch zum Pool und hüpften zum Abkühlen einmal rein! Abends wurde dann zusammen gekocht!

Wir lernten auch einen jungen Studenten kennen, der uns oft auch zum Abhängen und Quatschen zu sich einlud. Zwei Häuser weiter saßen wir dann auf seiner Wiese vorm Haus und rauchten Shisha.

Am Wochenende waren wir immer im Umland unterwegs und versuchten so viel wie möglich von Südafrika zu sehen. Wir haben eine Großkatzenfarm und ein Reptilien-Haus in unserer Nähe besucht. Oft waren wir in Port Elizabeth und lagen am Strand, gingen Shoppen, schnorcheln und einmal sogar zum Rugby-Spiel schauen in einem Pub.

Zwei große Trips waren die Küste entlang nach Plettenberg Bay und nach Jeffreys Bay. Im ersteren waren wir Ziplining, haben eine Elefantenfarm besucht, auf Monkeyland und waren in Mosselbay Shark Cage Diving! Einfach geil!!! In Jeffreys Bay waren wir Shoppen im Billabong Outlet, am Strand und abends feiern !

An unseren Wochenenden in Addo kauften wir uns gerne was zu trinken im Park-Shop und saßen am Aussichtspunkt, wo man auf ein Wasserloch mit Tieren schauen konnte, und lachten und quasselten den ganzen Abend!
Ich hatte echt viel Spaß in Südafrika!

Der beste Moment während meines Aufenthaltes war mit einem Ranger, den ich sehr gern hatte. Er ist schon fast 55 Jahre alt und hätte auch mein Papa sein können. Wir sprachen oft über unsere unterschiedlichen Kulturen und Länder. Ich genoss unsere Gespräche immer sehr und fühlte mich sehr wohl bei ihm. An einem meiner letzten Tage sagte er zu  mir, dass er es so wichtig findet, dass so nette und offene WEIßE Mädchen mit ihm und den anderen Rangern arbeiten. (Alle Ranger sind schwarz gewesen!)Dadurch erleben sie, dass  Weiße auch nett sein können, unvoreingenommen ihrer Hautfarbe gegenüber und ihren finanziellen Mitteln. Bei diesem Zusammensein und Zusammenarbeiten tun wir, unbewusst, ganz viel für die Verbesserung der Weißen-Schwarzen-Beziehung und Wiederannäherung!

Die Vorbereitung und Unterstützung durch das Praktikawelten-Team war super. Das Reise 1x1 war toll und sehr informativ! Gut fand ich auch, dass ich eine Projektbeschreibung vom Park selbst bekommen habe. Die Angaben dort stimmten auch mit dem überein, was ich im Projekt dann vorgefunden habe! Ich habe die Mitarbeiter immer erreichen können und wurde sehr gut beraten! Klasse!

Unsere Betreuerin vor Ort war sehr nett und immer sehr hilfsbereit. Allerdings hatte sie sehr viele andere Aufgaben neben unserer Betreuung zu erledigen. Sodass ich oft das Gefühl hatte, dass sie stets im Stress war. Sie war aber eine sehr bemühte und offene Frau!

Meine Zeit in Afrika war die beste Entscheidung seit langem! Ich hab wunderbare und unvergessliche Dinge erlebt und gesehen, tolle Menschen kennen gelernt, mich selber weitergebildet und auch selbst kennen gelernt! Ich kann sagen, dass mich die Reise menschlich aber auch geistlich weiter gebildet hat. Es war einfach unbeschreiblich toll! Danke, dass ihr sowas anbietet!

Als Tipp kann ich zukünftigen Weltenbummler geben:
Bitte nehmt Klamotten mit, die dreckig werden können und ordentliche Arbeitsschuhe! Keine Sneakers!!!!In Afrika leben Insekten und anderes Ungeziefer!! Die können auch mal im Haus rumkrabbeln!! Dessen sollte man sich bewusst sein!!
Seid einfach offen und ehrlich und interessiert an den Menschen und ihrer Kultur, aber kennt klar eure eigenen Grenzen. Wenn euch etwas nicht gefällt oder euch zu privat wird, dann traut euch auch, das zu sagen!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Melanie K. so begeistert hat: Big Five Reserve in Südafrika