Sozialarbeit mit Kindern in Guatemala

"so viel Lebensfreude habe ich noch nie gesehen"

  • Freiwilligenarbeit
  • Guatemala
  • 6 Monate

Erfahrungsbericht von

26.12.2013

Franziska schrieb:

"Vor meiner Abreise hatte ich ein armes, gefährliches und hilfsbedürftiges Land vor Augen, doch heute kann ich sagen, dass das nur traurige Nachrichten und Statistiken sind, und die Menschen und das Leben dort überhaupt nicht so sind!

Man möchte meinen, in so einem Land wären die Menschen traurig und hoffnungslos, doch genau das Gegenteil ist der Fall! Das vermisse ich bereits ab und zu hier in Deutschland, denn so viel Lebensfreude habe ich noch nie gesehen und egal wo man hingeht, man wird immer begrüßt und freundlich behandelt. Dabei spielt auch Reichtum, Religion oder Herkunft überhaupt keine Rolle. Seid auch nicht verunsichert, wenn euch die Einheimischen, die euch noch unbekannt sind, mit einem Backenkuss begrüßen, das ist total normal dort! ;)

Bevor mein Projekt losging, hatte ich noch einen 4-wöchigen Sprachkurs und da merkte ich schon: Das mit der Kommunikation im Projekt wird sicher kein Problem! Die Lehrer bereiten dich zum Schluss nämlich noch auf dein Projekt vor; in meinem Fall waren das Vokabeln, die zum Thema "Kinder/Babys" passten. Dennoch hatte ich an meinem ersten Arbeitstag zuerst ein bisschen Angst, denn ich wusste ja nicht, wie ich mit den Kindern umgehen sollte. Das Thema "Unterernährung" spielt in Deutschland ja praktisch keine Rolle, doch hier stand es leider an der Tagesordnung. Als ich dann aber angefangen habe, mit den Kindern zu spielen und sie zu füttern und mich die anderen freiwilligen Helfer sowie das überaus freundliche Personal eingewiesen haben, war meine Angst wie weggeblasen! Ich freute mich seither jeden Tag aufs Neue in mein Projekt zu gehen, denn die Kinder waren unheimlich lieb und so süß!

Ein typischer Tag sah dann so aus:
Um 7 Uhr morgens begann der Tag mit einem sehr leckeren Frühstück, bei dem von Pancakes, French Toasts bis Rührei nichts gefehlt hat. Da ich erst um 8.30 Uhr im Projekt sein musste, war es ein entspannter Morgen. Mittagessen gab es dann zwischen 12.30 Uhr und 12.45 Uhr, was eine Suppe, Hähnchen oder Gemüse sein konnte. Das variierte von Tag zu Tag und Woche zu Woche. Für den Nachmittag hatte man dann viele Optionen: Ausflüge mit der Schule, Café trinken in einem der zahlreichen Cafés, den Musikern im Park lauschen oder sich einfach mit den Menschen unterhalten und sein Spanisch üben. Abends musste ich dann um 18.30 Uhr für das Abendessen wieder zu Hause sein. Das Abendessen war meist die größte Mahlzeit am Tag und es gab meistens Fleisch, Reis und Mais in allen Formen und Farben. Danach war der Tag jedoch noch nicht vorbei – er fing eigentlich erst richtig an! In Antigua wird nämlich jede Nacht etwas geboten, zum Beispiel eine Lady’s Night. Feiern können die Guatemalteken definitiv! Durch die Sperrstunde war das Ganze dann um 1 Uhr vorbei, was jedoch auch gut so war, denn man musste ja fit für sein Projekt oder die Schule sein. Hier allerdings noch ein paar Tipps für nächtliche Ausflüge:

1. Keine Taschen oder wertvolle Gegenstände abends mitnehmen; versteckt euer Geld und euren Schlüssel. Mehr braucht ihr auch nicht!
2. Geht niemals alleine nach Hause, nehmt immer ein Taxi, die sind nicht teurer als 3 €.

Die Wochenenden haben wir meistens dazu genutzt, um das Land zu erkunden oder einfach mal einen Tag in der Hauptstadt zu verbringen. Abends geht man dann meistens aus, um sein Spanisch zu verbessern und mit Leuten in Kontakt zu treten. Wenn man in einer Stadt wie Antigua lebt, kommt man sehr viel mit Einheimischen in Kontakt, vor allem mit Jugendlichen. Das finde ich persönlich sehr wichtig, denn so konnte ich nicht nur mein Spanisch unglaublich stark verbessern, sondern man lernt auch mehr von der Kultur der Menschen dort. Einer meiner Lieblingsmomente war, als ich dann bereits so viel Spanisch konnte, um mich mit den Leuten zu unterhalten und auch bereits so viele Leute kannte, dass es eine Stunde dauert, bis man sich in einer Disco von Punkt A nach Punkt B bewegt hat, da man natürlich mit jedem reden will. Das hat mir persönlich ein wirkliches Heimatgefühl gegeben und ich habe gewusst, dass ich hier richtig angekommen bin! Durch den Kontakt erfährt man außerdem, wie die Leute heutzutage leben. Ich finde es beeindruckend, dass die meisten Frauen dort mit der traditionellen Kleidung rumlaufen und diese meist auch selber nähen.

Ich möchte zwar später nicht direkt etwas mit Kindern machen, doch Erfahrungen gesammelt habe ich trotzdem jede Menge! Zum einen habe ich gelernt, dass man sich vor Aufgaben nicht drücken soll, denn egal wie sinnlos oder langweilig einem etwas vorkommt, es hat doch immer einen größeren Sinn als man zunächst denkt. Zum anderen weiß ich jetzt, dass man immer 2-mal hinschauen soll, bevor man jemanden verurteilt! Zu Beginn meines Projektes dachte ich mir oft, was das denn für Mütter seien, die ihre Kinder nicht versorgen, sich jedoch ein Handy leisten können. Doch in vielen Fällen ist es nicht die Schuld der Eltern, sondern die der Kinder, da sie einfach oft nichts essen wollen. Was mir, als total Unerfahrene in diesem Bereich, das Füttern natürlich zu einer Herausforderung machte. Doch ich bringe riesen Respekt auf, vor all den Müttern, die ihre Kinder wirklich jeden Tag besuchen oder sogar dort wohnen!

Mein Fazit:

Mein Auslandsaufenthalt im Sozialprojekt in Guatemala war zu 100 % die richtige Entscheidung! Ich kann es nur jedem weiterempfehlen! So etwas nimmt dir niemals wieder jemand und die Erfahrungen, die man dort sammeln kann sind Gold wert! Man lernt nicht nur eine neue Sprache, sondern man wird offener für vieles und sieht die Welt mit anderen Augen. Ich habe mich nach meinen sechs Monaten nicht grundlegend verändert, doch ich habe ein paar neue Sichtweisen gelernt und darüber bin ich sehr froh.

Antigua war mit Abstand der beste Urlaub den ich je hatte, denn diese kleine Stadt zieht jeden in einen magischen Bann und verzaubert einen komplett. Nicht nur die Leute dort, sondern auch der Flair machen die Stadt sehenswert und jeder der einmal da war, kommt mindestens einmal wieder zurück!

 An Praktikawelten hat mir sehr gut gefallen hat, dass sie mich durch die Reiseunterlagen wirklich gut auf das Land vorbereitet haben. Natürlich ist es immer anders als man es in einem Buch oder einer Broschüre liest, doch ich wurde auf die Gefahren, auf das Essen und vieles weitere hingewiesen und konnte mich dementsprechend vorbereiten."

Erfahre mehr über das Projekt, das Franziska G. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Guatemala