Wildlife in Kanada

"Unser Haus war ein ein großer Wohnwagen und der stand einfach im Wald. "

  • Freiwilligenarbeit
  • Kanada
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

2012-03-20

Neele schrieb:

"Schon vor unserer Abreise konnten wir immer mit unseren Fragen zu den Mitarbeitern von Praktikawelten kommen, dabei war keine Frage zu blöd und die Antworten haben wir auch immer sehr schnell erhalten. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch war bis zu unserer Ankunft im Wildlife Center alles perfekt durchgeplant und unsere Hin- und Abreise verlief ganz reibungslos.

Bei meiner Ankunft habe ich auch sofort eine Willkommens-E-Mail von der Organisation vor Ort bekommen, in der genau stand, an wen wir uns in einem Problemfall wenden müssten. Aber das haben wir gar nicht gebraucht.

Kanada habe ich mir vorher vor allem als weites Land vorgestellt! Dass man unglaublich weit in die Ferne gucken kann und ich habe gehofft ein bisschen außerhalb einer Stadt zu wohnen.
Das Arbeiten habe ich mir anstrengend vorgestellt, aber auch sehr spannend und ich hatte gehofft hauptsächlich mit Säugetieren arbeiten zu können, da ich ein bisschen Angst vor Vögeln hatte.

Als ich aber in meinem Wildlife-Projekt war, habe ich gelernt, dass vieles gar nicht so schlimm ist, wie es zuerst aussieht und wie wundervoll Vögel sind und dass man respektvoll mit ihnen umgehen muss, genauso wie mit der Natur, die ihr Zuhause ist.

Meine Arbeit ging morgens um 8 Uhr los. Zuerst mussten alle Tiere gewogen werden und ihre ersten Behandlungen bekommen. Dann wurden alle Käfige und das gesamte Hospital sauber gemacht. Jeden Tag, damit die kranken Tiere es immer schön sauber hatten.

Pause hatten wir so um 10 Uhr zum Frühstücken und um 12 Uhr dann eine Stunde für das Mittagessen.
Die restliche Zeit war ausgefüllt mit Tiere behandeln, füttern, Futter zubereiten (alle Arten von Futter, auch gerne mal kleine Säugetiere).
Außerdem gehörte es zu unseren Aufgaben, verletzte Tiere abzuholen oder gesunde Tiere auszuwildern. Auch Öffentlichkeitsarbeit war Teil des Projekts, d.h. Besucher im öffentlichen Bereich des Centers herumführen und ihre Fragen beantworten. Es gab viele Sachen, wo ich vorher gesagt hätte "das ist ekelig, das mache ich nicht". Aber man lernt schnell, dass es einfach Sachen gibt die gemacht werden müssen und man macht sie dann einfach.


Um 17 Uhr war meist Feierabend, es sei denn man hatte Babyvögel, die müssen alle 30 Minuten bis abends um 20 Uhr gefüttert werden. Wenn sonst um 17 Uhr alles fertig war, sind wir einkaufen gefahren oder haben gemeinsam gekocht und viele andere Sachen gemacht.

Kanada ist ja nun unserer Kultur sehr ähnlich, das heißt, ich habe mich sehr schnell zurechtgefunden. Was aber sehr spannend war, war die Umgebung in der wir gelebt haben. Unser Haus war ein Trailer, also sozusagen ein großer Wohnwagen und der stand einfach im Wald. Das hat mir echt gut gefallen! Weil wir so weit in der "Wildnis" waren, hatten wir nicht so schnelles Internet und manchmal schlechten Handyempfang, aber das ist auch mal ganz gut so zur Abwechslung, finde ich.

Zum Einkaufen sind wir immer ca. eine Stunde mit dem Auto gefahren und nachts war es einfach stockdunkel, weil es überhaupt keine Straßenlaternen gibt. Dadurch hat man die Sterne viel besser gesehen als bei uns.
Was uns auch erst fremd war, war, dass wir unseren Trailer gar nicht abschließen konnten, was uns irgendwann aber auch nicht mehr gestört hat, weil das zum einen einfach Teil der kanadischen Kultur ist (da schließt keiner sein Haus ab) und wir ja auch keine unmittelbaren Nachbarn im Wald hatten.

Einen Tag in der Woche hatten wir immer frei. Den haben wir immer für Ausflüge genutzt. Am liebsten waren wir in den Nationalparks, die nur 2 Stunden von uns entfernt waren. Sowas schönes hatten wir vorher noch nie gesehen!!
Und mindestens einmal die Woche haben wir abends Lagerfeuer gemacht und davor mit den anderen Freiwilligen Fußball gespielt. Wenn das Wetter nicht mitspielte, gab es gerne auch mal Chili Dogs. Aber am heiligsten waren uns unsere Spieleabende. Wir haben jeden Abend Spiele gespielt oder einen Film geguckt. Ansonsten haben wir uns viel für den nächsten Arbeitstag ausgeruht oder sind einfach zusammengesessen und haben geratscht.

Wir durften einmal Hawks freilassen, die wir selbst aufgepäppelt haben, das war einer der schönsten Momente für mich im Projekt! Auch die Nationalparks sind wunderschön, so viel Natur und dazu auch noch so schöne, habe ich vorher noch nie gesehen! Der spannendste Moment war für mich, als wir einen großen Amerikanischen Uhu aus einem Stacheldrahtzaun geschnitten/befreit haben.
Und sehr lustig war auch, als wir im Nationalpark auf dem Highway mit unserem Auto liegengeblieben sind! Der Wagen wollte einfach nicht mehr anspringen. Da haben wir dann nach 30 Minuten verzweifeltem Einreden auf unseren Wagen ein Auto angehalten mit einer sehr netten kanadischen Familie. Wir sollten dem Familienvater zeigen, was das Problem ist und als ich ihm demonstrieren wollte, dass der Wagen einfach nicht mehr anspringt, geht dieser wie durch ein Wunder an. Vorführeffekt! Der Kanadier war uns aber überhaupt nicht böse und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen!

Ich würde keine Sekunde zögern, das Gleiche genauso noch einmal zu machen! Es war ein unvergessliches Erlebnis, durch das ich viel gelernt habe über Tiere, wie man mit ihnen und der Natur umgehen muss, aber auch viel über mich selbst. Wo meine Grenzen liegen und dass ich auch über sie hinausgehen kann."

Erfahre mehr über das Projekt, das Neele A. so begeistert hat: Wildlife in Kanada