Unterrichten in Indien

"Man wächst mit der fremden Kultur näher zusammen"

  • Freiwilligenarbeit
  • Indien
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von (20 Jahre)

29.08.2011

Anna schrieb:

"Vor meinem Abflug nach Indien habe ich mir das Land sehr bunt und vielfältig vorgestellt. Frauen tragen Saris und Punjabs in bunten Farben, die Menschen sind freundlich, Kinder spielen auf der Straße und freuen sich darüber, dass sie die Schule besuchen können. Die Arbeit hab ich mir ebenso abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll, vorgestellt. Große Klassen in kleinen Räumen, ein Lehrer mit vielen Kindern...

Meine Zeit in Indien wunderschön, aber anders, als ich dachte! Die Betreuer vor Ort haben mich wirklich super betreut, ich hatte nie das Gefühl verloren zu sein. Angefangen hat alles mit einer super Einführungswoche in Jaipur. Man lernt die anderen aus der Gruppe kennen, lernt die Betreuer und die Projekte kennen und sieht einiges von Jaipur und macht indische Dinge, wie Rikscha fahren, einen Bollywood-Film auf Hindi anschauen und Elefanten reiten. Die anderen sieben Wochen in Palampur waren genauso abwechslungsreich und aufregend. Den Tag über war ich im Projekt, das nie eintönig wurde, am Wochenende haben wir in der Regel Ausflüge unternommen. Am besten war jedoch die Gemeinschaft mit den anderen Volontärs. Man lernt sie superschnell kennen und es entwickeln sich super Freundschaften, man feiert Partys, schaut gemeinsam Fernsehen und unternimmt Ausflüge. Das zusammen mit der spannenden indischen Kultur war einfach genial.

Mein typischer Tagesablauf sah so aus:

Mein Tag startete morgens um 8.00 Uhr mit dem Frühstück. Danach trifft man sich zur Unterrichtsvorbereitung.  Dann ging’s ab in die Schule. Die Klassen waren in der Regel sehr klein, die Anzahl an Schüler variiert aber. Mit der ersten Klasse (5-7 Jahre) war es manchmal etwas schwierig wegen Verständigungs-und Konzentrationsproblemen. Mit ihnen muss man dann eben viel malen und spielen. Mit den älteren konnte man schon richtig Mathe und Englisch machen, aber auch sie malen sehr gerne. Zwischen den Lernphasen gab es immer eine Pause, in der man gesungen und gespielt hat. Es gab Mittagessen, und dann ging’s in die Bridge Class. Dort wurde auch gelernt oder es wurden Arbeitsblätter ausgefüllt. Aber das Spielen kam hier nie zu kurz, und so wurde je nach Wetterlage drinnen "Uno" oder draußen "faules Ei" gespielt. :-)

Ich war am ersten Tag etwas überfordert. Aber jeden Tag wurde das Unterrichten besser und nach einer Woche habe ich es geliebt. Ich habe festgestellt, dass es sehr wichtig ist, seine Kinder kennenzulernen, um mit ihnen arbeiten zu können. Erst dann kann man ihnen wirklich etwas beibringen, und es macht so viel mehr Spaß. Außerdem habe ich gelernt, dass manches einfach Zeit braucht… Man braucht viele verschiedene Methoden, damit der Lehrstoff langsam in die Köpfe der Kinder geht und dort auch bleiben! Und wenn das mal nicht klappt: Nicht die Geduld verlieren, irgendwann klappt’s.

Die neue Kultur lernte man ziemlich schnell kennen. Man lebt in einer indischen Gastfamilie, isst indisches Essen und die indische Stadt ist ein richtiger Kulturschock. Die meisten Inder sind super nett und hilfsbereit.

In meiner Freizeit wusste ich gar nicht, was ich zuerst machen sollte. Klar, manchmal muss man so Sachen wie Waschen, Putzen und Aufräumen erledigen. Ich war oft im Aufenthaltsraum und habe dort ein spannendes Buch gelesen oder mit den anderen Freiwilligen geschwätzt. :-)

Am Wochenende kann man dann Ausflüge mit dem öffentlichen Bus machen. Der ist superbillig und auch ein kleines Abenteuer. So war ich zum Beispiel in McLoed Ganj, der Ort in dem der Dalai Lama lebt, und in Manali, einer alten Hippie-Stadt. Vor Ort werden auch organisierte Ausflüge an den Wochenenden angeboten, nämlich die Trekking-Tour und die Fahrt nach Amritsar zum goldenen Tempel.

Der tollste Moment während meiner Zeit in Indien war, als zwei meiner kleinen Schüler ihre Namen auf Englisch schreiben konnten – ich war richtig stolz :-) !

Praktikawelten war telefonisch immer erreichbar und konnte mir bei meinem Visum, Flug uvm. helfen. Die Betreuung vor Ort in Indien war super, genau nach meinen Vorstellungen. Das Beste war, das das Team vor Ort rund um die Uhr für mich da war. Sie haben eine super Einführungswoche geplant und auch Ausflüge. Auf der Zugfahrt von Delhi nach Himachel Pradesh waren wir nie alleine.

Mein Fazit:

Die Entscheidung nach Indien zu gehen war die beste, die ich hätte machen können! Ich hab so viel Neues gesehen und gelernt, und hatte einfach eine wunderbare Zeit. Und auch mir selbst hat es einiges gebracht... Ich weiß nun ganz genau, dass ich auf jeden Fall einen Beruf im sozialen Bereich machen werde, weil es mir einfach unglaublich viel Spaß bereitet hat mit den Kindern zu arbeiten.

Mein Tipp an alle Volontärs: Wenn’s mal nicht klappt, nicht aufgeben! Bei der Arbeit kann man manchmal ganz schön deprimiert sein, wenn es einfach nicht so klappt, wie man gerne möchte. Trotzdem muss man einfach weitermachen, weil irgendwann funktioniert es dann schon!

Am Anfang ist in Indien alles sehr fremd, aber nach einer gewisse Zeit fängt man an dieses indische Leben zu lieben. Man wächst mit der fremden Kultur näher zusammen und probiert auch Sachen aus, die man davor nie gewagt hätte. So kommt man auch der indischen Kultur viel näher, als wenn man alles immer nur auf die europäische Weise macht."

Erfahre mehr über das Projekt, das Anna B. so begeistert hat: Unterrichten in Indien