Unterrichten in Guatemala

"Es war ein prägendes Erlebnis Teil eines Freiwilligenprojekts zu sein"

  • Freiwilligenarbeit
  • Guatemala
  • 4 Wochen

Erfahrungsbericht von

05.04.2014

Julia schrieb:

"Hals über Kopf habe ich spontan die Reise und das Praktikum in ein Land gebucht, von dem ich nicht mal wusste, wo es genau liegt. So ad hoc wie die Entscheidung war, meine Semesterferien in einem fernen Land zu verbringen, habe ich auch meinen Koffer gepackt. Ich wollte einfach was erleben. 

Aus diesem Grund habe ich mich auch ehrlich gesagt kaum vorbereitet, was Land und Leute betrifft. Auf Amazon habe ich mir einen Reiseführer zu Guatemala bestellt, den ich im Flugzeug lesen wollte. Doch meine Sitznachbarin und der Roman, den ich dabei hatte, waren interessanter.
Schließlich landete das Flugzeug und wir wurden von einem netten Guatemalteken, vom Team vor Ort, abgeholt und nach Antigua gebracht. Das war das erste Mal für mich, dass ich mich mit Guatemala in irgendeiner Weise befasste. Ehrlich gesagt, war mir das so am liebsten. Ich wollte ohne Vorurteile und Informationen in ein fremdes Land reisen und meine eigenen individuellen Erfahrungen machen, die von keiner früheren Kritik beeinflusst worden sind. Stimmen in Deutschland, die mir versucht haben aufgrund der hohen Kriminalitätsrate und dem Drogenhandel Angst zu machen, ignorierte ich aus gutem Grund. Denn all diese Menschen hatten eine Sache gemeinsam: Sie waren nie in Guatemala gewesen.

An meinen ersten Tag erinnere ich mich kaum, da ich von der Reise und dem Jetlag so erschöpft war, dass ich sofort in meinem Zimmer eingeschlafen bin.
Der Tag darauf war für eine kurze Orientierungstour in Antigua, Kennenlernen der anderen Volontäre und den ersten Informationen bezüglich der Schule und des Projekts vorgesehen.
Im Grunde genommen war alles gut geplant und doch so offen gehalten, dass man sich den Aufenthalt selbst frei gestalten konnte.

Ich habe die Zeit in Guatemala sehr genossen, vielleicht auch deswegen, da ich ohne Erwartungen hingefahren bin. Ich habe unglaublich tolle Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt kennen gelernt und sogar Freundschaften aufbauen können. Auch mit Einheimischen habe ich mich anfreunden können, was mir viel bedeutet hat, da ich so den unmittelbaren Blick in die wirkliche Alltagswelt in Antigua bekommen habe und nicht meine Eindrücke mit Reiseberichten und Reiseführern verblenden habe lassen. Aus diesem Grund schreibe ich hier auch nichts über Essen, Mentalität und Klima. Jeder Mensch empfindet anders und setzt andere Prioritäten. Ich kann nur sagen, dass mich nichts enttäuscht hat und, dass das Spanisch der "chapins" sehr gut zu verstehen ist, da sie deutlich und langsam sprechen.
Auch die Zeit im Projekt habe ich sehr genossen. Es war ein prägendes Erlebnis Teil eines Freiwilligenprojekts zu sein.

Mein Fazit: Ich würde es jedem empfehlen ein Auslandspraktikum in Guatemala zu machen, der Spanisch lernen, praktizieren oder sprechen möchte. Ein kleiner Tipp, informiert euch nicht zu viel vor der Reise. Zu viele Informationen können euch einschränken, da ihr überall Gefahren wittern könntet. Das habe ich bei vielen Reisenden erlebt, die auf viele tolle Sachen verzichten mussten, da sie zu vorsichtig waren. Seid einfach mit dem Kopf dabei und tut nichts, was ihr in einer Großstadt in Europa auch nicht tun würdet.

Ich bin morgens um sechs Uhr aufgestanden, habe gefrühstückt, mich mit meiner Mitbewohnerin verquatscht und bin dann wie immer zum Bus gerannt. In der Schule habe ich der Lehrerin geholfen, mit den Kindern gespielt und auch selbst unterrichtet. Ich habe dadurch meine Erfahrungen im Unterrichten erweitern können. Danach bin ich nach Hause gegangen, habe in meinem Zimmer gechillt und gewartet, bis das Essen fertig war. Nach dem Essen bin ich ins Zentrum und habe mich mit Freunden getroffen. Zum Abendessen bin ich wieder zurück gelaufen, habe mich dann geduscht und fertig gemacht und bin dann wieder mit meinen Freunden feiern gegangen. Am Wochenende bin ich verreist.
Meinen Erfahrungen mit der neuen Kultur und er Bevölkerung waren einzigartig. Da ich Spanisch spreche und von Grund auf ein offener Mensch bin, habe ich mich auch mal zu Fremden auf eine Parkbank gesetzt und über das Leben philosophiert. Auch mit den Servicekräften habe ich interessante Gespräche führen dürfen. In der Disco habe ich coole Leute aus Antigua kennengelernt mit denen ich viel ausgegangen und vereist bin. Mein Kontakt zu den Einheimischen war echt super.

Ich muss sagen, dass ich nur ein einziges Mädchen unter den Teilnehmern von Praktikawelten wirklich kennen gelernt habe. Diese hat Antigua allerdings nach einer Woche bereits verlassen, da sie ein Wildlife Projekt im Dschungel gemacht hat. Ich kannte nur ihren Vornamen, trotzdem habe ich einen Monat später mit den Leuten am Schalter am Flughafen drei Stunden Detektiv gespielt, um sie ausfindig zu machen, da ich glaubte gehört zu haben, dass sie am selben Tag zurück reisen würde wie ich. Ich hatte Glück und wir sind noch heute gute Freunde. :-)
Den Rest, den ich kennen gelernt habe, bestand aus einer sehr bunten Truppe von den verschiedensten Menschen, die man sich vorstellen kann. Acht verschiedene Nationalitäten waren vertreten, sodass ich auch gleich noch die Gelegenheit hatte, mein Englisch aufzubessern, das ich seit dem Abi etwas vernachlässigt habe. :D :D

Wie schon gesagt, bin ich jeden Abend feiern gegangen oder habe was mit den anderen Reisenden unternommen. Für die Wochenenden haben wir uns spontan Trips zusammen gebucht, wo wir wieder andere interessante Menschen kennen gelernt haben. Haha :D :D :D
Alles war genial. Wie sagt man so schön: Wer sich erinnert, war nicht dabei. :D :D
Wie ich bereits sagte, fand ich die Organisation top. Auch bei der Betreuung vor Ort war alles top. Wenn man Infos und Organisationen brauchte, konnte man sich immer an die Schule wenden und wenn nicht, kam man auch selbst zurecht.

Nach der Phase, die ich in Deutschland durchgemacht habe, war es die beste Entscheidung meines Lebens spontan nach Guatemala zu reisen! Meine Freunde meinen, ich hätte mich verändert. Das stimmt vielleicht sogar. Ich sehe die Welt tatsächlich etwas entspannter.
Mein Tipp für euch:
NICHT ZU VIEL VORAB INFORMIEREN!!!!!!!
Gebt nichts auf so ein Geschwätz, wie dass es dort gefährlich sei. Die, die das sagen, waren noch nie dort. Ich meine damit nicht, dass man naiv nachts alleine durch die Stadt rennen soll, aber zu viel Sicherheit schränkt eure Freiheit ein!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Julia B. so begeistert hat: Unterrichten in Guatemala