Umweltschutz in Neuseeland

"ich hatte das große Glück auch mitten im unberührten Regenwald zu arbeiten"

  • Freiwilligenarbeit
  • Neuseeland
  • 4 Wochen

Erfahrungsbericht von

19.03.2013

Julia schrieb:

"Bevor es nach Neuseeland ging, hatte ich den "Lonely Planet" bestimmt schon drei Mal durch gewälzt, habe Seiten markiert und Klebezettelchen verteilt. Am Ende meiner Recherche hatte ich ein Besichtigungsprogramm erstellt, das meinen Zeitrahmen komplett sprengte. So ein kleines und bevölkerungsarmes Land und so viel zu sehen. Ich war jedoch glücklich über die Möglichkeiten meines bevorstehenden Programms. Jede Woche ein anderes Projekt hieß es und das mitten in der Natur, für mich Naturburschen genau das Richtige. Ich war gespannt, ob ich wirklich so viel herumkommen würde und konnte es nicht erwarten loszufliegen. Dank Praktikawelten gab es da gar keine Bedenken oder Ängste und das war wirklich ein gutes Gefühl vor so einer großen Reise.

Es gab viele Gründe, warum ich von meinem Programm durchweg begeistert war. Ich hatte das Gefühl, als ob das Projekt direkt auf mich zugeschnitten war. Bevor es losging hatte ich mir erhofft, viel von Neuseelands Nordinsel sehen zu können, nette Menschen aus aller Welt kennenzulernen und durch meine Arbeit positives zu bewirken. Genau das traf auch ein und deshalb kann ich das Projekt jedem empfehlen, der sich nicht zu schade ist mal kräftig mit anzupacken, kontaktfreudig ist und Spaß daran hat, jede Woche mindestens einmal den Standort zu wechseln.

An den Wochenenden hatten wir frei und konnten unsere Zeit einplanen wie machen es uns gefiel, dass heißt also auch mal Ausflüge mit den anderen Volontären oder in Auckland bleiben und abends ausgehen. Das Volontärhaus hatte für alle genügend Platz, es gab ausreichend Badezimmer und übermäßig viel Essen. Montags ging es dann in die jeweiligen Projekte, denen man vorher zugeteilt wurde. Das hieß also Montagmorgen früh aufstehen, seine sieben Sachen schnappen und rein in den Van. Unser Teamleader hat uns dann alle zum Einsatzort gefahren, der mal näher oder auch mal 8 Stunden entfernt lag. Von dort aus, ging es dann meist in Nationalparks, in denen man einiges zu tun hatte. Das umfasste vor allem eingewanderte Pflanzen zu entfernen, Vogelbeobachtungen und -zählungen, im Herbst und Winter Bäume pflanzen. Des Weiteren bildeten wir Lehrpfade und tauschten Fallen aus bzw. bestückten sie mit neuen Ködern. Dabei fühlte man sich prinzipiell sicher, da immer darauf geachtet wurde, dass man sich mit den Werkzeugen vertraut machte und auch alles genau erklärt bekam. Ein normaler Arbeitstag dauerte von 8 bis 15 Uhr und es wurden kurze und lange Pause gemacht, in denen man sich ausreichend von der teils harten körperlichen Arbeit erholen konnte. Generell hat jeder das gemacht, wozu er körperlich fähig war und es gab keinen Zwang. Und da die Gruppen stets international gemischt waren, hatte man neben und während der Arbeit sehr viel zu reden und zu lachen und es wurde nie langweilig. Abends wurde dann gemeinsam gekocht und gegessen und je nach Ausstattung der Unterkunft Karten gespielt, in die Sterne geguckt oder wahlweise auch in den Fernseher :-) Die Unterkünfte konnten alles Mögliche sein, mitunter wurde gecampt, im Bibelcamp gewohnt oder auch mal im Privathaus mit Pool und Steinofen logiert. Am Freitag ging es dann nach einem halben Arbeitstag wieder zurück nach Auckland ins Volontärhaus.

Da ich momentan meinen Master in Organismischer Biologe mache, war diese Art der Umweltarbeit eine tolle Ergänzung zu meinem Studium. Ich habe viel über die einzigartige Flora und Fauna Neuseelands gelernt, vor allem auch durch die fachlich gut ausgebildeten Teamleader und Parkranger. Weiterhin verbesserte sich mein Englisch innerhalb kürzester Zeit und jetzt ist es kein Problem mehr, mich fließend in Englisch zu unterhalten. Generell knüpft man so viele internationale Kontakte und lernt viel von anderen Teilnehmern.

Wenn ich eines in Neuseeland mit regelmäßiger Sicherheit gemacht habe, dann war es das Erzählen meiner Lebensgeschichte. Was hat mich nach Neuseeland getrieben, was mache ich hier, wo komme ich her und wo will ich mal hin. Neuseeländer sind unfassbar warmherzige Menschen und interessieren sich nicht nur aufrichtig für dich, sondern auch für deine Kultur. Selbst der Busfahrer auf Waiheke Island hat mit mir ein 15-minütiges Gespräch geführt und war Feuer und Flamme, denn seine Großeltern waren Deutsche. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Überhaupt gefällt mir die multikulturelle und zusammengewürfelte Bevölkerung Neuseelands. Auch das naturverbundene Volk der Maori und ihre deutlichen Fußspuren in der neuseeländischen Kultur waren beeindruckend.

Vor allem an den Wochenenden bildeten sich Grüppchen, die verschiedene Ausflüge machten. Mich hat es unter anderem nach Wellington, Hobbiton, Rangitoto, Devonport und Waiheke Island verschlagen. Alles Orte die sich wirklich lohnen und ich verweise auf den "Lonely Planet", um näheres darüber herauszufinden. Während meiner Projekte hatte ich das große Glück auch mitten im unberührten Regenwald zu arbeiten oder an wunderschönen verlassenen Stränden und Wasserfällen eine Pause zu machen. Abends während der Projekte gab es mitten in der Pampa nur die Unterhaltung durch andere Teilnehmer, was mitunter wirklich sehr lustig war. An den Wochenenden gab es auch den einen oder anderen Abend, an dem die komplette Besatzung des Volontärhauses ausgegangen ist und feiern waren, mit anschließendem Katerfrühstück am nächsten morgen. Zusammenfassend gab es also keine Sekunde, die langweilig gewesen wäre.

Einer der schönsten Momente war wohl, als wir nach getaner Arbeit an den nahgelegenen Strand gefahren sind. Die Sonne stand schon tief und das Meer war relativ weit zurückgezogen, weil Ebbe war. Dadurch reflektierte der nasse Sand den Himmel und der Strand war so lang, dass man links und rechts kein Ende sehen konnte. Das war wirklich das schönste Fleckchen, das ich in Neuseeland gesehen habe und das erstaunliche und schönste daran war, dass an diesem traumhaften Strand, nicht ein Mensch weit und breit zu sehen war.

Ich fühlte mich stets gut von Praktikawelten aufgehoben und Fragen wurden direkt beantwortet. Da gab es nicht viele, weil die Unterlagen eigentlich alles ausführlich erklärten. Besonders gefielen mir besagte Unterlagen und das Gefühl, am anderen Ende der Welt nicht allein zu sein. Vor allem die Mitreisendenliste ist eine sehr gute Sache, auch wenn nicht alle Daten korrekt sind und sich der eine oder andere schon längst im Reiseziel befunden hatte, als ich ihn anschrieb. Aber das ist wirklich ein Luxusproblemchen :)

Über die Betreuung vor Ort kann ich nur Gutes berichten. Sie waren kompetent, haben mit angepackt, waren stets freundlich und vermittelten Sicherheit bei der Arbeit. Als einziges störte mich die Regelung des Headquarters von Conservation Volunteers, dass man während der Projekte nicht schwimmen oder baden durfte. Das ist wirklich übertrieben, weil jeder Teilnehmer über 18 ist und sich der Gefahren bewusst ist.

Mein Fazit:
Kurz und bündig, es ist eine der besten Entscheidungen gewesen, die ich seit Langem getroffen habe. Mein Aufenthalt hat mich selbstständiger, offener und entspannter gemacht. Ich kann es jedem ohne Einschränkungen empfehlen eine Reise nach Neuseeland zu machen.

Prinzipiell nimmt man immer zu viele Sachen mit, vor allem als Conservation Volunteer ist es wichtig die richtigen Sachen mitzunehmen. Zu 85 % benötigt man Arbeitskleidung, dass heißt eigentlich nur lange Hosen und Shirts die hell, leicht und luftig sind und vor allem dreckig werden dürfen! Einige meiner Arbeitssachen habe ich in Neuseeland gelassen, um die Tonnen an Souvenirs mitschleppen zu können. Und ganz wichtig ist wirklich ein hoher Sonnenschutz! Selbst Leute die einen dunklen Teint hatten und sonst nie Sonnenbrand hatten (nach eigenen Aussagen), waren am Ende eines Tages rot wie ein Lobster. Kleiner Tipp zum selbst mal gucken. Und eines noch: Bei Conservation Volunteers steht, man benötige Arbeitsschuhe mit Stahlkappen... Bloooooß nicht, festes Schuhwerk welches ihr auch zum Wandern nehmen würdet sind perfekt. Auch gut zu haben ist ein Moskitovorhang für's Bett, ein Regencape und eine Wechselsteckdose."

Erfahre mehr über das Projekt, das Julia K. so begeistert hat: Umweltschutz in Neuseeland