Sozialarbeit mit Kindern in Mexiko

"Ich habe mich schon von Anfang an wohl im Projekt gefühlt"

  • Freiwilligenarbeit
  • Mexiko
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

27.01.2012

Amelie schrieb:

"Schon vor dem Abflug wusste ich, dass Mexiko ein viel ärmeres Land als Deutschland ist und man deshalb mit schlechteren Verhältnissen rechnen sollte. Trotzdem hat mich das Land an sich sehr gereizt. Einerseits von der Landschaft und der Kultur her, vor allem aber eben gerade deswegen, WEIL es dort so anders ist, als man es in Europa gewohnt ist.

Von meiner Arbeit im Projekt mit Kindern habe ich mir am Anfang eigentlich keine konkreten Vorstellungen gemacht, weil ich eben auch nicht genau wusste, was mich dort in dem Waisenhaus erwartet. Es war mir einfach wichtig, etwas mit Kindern zu machen und ein bisschen helfen zu können.

Die Zeit in meinem Projekt war sehr schön, aber anders als ich dachte. Ich habe mich gewundert, dass ich keine festen Arbeitszeiten hatte und auch während der Arbeit keine genauen Aufgaben zugeteilt bekommen habe. Trotzdem habe ich immer eine Beschäftigung mit den Kindern gefunden und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

An einem typischen Arbeitstag bin ich morgens um ca. 8.15 Uhr aufgestanden, habe mich fertig gemacht und habe mich dann um 9 Uhr mit zwei anderen Praktikantinnen, die in dem gleichen Projekt waren wie ich, an der Ecke getroffen, wo wir gemeinsam einen Bus genommen haben. Bis zur Arbeit mussten wir ungefähr eine halbe Stunde fahren und dann noch ein Stückchen laufen, sodass wir um 10 Uhr im Kinderheim ankamen. Meistens haben die Kinder um die Zeit gerade gefrühstückt, wo wir den Babys oft beim Essen geholfen haben. Danach hieß es Fangen oder Fußball spielen mit den Großen. Als diese um 11 Uhr mit ihren Hausaufgaben beschäftigt waren, konnten wir mit den kleinen Kindern spielen oder uns um die Babys kümmern.

Meistens haben wir um 13 oder 14 Uhr wieder auf den Heimweg gemacht und haben dann in der Sprachschule zu Mittag gegessen und hatten bis zum nächsten Tag freie Zeit. :) Ich fand es sehr schön, dass die Kinder teilweise auch von selbst auf mich zugegegangen sind und gefragt haben, ob ich etwas Bestimmtes mit ihnen mache oder ihnen bei etwas helfen kann.

Ich habe mich schon von Anfang an wohl im Projekt gefühlt.

Weil ich später einmal Grundschullehrerin werden möchte, hat es mir sehr viel gebracht, mit Kindern in diesem Alter (aber auch in anderen Altersstufen) zu tun zu haben. Man konnte sehen, was ihnen gefällt, aber auch, was die Unterschiede zu Kindern bei uns in Deutschland sind. Viele mexikanischen Kinder in dem Waisenhaus waren viel selbstständiger und auch hilfsbereiter und haben sich wie selbstverständlich auch um Kleinere gekümmert und ohne zu Meckern den Anweisungen der Erwachsenen gefolgt. ;)
 

Da ich vor meinem Aufenthalt in Mexiko noch kein Spanisch sprechen konnte, habe ich es mir schwierig vorgestellt, Kontakt zu Einheimischen aufzunehmen. Doch war es nicht selten, dass diese auf mich zugegangen sind und ich mein Spanisch, was schon nach wenigen Tagen in der Sprachschule deutlich besser wurde, anwenden und verbessern konnte. Die meisten Mexikaner haben auch ein bisschen Englisch gesprochen. Englisch zu verwenden habe ich aber spätestens nach zwei Wochen Spanischunterricht vermieden. Es hat mich gewundert, dass ich so schnell auch mexikanische Freunde gefunden habe, die mir viel von der Stadt und auch unbekannteren Orten gezeigt und mir dadurch auch die Kultur näher gebracht haben. Ich bin sehr gut mit der Kultur zurechtgekommen.

Die Menschen in Mexiko sind allgemein viel offener als hier in Europa, das hat mir sehr gefallen. Dadurch hat es mir auch Spaß gemacht, mich auf neue, unbekannte Dinge in diesem Land einzulassen. Unter anderem ist mir die Unpünktlichkeit der Leute aufgefallen und ihre ständige Gelassenheit, von der sich die Deutschen mal eine Scheibe abschneiden könnten. ;)

Vor meiner Reise nach Mexiko hatte ich gedacht, dass ich deutlich weniger Freizeit haben werde, da ich wohl den ganzen Tag mit Spanisch lernen oder im Projekt verbringen würde. Da wurde ich aber vom Gegenteil überzeugt! :) An den Wochenenden habe ich oft Ausflüge mit anderen Praktikanten gemacht, zum Beispiel zum Strand nach Puerto Escondido oder nach México DF. Unter der Woche waren wir nachmittags meistens im Centro, auf den Märkten oder in unseren Residenzen, wo wir uns mit Freuden getroffen haben. Doch spätestens am Abend wurde dann ein Treffpunkt ausgemacht, wo sich unsere Clique traf. Dann gingen wir oft in eine Bar (z.B. Txalaparta, Hangar) und danach noch tanzen (Cantinita!!), wo wir uns auch mit unseren mexikanischen Bekannten trafen. Da war es nicht selten, dass wir mal weniger schliefen und dafür am nächsten Nachmittag eine Siesta einlegten, um für die nächste Fiesta wieder fit zu sein! :)

Die lustigsten Momente habe ich eigentlich immer mit unserer kleinen Gruppe Freunden aus Deutschland, der Schweiz und Mexiko erlebt. Bald konnte ich mich auch richtig gut auf Spanisch mit ihnen verständigen! Wir haben oft die Nacht durchgemacht und alle möglichen Bars und Clubs besucht (vor allem unsere beiden Stammbars) oder nachts um 4 Uhr noch einen Hot Dog an einem Stand an der Straße gegessen. Wir hatten immer etwas zu lachen und zu erzählen, deswegen kann ich mich gar nicht für ein schönstes Erlebnis entscheiden. Ich bin auf jeden Fall froh, viele neue Leute kennen gelernt zu haben!

Mir hat es sehr gut gefallen, dass ich von Praktikawelten immer eine Antwort auf meine (viiielen) Fragen zu Beginn bekommen habe, als ich mich für den Aufenthalt in Mexiko entschlossen habe.

Im Großen und Ganzen war ich sehr zufrieden. :)

Von der Betreuung vor Ort habe ich eigentlich nichts vermisst. Ich hatte nie ein ernsthaftes Problem. Bei Fragen konnte ich auch immer in die Sprachschule kommen, wo mir dann auch weitergeholfen wurde. :)

Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, solch einen Auslandsaufenthalt gemacht zu haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Spaß haben werde. Ich bin mit einer ganz anderen Lebenseinstellung und mit schwerem Herzen zurück nach Deutschland gekommen. Auch weil ich die mexikanische Kultur und die Menschen im Allgemeinen sehr mag, hoffe ich, bald noch einmal zurückkehren zu können! Über Internet bin ich auch noch immer mit meinen Freunden von dort in Verbindung und wir tauschen uns immer wieder gern über gemeinsam erlebte Ereignisse aus. :)

Was ich den anderen Teilnehmern noch sagen möchte: Ihr solltet nicht so viel Angst vor der Kriminalität und den "Gefahren" in Oaxaca und allgemein in Mexiko haben. Dort, wo wir untergebracht sind, ist es echt eine sichere Gegend und wir haben es alle bereut, nur unauffällige Kleidung in Brauntönen mitgenommen zu haben. :P ..."

Erfahre mehr über das Projekt, das Amelie B. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Mexiko