Wildlife in Namibia

"Leoparden in der freien Wildbahn zu sehen ist wirklich etwas ganz außergewöhnliches"

  • Freiwilligenarbeit
  • Namibia
  • 6 Wochen

Erfahrungsbericht von

17.04.2014

Kathrin schrieb: 

A once in a lifetime experience
Das Unerwartete

"Als ich ankam, wurde ich ganz herzlich willkommen geheißen vom Team und den anderen Freiwilligen. Nachdem ich mein schönes Zimmer bezogen hatte, wurden mir die wichtigsten Dinge gezeigt und ich begann Teil dieser wunderbaren Familie zu werden.

 Ich lernte die Tiere kennen, hatte ein tolles Abendessen auf der Veranda nach meinem ersten Sundowner in diesem Jahr und landete am Ende des Tages am Lagerfeuer.

Den nächsten Tag begannen die anderen Freiwilligen und ich mit der täglichen Fütterung. Da gibt es meine Lieblingsbabygiraffen, die dreimal am Tag Milch aus der Flasche bekommen. Da gibt es Okkie, einen Wasserbock und Maxi, einen Springbock. Cameron, die Meerkatze und die Mangusten, die alle Milch lieben. Die Milch kam immer von den hauseigenen Ziegen, die wir nach dem Melken am Morgen raus auf die Wiese brachten und abends wieder zurück in ihr Gehege. Es gibt außerdem viele Enten, Vögel und ein paar Ratten, die z.B. auch mal als Futter für Sterretje, einen Karakal, der auf dem Farmland lebte und uns ab und zu besuchte, dienten. Selbstverständlich werde ich auch niemals unser Warzenschwein Peggy Sue vergessen, die unsere Essensreste und die von uns vorbereiteten Schlammbäder liebte.
Nachdem wir uns um die Tiere nahe der Lodge gekümmert hatten, nahmen wir immer ein Auto, meistens Skorro-Skorro, mein geliebtes altes Vehikel, und fuhren zu den vier weißen Nashörnern Daan, Dina, Noah und Valerie. Am Abend dann fütterten wir auch Surabie, unsere alte Löwin und die 5 Geparden vom Wagen aus. Von der Ladefläche des Autos hatten wir immer einen großartigen Ausblick in deren Gehege. Oder wir schauten Wolfie, der gepunkteten Hyäne, beim Bad in ihrem „Jacuzzi“ zu und schmissen Fleisch über den Zaun zu den zwei Leoparden Matla und Itaba. Außerdem gibt es noch Garfield, die Hauskatze, die am liebsten immer auf deinem Stuhl oder, wenn du es zulässt, in deinem Bett schläft.

Die jungen Elefanten haben ihre eigenen Pfleger, aber du darfst ihnen natürlich immer gerne helfen oder einen Spaziergang mit Stouter, einer ganz ruhigen Elefantin, einlegen und mit ihr am Wasserloch spielen.
Neben der täglichen Routine gibt es noch ein großes Gehege, das einmal die Woche geputzt werden muss, ein bisschen Farmarbeit und ein paar andere Dinge, die erledigt werden müssen. Und die tollen Ausflüge natürlich.

Eigentlich ist kein Tag wie der andere, es gibt immer Platz für die ein oder andere Überraschung. Zum Beispiel ist es jeden Tag möglich, dass ein paar neue Tiere in der Farm eintreffen. Neben ein paar anderen kamen eines Tages ein paar Schildkröten an, für die wir dann ein Gehege bauen mussten. Die Farm wächst und du kannst davon ein Teil sein! :)

Nun zu ein paar ganz besonderen Momenten meines Aufenthalts:

Ein Tag ist eine sehr persönliche Erinnerung von mir. Wir sind ein wenig früher als normal aufgestanden und dann zum Elefantenhaus gegangen, wo wir Zeugen wurden wie Loxie in unserer Farm ankam. Wir waren da, als ein Kranwagen die große Transportbox mit ihr drin brachte und als das Team sein bestes gab, dass  es ihr gut ging in ihrem neuen Zuhause. Loxie ist ein Elefantenbaby, das sehr schlecht behandelt wurde auf einer Farm. Es tat fast weh, ihre Verletzungen zu sehen. Aber es war umso toller zu sehen, wie sie anfing zu essen und zum ersten Mal mit den anderen Elefanten in Kontakt trat. Zu sehen, wie sie sich immer wohler fühlte, berührte mich tatsächlich tief. Aber das ist noch nicht alles, was an diesem Tag passierte. Als wir zurück zur Lodge gingen, erfuhren wir , dass Sussie, eine der vier Giraffenbabys gerade gestorben ist. Wir waren schockiert! Nach ein paar Minuten gingen das ganze Team und wir zu den verbliebenen drei und standen einfach nur vor ihnen. JJ, Oubaas und Namab schauten uns nur an, als ob sie uns fragen wollten, was mit ihrem Freund geschehen war. Sie sahen so traurig wie wir aus. Es war so ein berührender Moment. Ich liebe alle Babys so sehr und es war noch schwieriger für mich, weil der Tag zuvor der erste Tag war seitdem ich angekommen war, an dem ich keine Zeit mit ihnen verbracht hatte, weil wir viel mit Putzen und ähnlichem zu tun hatten. Alle anderen Tage hatte ich sie zumindest einmal besucht. Das zeigt, dass du niemals einen Tag verlieren solltest, an dem du Zeit verbringen kannst mit denen, die du liebst, weil es kann immer der letzte Tag sein… Rest in Peace Sussie, ich werde dich nie vergessen!

Trotzdem, danach mussten wir uns um alle anderen Tiere kümmern, weil sie uns natürlich immer noch brauchten. So ist das Leben…

Am nächsten Tag sind wir zum Etosha National Park gefahren. Und wir hatten so viel Glück so viele wilde Tiere zu sehen. Neben den ganzen süßen Zebras, Giraffen, Antilopen, Springböcken, Schakalen und Sträußen, haben wir auch eine große Löwenfamilie mit vielen spielenden Jungen direkt bei unserem Auto gesehen. Wir haben ihnen fast eine Stunde zugeschaut, es war  wirklich grandios! Und wir entdeckten eine Herde von ca. 50 Elefanten verschiedenen Alters. Sie nahmen ein Bad, aßen oder relaxten bloß. Ich musste wirklich fast weinen, als ich ihnen so nahe war. Am Ende haben wir sogar noch einen Leoparden gesehen mit drei Jungen. Leoparden in der freien Wildbahn zu sehen ist wirklich etwas ganz außergewöhnliches. Was für ein Tag! :)

Als wir am nächsten Tag zurück zur Farm kamen, nach einer tollen Nacht beim campen, in der wir total viel Spaß hatten das Zelt aufzustellen, ein perfektes BBQ mit ein paar süßen Eichhörnchen um uns herum hatten und am Wasserloch saßen, um all die Tiere bei Nacht zu sehen, ging ich direkt zu den Giraffen um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Und während ich in ihrem Gehege stand kam Quabaas auf mich zu, senkte seinen Kopf herab und berührte mein Gesicht für eine Weile. Es war so emotional, es hat mich wirklich tief berührt!

Und nach ein paar Tagen erfuhren wir auch, dass Loxie zunehme, was für Jungelefanten wirklich sehr wichtig ist und wonach es am Anfang ja nicht aussah. Also war alles gut.

Dann hatten wir einen weiteren tollen Sundowner in einer kleinen Gruppe beim Baumhaus tief in der Natur des Farmgeländes  gleich bei einem Wasserloch. In dem Baumhaus haben wir zuvor auch schon einmal übernachtet. Und eine Nacht haben wir sogar auf dem Dach des Elefantenhauses übernachtet, wo wir dann nicht nur tolle Gespräche hatten, sondern auch die Elefanten während der Nacht beobachten konnten. Und die Aussicht am Morgen beim Sonnenaufgang war einfach atemberaubend!

Auch die Wochenenden hab ich sehr genossen, wenn alle Familienmitglieder heimkamen und wir immer ein großes Abendessen zusammen hatten. Ich hab es geliebt danach Kobus´ Geschichten am Lagerfeuer zu lauschen oder nur die Tiere beim Wasserloch zu beobachten oder die funkelnden Sterne und die wunderschöne Milchstraße.Während so mancher Nächte haben wir auch Musik mit Gitarre, Trommeln, Rasseln und Gesang gemacht.

Samstag nachmittag war meistens Zeit für Rugby, was besonders viel Spaß gemacht hat, wenn Südafrika gegen Australien spielte mit Leuten aus den beiden Ländern. Und Samstag Abend hatten wir immer ein großes Grillfest mit Stockbrot und danach geröstete Marshmallows. Nur so nebenbei, das Essen war immer super lecker. Das meiste Gemüse wuchs im Garten der Farm, aus dem ich im Laufe des Tages nicht selten einfach mal eine leckere Karotte geklaut hab. ;)

Sonntags sind wir meist raus aufs Farmland gefahren und hatten ein schönes Buschpicknick bei dem wir immer viel Spaß hatten.
Die Abende bevor Freiwillige abreisten, hatten wir immer einen besonderen Sundonwer mit Sekt, Wildfleisch und Pommes an einem schönen Ort mit einem großartigen Ausblick über die ganze Farm.

Einmal konnten wir selbst nach einigem Suchen eine Ziege nicht mehr finden. Und am nächsten Tag fanden wir sie dann: mit ihrem Baby. Sie hat sich also nur bisschen Privatsphäre gegönnt um ihr Kind zu gebären. Wie nett. :)

Auch die Nachmittage, an denen wir in einem größeren Haus für die Straußenbabys gebastelt haben oder als wir ein neues Wasserloch in einem Gehege bauten und dann in den Pool gesprungen sind mit all unseren dreckigen Klamotten nach dieser harten Arbeit um uns zu erfrischen, hab ich gemocht.

Auch die Fahrten um Holz zu sammeln haben Spaß gemacht, weil wir das große Farmland erkundet haben und ein paar unbekannte Früchte, wie die grüne Mango Orange, gesammelt und später dann probiert haben.

Einmal war ich so müde, weil ich immer spät ins Bett ging, aber früh aufstand, dass ich tatsächlich auf der Ladefläche unseres Autos auf einem großen Sack Luzern eingeschlafen bin, während wir auf einem sehr holprigen Weg fuhren. Da nannten mich die Namibier ein echtes afrikanisches Mädchen. :)

Und ich werde niemals diesen einen Abend vergessen, als Peggy Sue um uns herum lief, als wir BBQ hatten. Sie schmiss mein Bier um und trank es dann und schlief schnell ein. Nach ein paar Stunden musste sie aufgewacht sein, weil sie in das Haus eines unserer Führer eingebrochen war. Der Guide hat in der Nacht draußen im Busch übernachtet, als er also heimkam hat sie ihn mit einem großen Chaos überrascht. Später erfuhren wir, dass dieses Zimmer ihr Zimmer war, als sie noch ein Baby war, ich glaube also, dass sie nur ihr altes Zuhause vermisst hat.

Dann gab es da noch meinen letzten Fütterungsabend, als ich einen halben Antilopenkopf über den Zaun warf für Surabi, aber sie sich ein bisschen bewegte und ich sie so am Kopf traf. Sie war ein bisschen verwirrt. ;) Und das war derselbe Löwe, der zwei Kudus außerhalb des Geheges gefangen und getötet hatte.
Direkt danach entspannte ich mich ein bisschen mit den Mungos, spielte mit ihnen mit einer Wasserschüssel und gab ihnen ein Ei – weil es immer lustig ist zu sehen wie sie es knacken und außerdem lieben sie es es zu essen. Es war also ein perfekter Wildlife Tag. :)

Und dann ist da noch der Tag, an dem ich gehen musste. Es ist immer traurig zu gehen, aber es war nur das Ergebnis meines Glücks, Teil einer so wunderbaren Erfahrung gewesen sein zu dürfen. Der wichtigste Teil dieses Morgens war noch ein bisschen Zeit mit meinen Babys JJ, Oubaas und Namab zu verbringen. Ich ging sehr früh am Morgen zu ihnen, als es noch dunkel war und ich also ganz alleine mit ihnen war. Ich weinte viel, aber es wärmte mir das Herz, dass sie mich für ein „see you later“ küssten… Denn das war kein „Lebwohl“, sondern ein „Auf Wiedersehen“… Und ich werde niemals das Bild vergessen, wie Namab hinter dem Zaun stand und zusah, wie ich ging…

Baie dankie, lekker slaap en sien jou later. “

Erfahre mehr über das Projekt, das Kathrin K. so begeistert hat: Wildlife in Namibia