Meeresschildkröten-Projekt in Guatemala

"Hätte ich gewusst, dass es so toll wird, wäre ich 2 Monate länger geblieben."

  • Freiwilligenarbeit
  • Guatemala
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

30.08.2008

Merit-Madlen schrieb:

"Die Entscheidung für den Auslandsaufenthalt war goldrichtig! Hätte ich gewusst, dass es so toll wird, wäre ich 2 Monate länger geblieben. Mir hat der Aufenthalt nach einer stressigen Prüfungszeit eine noch nie gekannte innere Ruhe gegeben. Ich habe das Gefühl durch diese Zeit näher zu mir selbst gekommen zu sein.

Als ich ankam, musste ich mich erst an die Ruhe und die wenigen Einkaufsmöglichkeiten gewöhnen. Das Leben folgt hier einer anderen Zeit, auf die ich mich erstmal einstellen musste. So viel Zeit mit sich selber zu verbringen war eine große Umstellung. Aber als ich mich daran gewöhnt hatte, war es grandios! Die Ruhe, die Stille, die Zeit, die Sonne, das Meer, die anderen Freiwilligen: alles war sehr, sehr schön und ich würde es jederzeit wieder machen. Meine Sicht auf die Prioritäten und das Leben in Deutschland hat sich dadurch sehr verändert. Ich bin viel gelassener geworden.

Im Projekt habe ich morgens zuerst geschaut, ob kleine Schildkröten geschlüpft sind. Danach haben wir Hängematten geknüpft, sind Einkaufen gegangen oder gefahren und haben versucht Spiele aus Naturmaterialien zu basteln. Mittags aß jeder für sich und für abends wurde jeweils von 2 Personen für alle gekocht. Die wirkliche Arbeit fand nachts statt. Um die Tide herum kamen die Schildkröten an Land, um ihre Eier abzulegen. Diese haben wir dann ausgegraben und bei uns in Bruthäusern wieder eingegraben. Die Daten wurden aufgeschrieben. Wenn die kleinen Schildkröten dann schlüpften, wurden sie vermessen, gezählt und gewogen und dann ins Meer ausgesetzt. Die leeren Bruthöhlen haben wir gesäubert und alles entsprechend vermerkt.

Die Einheimischen waren alle sehr freundlich. An die Mentalität musste ich mich jedoch schon etwas gewöhnen. Zwar sehen die Einheimischen die Kleiderfrage nicht so eng, wie es in den Reiseführern steht (zumindest in den Touristengebieten), aber europäische Frauen werden dort schon sehr angebaggert. Das läuft etwas direkter als in Deutschland. Aber die Männer können sehr gut tanzen. Die Frauen waren in der Gesellschaft eher unauffällig.

In Antiqua konnte man in der Freizeit alles Mögliche machen. Ich habe Salsa-Stunden genommen, war im Kino und natürlich viel auf dem Markt und in Geschäften. Abends haben sich immer viele Teilnehmer meiner Sprachschule im Park getroffen und sind dann zusammen in die vielen Bars gegangen um zu tanzen und zu feiern. An den Wochenenden haben wir gemeinsam Ausflüge ins Umland unternommen. Dort hatten wir jedoch immer einen Guide dabei, der uns die Gegend gezeigt hat und sowohl die Busse als auch die Übernachtungen besorgt hat.

Die Vorbereitung durch Praktikawelten war gut. Auch die Organisation der Sprachschule und des Projektes waren gut. Vor Ort musste ich zum Glück die Hilfe des Teams nicht in Anspruch nehmen. Für mich war es aber beruhigend, dass jemand englisch-sprechendes theoretisch  ansprechbar war.

Meine wohl wichtigste Erfahrung ist, dass die Welt sich weiterdreht, egal ob ich mir Sorgen mache oder nicht. Die Menschen in Guatemala haben im Gegensatz zu uns so wenig finanzielle und materielle Mittel und sind doch viel reicher als wir. Sie sind sehr freundlich und fröhlich, Arbeit und Leben ist häufig gleichrangig und die Arbeit schien mir nicht als Last empfunden zu werden."

Erfahre mehr über das Projekt, das Merit S. so begeistert hat: Meeresschildkröten-Projekt in Guatemala