Physiotherapie in Guatemala

"Man sollte den Kulturschock beim nach Hause kommen nicht unterschätzen"

  • Freiwilligenarbeit
  • Guatemala
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

18.10.2005

Christine schrieb:

"Ich erwartete mir ein ziemlich armes Land ohne Touristen, kaum Infrastruktur, eine komplett andere Kultur + Mentalität; die Möglichkeit durch die Arbeit im Projekt ein bisschen zu helfen + dabei auch einen Einblick in „diese Welt“ zu bekommen.

Mein Projekt war gut, aber anders als ich dachte, da ich nicht damit gerechnet habe, dass der medizinische Wissensstand auch bei den Physiotherapeuten teilweise so veraltet ist.
Mit der täglichen Arbeit begonnen haben wir um 8:30 Uhr, es gibt 3 einheimische Physiotherapeutinnen und zu diesem Zeitpunkt waren wir 2 Volontäre. Jeder hat seinen eigenen Patientenplan und pro Therapie ca. 30-45 min. Zeit und arbeitet selbständig. Wir haben einen eigenen Therapieraum mit Lagerungsmaterial, Pezzibälle, Spielzeug, Tischen, Matten,… Die Kinder werden uns immer von den Schwestern gebracht und sind alle schwerst körperlich und geistig behindert, können bis auf einige Ausnahmen nicht sprechen, selbständig gehen, sitzen, usw.
Manche benötigen Atemtherapie (dazu ist auch ein Beatmungsgerät vorhanden) welchen von den dortigen Therapeuten übernommen wird. Die meisten Kinder haben wir hauptsächlich durchbewegt, viele sind aber sehr spastisch und haben starke Kontrakturen. Die Pflege ist aber sehr gut, die Kinder haben kaum Decubiti, sind wenn notwendig mit Schienen versorgt, die Rollstühle sehr gut an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst, beides wird ebenfalls von den Physiotherapeuten gemacht.

Mit den Kindern, die etwas besser sind, spielen wir, jeden Freitag gibt es auch eine Spielgruppe mit mehreren Kindern. Bei der Arbeit haben wir immer Musik laufen, die Stimmung ist sehr gut und die Physiotherapeuten sehr nett.
Ich habe mich sehr wohl gefühlt, obwohl die Therapie nicht immer sehr anspruchsvoll war.
Ich habe mitbekommen, dass die physiotherapeutischen Maßnahmen teilweise sehr veraltet sind, aber es war schön zu sehen, mit welcher Liebe mit den Kindern umgegangen wird. Außerdem habe ich viel mit den Therapeutinnen geplaudert und dadurch auch viel über das Leben in Guatemala erfahren und mein Spanisch verbessert.

Meine Gastfamilie hat mich wie eine Tochter behandelt, ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Nachmittags habe ich teilweise die Freizeitaktivitäten, die von der Schule angeboten werden, mitgemacht; ich war viel mit anderen Freiwilligen aber auch Einheimischen unterwegs, wir sind fast täglich abends gemeinsam ausgegangen und haben 1x/ Woche bei einem Sozialprojekt, wo Essen an Arme verteilt wird, mitgeholfen.
An den Wochenenden bin ich mit Freunden an verschiedene andere Orte Guatemalas gereist.

Die schönsten Momente hatte ich, wenn ich mit der Familie meines einheimischen Freundes zusammen war und das typische „guatemaltekische Leben“ mitbekam, z.B. mit allen gemeinsam ein Fußballmatch ansehen; zusehen wie stressfrei das Leben dort abläuft und mit wie wenigen Dingen alle zufrieden sind, die Kinder spielen stundenlang nur mit Murmeln; oder wie sitzen ca. zu 10. einfach nur daheim und hören Musik, alle singen begeistert mit und dann beginnen alle zu tanzen...

Ich hatte das Gefühlt, dass das ganze Team sehr bemüht und alles sehr gut durchorganisiert war. Die Mitarbeiter vor Ort waren sehr freundlich.
Alle, also das Team vor Ort und die Lehrer der Sprachschule, meine Gastfamilie, im Projekt waren total herzlich, haben mich rundum super betreut und ich habe mich dadurch sehr wohl gefühlt. Bei der Einführung haben sie mir alles genau erklärt, sich immer sofort Zeit genommen, wenn ich etwas brauchte und waren sehr hilfsbereit.

Mein kompletter Aufenthalt war sehr gut organisiert und ich habe mich gut betreut gefühlt.

Kleiner Tipp:
Man sollte den Kulturschock beim nach Hause kommen nicht unterschätzen!
Ich würde, wenn möglich, schauen, dass man mit bereits (wenn auch nur sehr geringe) Sprachkenntnissen in Spanisch ins Land zu kommen, weil man dann einen viel tieferen Einblick in die Kultur bekommt und viel leichter einheimische Kontakte knüpfen kann."

Erfahre mehr über das Projekt, das Christine C. so begeistert hat: Physiotherapie in Guatemala