Sozialarbeit mit Kindern in Ghana

"Es gab viele wirklich berührende Momente"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ghana
  • 11 Wochen

Erfahrungsbericht von

01.03.2013

Carolin schrieb:

"Bereits seit der 11. Klasse wusste ich, dass es nach dem Abitur für einen gewissen Zeitraum nach Afrika gehen möchte. In dem langen Zeitraum von da an bis zu meinem Abitur, habe ich mir oft vorgestellt, wie es dort in dem Land und in meinem Projekt wohl sein wird. Hauptsächlich habe ich mir alles sehr arm vorgestellt. Kinder ohne Schuhe und mit zerrissener Kleidung habe ich mir ausgemalt. Ich habe mir auch vorgestellt, dass die Familien alle in kleinen Wellblechhütten leben und jeden Tag Reis essen, wenn sie überhaupt etwas zu essen haben. In meinen Gedanken habe ich mir alle Kinder und auch die älteren Menschen sehr abgemagert vorgestellt. Eben genauso wie man es im Fernsehen aus den dritten Welt Ländern vermittelt bekommt. Meine Arbeit im Projekt konnte ich mir nicht sehr gut vorstellen, ich dachte, ich werde in einer Art Kindergarten arbeiten oder in einem Waisenhaus und mich dort den ganzen Tag um kleine, sozial sehr schwache Kinder kümmern. Sie anziehen, sie füttern, mit ihnen spielen und alles was man eben so tut.

 

Meine Zeit in Ghana war unbeschreiblich schön, für kein Geld der Welt würde ich diese eintauschen wollen. Zum Schluss wären meine Freundin (mit der ich diesen Trip gewagt habe) und ich, auch gerne noch länger geblieben. Wir haben uns sehr schnell eingelebt und die Mädels in unserem Haus, die alle deutschsprachig waren, waren alle sehr aufgeschlossen und nett und es haben sich wirkliche Freundschaften entwickelt, die ich auch jetzt noch pflege. Ein wirklicher Kulturschock war es eigentlich auch nicht, da ich mich vorher über das Land und dessen Kultur informiert hatte und mir auch gut vorstellen konnte, was mich erwartet.

Den nahezu täglichen Stromausfall und auch den damit verbundenen Wasserausfall haben wir mit Humor genommen. Denn auch das Duschen mit Wassereimern war für mich eigentlich eher witzig als nervig. :-) Nach den Projekten haben wir uns alle darüber ausgetauscht was heute so passiert ist und haben den restlichen Tag geplant. Um 1 Uhr mittags waren meistens alle aus den Projekten zurück und dann haben wir zum Beispiel gekocht, waren einkaufen, oder haben den Tag am Strand verbracht. Wir sind auch viel gereist. Wir waren 2 Mal im Westen, 1 Mal im Osten und 1 Mal im Norden. Auch das habe ich mir im Vorfeld so vorgestellt, da ich von anderen Teilnehmern wusste, dass das Reisen dort kein Problem darstellt. Anders hatte ich mir jedoch mein Projekt vorgestellt. Ich dachte, ich werde in einem Kindergarten oder einem Waisenhaus arbeiten, da ich Sozialarbeit gewählt hatte. Tatsächlich war es dann aber so, dass ich in einer Schule mitgeholfen habe und durfte dort Unterrichten.

Anfangs fand ich das nicht so gut, da ich eigentlich mit ganz kleinen Kindern arbeiten wollte und nicht wirklich Unterricht halten wollte. Doch vor Ort habe ich mich schnell und gut in meiner Schule eingelebt und in Ghana gehen schon die ganz kleinen Kinder zur Schule, um die ich mich dann auch kümmern durfte.

In meiner Klasse waren 40 Kinder, alle zwischen 1,5 bis 7 Jahre und 2 Lehrerinnen, die oft wirklich überfordert waren. Da in meiner Klasse auch schon so kleine Kinder waren, hab ich die Zeit dann meistens damit verbracht, sie zu trösten, mit ihnen zu spielen, sie anzuziehen oder mit ihnen aufs Klo zu gehen. Doch kam ich mir in der ganzen Zeit nie wirklich gebraucht vor und ich muss sagen, dass die Kinder mit denen wir gearbeitet haben, nicht die ärmsten waren. Sie waren alle immer super angezogen und hatten viel zu essen und konnten das Schulgeld bezahlen. Die Kinder auf den Straßen, die ich auf dem Weg zur Schule kennengelernt habe, hätten Hilfe aus dem Ausland viel dringender nötig gehabt.

Ich bin meistens um 6 Uhr früh aufgestanden, habe mit den Mädels im Haus gefrühstückt und Montag bis Freitag sind wir dann alle in unsere Projekte gegangen. Eigentlich waren die meisten um 12 Uhr bis halb 1 Uhr auch wieder im Haus. Dann haben wir alle gegessen und danach waren wir einkaufen, haben auf der Terrasse gesessen oder waren am Strand.

Am Wochenende waren wir samstags immer auf der Reggae Night oder in Accra / Osu feiern. Die Mittage haben wir eigentlich immer am Strand verbracht oder waren in Accra shoppen.

Wir waren auch oft reisen, manchmal nur 3 Tage, aber auch mal 1 Woche.

Insgesamt war alles super, egal ob wir reisen waren, oder nur am Strand rumgelegen sind.

Wie schon gesagt, kam ich mir nicht wirklich gebraucht vor, weil ich mit viel mehr Armut in der Schule gerechnet habe. Trotzdem war die Arbeit mit den Kindern einfach toll, ich habe gemerkt, wie schnell die Kleinen mir ans Herz gewachsen sind und auch der Abschied war sehr traurig. Während meinen fast 3 Monaten in Ghana, habe ich auch mal die Klassen gewechselt und bei den älteren Kindern Deutsch oder Englisch unterrichtet. Das hat mir schon Spaß gemacht und ich hab gemerkt, dass es was sein könnte, was ich mir in meinem späteren Beruf auf jeden Fall vorstellen kann.

Die Bevölkerung ist wirklich ganz anders als in Deutschland. Die Menschen sind sehr offen und freundlich und an jeder Ecke ruft dir jemand "Obruni, how are you" zu. Wir weißen Frauen sind bei den ghanaischen Männern jedoch wesentlich besser angekommen als bei den ghanaischen Frauen. Bei denen waren wir meistens nicht sehr willkommen, mir kam es eher so vor, als ob sie neidisch auf uns waren, vielleicht weil die meisten Männer mit uns nach Deutschland wollten oder auch weil wir von Natur aus lange glatte Haare haben können, die sie sich so wünschen. Wenn man dann aber mit den Frauen ins Gespräch kam, waren auch sie sehr nett und hilfsbereit. Im Allgemeinen kam ich mir meistens sehr willkommen vor und habe mich wirklich sehr wohl gefühlt. Durch den engen Kontakt den wir mit vielen Einheimischen hatten, haben wir die Kultur auch gut kennen lernen können.

Am Anfang wirkt vieles sehr verrückt: Sachen wie, dass die Frauen wirklich alles auf ihrem Kopf tragen und die kleinen Kinder auf dem Rücken, ist gewöhnungsbedürftig. An einem Sonntag waren wir auch mal in der Kirche. Eigentlich waren die 3 Stunden dort sehr anstrengend, die Ghanaer haben durchgehend gesungen und getanzt und es war megalaut. Das eine Mal dort hat uns gereicht, aber wir waren auch froh, dass wir es miterlebt haben, denn auch das war eine Erfahrung wert.

 

Wie schon gesagt, waren wir viel Reisen. Wir waren auch oft feiern, zum Teil auch mit unseren ghanaischen Freunden. Ansonsten haben wir viel Zeit gemeinsam auf unserer Terrasse verbracht, oder auch am Strand, der wirklich schön und nicht weit entfernt war.

 

Es gab mehrere schöne Momente in. Es war jedes Mal sehr schön zu sehen, wie die Kinder sich freuten als ich kam und einfach Stunden an meiner Schulter lagen, wenn es ihnen schlecht ging, oder sie krank waren. Unsere Reisen waren jedes Mal wieder lustig und auch super schön. Immer wenn wir feiern waren, hatten wir eine Menge Spaß und das schönste war einfach, dass ich so viele, tolle Menschen kennengelernt habe.

Auch die Organisation in Deutschland war super. Wir haben viele Emails bekommen und wenn ich eine Frage hatte, habe ich eine Email geschrieben und am nächsten Tag direkt eine Antwort erhalten. Auch wenn ich angerufen habe, habe ich direkt meine Antwort bekommen und die Mitarbeiter waren auch alle sehr freundlich und hilfsbereit.

Unsere Koordinatorin vom Team vor Ort war wirklich ein Schatz. Wir haben sie alle sehr lieb gewonnen. Sie war nahezu immer erreichbar und immer sehr nett und aufgeschlossen und wir hatten auch viel Spaß mit ihr. Sie hat auch immer versucht auf unsere Wünsche einzugehen. Das einzige was manchmal nervig war, dass kaum jemand pünktlich war und wenn zum Beispiel unser Wassertank leer war wurde sich darum erst gekümmert, als wir wirklich kein Wasser mehr hatten. Anstatt sich darum im Voraus zu kümmern. Aber das kann man eigentlich keinen Koordinatoren vorwerfen, da es einfach die Kultur der Ghanaer ist. Deshalb haben wir das mit der Zeit dann auch einfach so hingenommen :-)

Es war definitiv eine gute Entscheidung, dorthin zu reisen. Ich habe während meiner Zeit dort, nie daran gedacht abzubrechen, im Gegenteil, ich wäre gerne länger geblieben. Die Zeit ging viel zu schnell rum. Die Erlebnisse und Erfahrungen, genauso wie die Bekanntschaften, die ich gemacht habe, kann mir keiner mehr nehmen! Es war schön einfach mal etwas anderes zu sehen, als das was man bereits kennt. Es gab auch viele wirklich berührende Momente und ich will auf jeden Fall nochmal in das Land zurück kehren.

Nach diesem Aufenthalt kann ich mir wirklich vorstellen, beruflich in diese Richtung zu gehen. Momentan überlege ich, Grundschullehramt zu studieren, da mir die Arbeit mit den kleinen Kindern wirklich viel Spaß gemacht hat.

 Mach dir am besten nicht zu viele Vorstellungen, sei einfach nur darauf eingestellt, dass es ein komplett anderes Leben in einem afrikanischen Land ist, als du es gewöhnt bist. Ich kann einen solchen Auslandsaufenthalt wirklich nur weiter empfehlen, gerne würd ich auch jetzt noch einmal hin. Mein Tipp: Pack nicht zu viele warme Sachen ein, die braucht man eigentlich gar nicht und habe keine Angst vor Krankheiten oder Infektionen. Anstatt deinen ganzen Koffer mit Kleidung vollzustopfen, nimm lieber leckeres Essen mit! Sowas wie Tüten Suppen oder Tüten Soßen kannst du immer und wirklich in großen Mengen gebrauchen! Auch Schokolade kannst du nach dem Flug wieder kühlen und Nutella ist in Ghana richtig teuer, da solltest du lieber auch etwas von einpacken :-) Für bevorstehende Stromausfälle solltest du am besten eine Stirnlampe mitnehmen, die sind wirklich sehr praktisch.

Nimm am besten einen großen Rucksack für deine Reisen mit, den kannst du bestimmt gebrauchen. Und wenn du einen Laptop oder ein Notebook hast, pack das am besten auch ein, die Internet-Sticks funktionieren super gut und es ist auch sehr praktisch wenn du so mit deinen Lieben zu Hause Kontakt halten kannst.

Genieß die Zeit einfach, sie geht eh viel zu schnell um!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Carolin S. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ghana