Sozialarbeit mit Kindern in Ghana

"Die Arbeit mit den Kindern hat mir einfach super viel Spaß gemacht"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ghana
  • 6 Wochen

Erfahrungsbericht von

04.04.2013

Antonia schrieb:

"Ich habe versucht mir so wenig wie möglich vorzustellen, was das Land, die Menschen und meine Arbeit betrifft, da es meistens sowieso anders kommt als gedacht. Man am besten offen für eine fremde Kultur und ein fremdes Land sein, indem man mit wenigen Erwartungen und Vorstellungen dorthin reist. Dennoch wusste ich durch zwei vorherige Afrika-Aufenthalte schon einiges über die typische und spezielle Mentalität der Afrikaner und wusste somit relativ gut, worauf ich mich einlassen würde.

Die Zeit in Ghana war unbeschreiblich schön! Die Arbeit im Projekt hat super viel Spaß gemacht, auch wenn es teilweise sehr anstrengend und anspruchsvoll war und einige Dinge und Erziehungsmethoden in einem afrikanischen Land einfach grundlegend von unseren europäischen abweichen und man da schon manchmal schlucken muss, wenn man das so direkt mitbekommt.

Da ich eine Stunde (+/- je nach Verkehrs- und Wetterlage...) mit dem Trotro zur Schule gefahren bin, musste ich bereits gegen 7 Uhr das Haus verlassen und mich auf den Weg machen. In der Schule angekommen übernahm ich dann mit einer anderen Freiwilligen von Praktikawelten immer vormittags zwei bis drei Unterrichtsstunden, also von ca. 8.15Uhr (zwischen ca. 8 Uhr und 8.15 Uhr war immer ein gemeinsames morgendliches Beten) bis 9 Uhr, von 9 Uhr bis 10 Uhr und von 10.25 bis 11.25. Pause war von 10 Uhr bis 10.25 Uhr. Dort haben wir mit den Kindern gespielt, die nächste Stunde vorbereitet oder ein riesen Aufruhr veranstaltet, wenn wir unsere Kamera rausgeholt haben und Bilder mit den Kindern machen wollten... :-) In den Unterrichtsstunden selbst haben wir meist Mathe gemacht, teilweise aber auch Deutsch. Mittags kam ich dann wieder im Haus an und hatte somit den ganzen Nachmittag Zeit für den Strand, die Innenstadt oder Terrasse.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Arbeit in Ghana mitnehmen konnte, war die Erkenntnis, dass man auch mit ganz, ganz wenigen Unterrichtsmaterialien einiges tun kann, wenn man kreativ ist. Zudem sind mir die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem ghanaischen Bildungssystem noch viel bewusster geworden. Einige Erziehungs- und Unterrichtsmethoden wären hier in Deutschland so schon lange nicht mehr durchführbar bzw. vertretbar, aber dort sind sie noch weit verbreitet, was einem schon manchmal zu denken gibt. Weil man kommt sich teilweise hilflos vor, es macht einem aber auch klar, dass man dort sehr tolerant sein muss und das Schulsystem respektieren muss, auch wenn man es gerne verändern und verbessern würde.

Die ghanaische Kultur und Mentalität habe ich vom ersten Moment an lieben gelernt, da dort jeder unglaublich freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit und offenherzig ist. Es wird einem immer und überall geholfen, wenn man mal nicht mehr weiter weiß, welches Trotro denn nun das richtige ist. Mit der teilweise aufdringlichen Art weißen Frauen gegenüber muss man eben klar kommen, aber auch da habe ich schnell gelernt, das mit Humor zu nehmen und Heiratsanträge einfach freundlich zu belächeln. :)

In der freien Zeit unter der Woche sind wir oft zum Kokrobyte-Strand gefahren, der nur ca. 15 Minuten mit dem Taxi entfernt war. Ansonsten war es auch mal schön, auf der Terrasse in der Sonne einfach nur ein Buch zu lesen, sich zu unterhalten oder in die Innenstadt von Accra zu fahren. Am Wochenende war ich nie im Haus und bin immer gereist und habe somit sehr viel vom wunderschönen Land gesehen, da wir echt in jeder Ecke waren (Ada Foah, Butre, der ganze Norden, Cape Coast/Elmina, Shai Hills, Wli Waterfalls).

Einen schönsten Moment möchte ich nicht hervorheben, da ich das auch gar nicht könnte, weil es viel zu viele schöne Augenblicke gab! Jede Reise, die Arbeit mit den Kindern, alles hatte so viele schöne Momente... Lustig war aber auf jeden Fall, als mir ein Pavian im Mole-Nationalpark meine Tasche mit dem ganzen Geld und der Kamera geklaut hat und sie erstmal mitgenommen und ausgepackt hat. Zum Glück hat er nichts zu essen gefunden und hat alles wieder liegen lassen, da ist mir das Herz schon erstmal stehen geblieben. Im Nachhinein war die Aktion natürlich sehr lustig :-)

Sehr gut gefallen hat mir die stets schnelle Antwort von Praktikawelten auf Email-Anfragen etc.. Großes Lob an euch, das war wirklich super!

Das Team um unsere Koordinatorin Peni und Manager Ebenezer war zu jeder Zeit erreichbar und stand für Fragen und Probleme rund um die Uhr zur Verfügung!

Der Aufenthalt in Ghana war absolut empfehlenswert und ich war dort auch sicher nicht das letzte Mal! Das Land ist super schön, die typisch afrikanische Mentalität gefällt mir mittlerweile sogar besser als unsere deutsche. Die Arbeit mit den Kindern hat mir einfach super viel Spaß gemacht, weil die Kleinen so dankbar, offen und nett waren und man merkte, dass man gebraucht wurde. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, später im Berufsleben einmal für längere Zeit in einem afrikanischen Land zu arbeiten (vielleicht ja sogar auswandern?!), daher hat mir der Aufenthalt auch in dieser Hinsicht sehr viel gebracht.

Erwartet einfach so wenig wie möglich, seid offen, tolerant, spontan, kreativ, selbstständig und seeeeehr geduldig, dann werdet ihr euch sehr schnell in die ghanaische "There-is-no-hurry-in-life-Mentalität" einleben und sie lieben lernen! Versucht auch immer die Menschen und die fremde Kultur zu respektieren und zu akzeptieren, denn vieles (fast alles) ist dort einfach völlig anders als daheim, daher: lasst den Deutschen in euch zu Hause! Und esst Fufu unbedingt mit der Hand und nicht mit dem Löffel! ;-)"

 

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