Sozialarbeit mit Kindern in Guatemala

"man schätzt Dinge, die man in Deutschland als selbstverständlich empfindet"

  • Freiwilligenarbeit
  • Guatemala
  • 10 Wochen

Erfahrungsbericht von

11.09.2009

Claudia schrieb:

"Meine Zeit im Freiwilligenprojekt war sehr schön. Allerdings war es anders, als ich zuvor dachte. Ich bin mit "deutschen Vorstellungen" im Projekt angekommen. Ich habe mir das ähnlich wie in einem deutschen Kindergarten oder Hort vorgestellt, aber diese Vorstellungen musste ich ziemlich schnell über Bord werfen.

Die Kinder haben einfach andere Voraussetzungen (Armut, Alkoholprobleme der Eltern, etc.) als deutsche Kinder.
Durch schlechte Ernährung oder fehlender Betreuung der Eltern haben die Kinder Konzentrationsschwierigkeiten, Aggressivität herrschte zum Teil, große Entwicklungsunterschiede (Intelligenz, körperliche Entwicklung) innerhalb einer gleichaltrigen Gruppe. Trotzdem sind die Kinder herzlich, liebesbedürftig und ganz lieb. Konnte mich nach meiner Zeit nur schwer von ihnen trennen.

Mein typischer Arbeitstag fing morgens so gegen 8:00 Uhr an. Die Kinder waren i.d.R. noch beim frühstücken. In der Zwischenzeit habe ich das Geschirr gespült, abgetrocknet und wieder in die Regale zurückgeräumt. So gegen 8:45 Uhr haben die Betreuer "ihre" Kinder zusammengetrommelt und die Zahnputzbecher und Zahnbürsten zugeteilt, damit die Kinder ihre Zähne putzen können. Danach wurde der Gruppentisch und die Stühle aufgestellt und die Kinder bekamen ihre Hefte ausgeteilt. Mit meiner Gruppe (Kinder zwischen 7-und 8 Jahren) wurde das Alphabet und das Schreiben von Wörtern geübt. Um 12 Uhr gab es Mittagessen. Ich bin zurück in das Voluntario-Büro, habe die Arbeitsmaterialien weggeräumt und bin auch zum Mittagessen nach Hause gegangen.
Am Nachmittag war ich Betreuerin einer anderen Gruppe.
Die Kinder kommen nach der Schule ins Projekt zum Mittagessen. Danach wird 1 Stunde Hausaufgaben gemacht bzw. so lange Hausaufgaben gemacht, bis alles erledigt war. Nach getaner Arbeit wurde gemalt, gebastelt oder auf dem Dorfplatz Fußball gespielt.
Es ist toll, dass sich Menschen für Menschen einsetzen und solche Projekte gründen und bedürftigen Kindern selbstlos helfen. Die Kinder sind echt süß und am liebsten hätte ich ein paar eingesteckt und mitgenommen.

Die Einheimischen sind wirklich herzliche, aufgeschlossene und äußerst gastfreundliche Leute. Ich habe, bis auf einen versuchten Handtaschenraub, der aber glimpflich und ohne Verlust abgelaufen ist (hätte auch in Frankfurt auf dem Bahnhof passieren können), nur positive Erfahrungen gemacht.

Ich habe mich total wohl in meiner Familie gefühlt, die "Eltern" sind mir während meines Aufenthalts sehr ans Herz gewachsen. Habe mich wirklich zugehörig und willkommen gefühlt. Note 1+ für meine Gastfamilie.

An den Wochenenden habe ich fast jedes Mal die Chance genutzt und bin mit anderen Freiwilligen verreist. Freitagnachmittag bis Sonntagabend. Ich war nur 2-3 Wochenende zu Hause. Ansonsten sind wir, eigentlich täglich, nach Antigua gelaufen, haben kleine Besorgungen erledigt, Kaffee getrunken oder einfach nur abgehangen. Unsere Wochenendausflüge zu viert waren wunderschön. Wir hatten viel Spaß miteinander, haben schöne Landschaften gesehen und ich freue mich, die anderen Freiwilligen kennen gelernt zu haben.

Da alles einwandfrei geklappt hat (Abholung am Flughafen, Familie, Unterricht und Projekt) hat Praktikawelten seine Arbeit gut verrichtet. Auch die Betreuung durch das Team vor Ort fand ich gut. Sie haben sich um die Belange und Fragen zuverlässig und zügig gekümmert. Ich war sehr zufrieden.

Abgesehen vom Lernen einer für mich neuen Sprache und der Kultur, ist dieser Aufenthalt immer wieder eine Selbsterfahrung, macht einen stärker und stärkt das Selbstbewusstsein. Außerdem erdet es, man schätzt Dinge, die man in Deutschland als selbstverständlich empfindet, wieder und man sieht, mit wie viel weniger "Luxus" und "Geld" die Leute in Guatemala glücklich sind."

Erfahre mehr über das Projekt, das Claudia S. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Guatemala