Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador

"Ich traue mir jetzt wesentlich mehr zu!"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 3 Monate

Erfahrungsbericht von (20 Jahre)

10.01.2009

Tatjana schrieb:

„Lange Zeit habe ich gar nicht richtig realisiert, was es heißt, dass ich nach Ecuador gehe und plötzlich ging es schon los. Ich hatte verschiedene Erwartungen: Ich wollte ein neues Land kennen lernen, erfahren, wie die Menschen einer anderen Kultur ihren Alltag meistern und nicht zuletzt wollte ich sehen, wie ich mit so einer Erfahrung umgehe und inwiefern diese Erfahrung mein Denken beeinflusst und mich prägt und trotzdem hatte ich keine Ahnung, was wirklich auf mich zukommen wird.

Mein Praktikum in der Kindertagesstätte hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich mich erst an die Situation gewöhnen musste. Es war komplett anders, als ich es von Deutschland kannte. Es war einfach ein ganz anderes Leben, vom "Essenssaal" bis zum Betonspielplatz. Nach ein paar Tagen haben die Kinder bemerkt, dass sie mit mir nicht alles machen können, sie haben sich an mich und ich mich an sie gewöhnt und das Praktikum hat mir sehr sehr viel Spaß gemacht und ich habe viel gelernt. Meine Unterkunft und mein Sprachkurs haben mir sehr gut gefallen.

Vor einem kleinen Frühstück (oft Brot und Milch) wurde in der Kindestagesstätte, die Nationalhymne gesungen, Frühsport gemacht oder die Kinder konnten sich frei beschäftigen. Dann ging es in die Gruppen und es wurden Buchstaben und Farben gelernt, gebastelt oder gespielt. Vor dem Mittagessen gab es eine große Pause, in der die Kinder auf dem "Spielplatz" spielen konnten. Ab und zu haben wir auch Ausflüge in Parks gemacht, wo die Kleinen dann auch mal Wiese zum Spielen hatten.

Neben der Unterstützung im Klassenraum habe ich mich in den Pausen frei mit den Kindern beschäftigt und beim Essen geholfen, die Teller zu verteilen, die Kinder zu füttern und vorher überhaupt erst mal dafür zu sorgen, dass alle Kinder mit gewaschenen Händen in den "Speisesaal" kommen. Nach dem Mittagessen war ich mit meiner Arbeit fertig und bin zurück ins Apartment gefahren, wo ich dann meistens gegen 14 Uhr ankam. Dann habe ich mit den anderen Freiwilligen gekocht, wir waren Kaffeetrinken oder haben unseren Nachmittag anders gestaltet und abends bin ich unter der Woche nicht selten zwischen 20 Uhr und 21 Uhr im Bett gewesen, weil ich so müde war.

Alles in allem hat mir die Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß gemacht. Die Erzieher waren super lieb und haben mir viel erklärt und trotz nicht perfekten Sprachkenntnissen meinerseits konnten wir kommunizieren!

Viele der Kinder waren total lieb und wollten viel mit mir spielen, was gar nicht immer so einfach ist, wenn beide Arme und Beine von Kindern besetzt sind.

Außerdem hat mich dieses Praktikum, wie der gesamte Aufenthalt, reifen lassen und mein Durchsetzungsvermögen gestärkt. Zusätzlich habe ich durch die Arbeit meine eigenen Grenzen kennengelernt und sie erweitert. Ich traue mir jetzt wesentlich mehr zu!

Ich habe die Ecuadorianer als sehr offene und freundliche Menschen kennen gelernt. Ab und zu haben wir eine Freundin, die in einer Gastfamilie gewohnt hat, besucht und von Anfang an wurden wir von ihrer Familie total herzlich aufgenommen und alle waren sehr freundlich.

Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen außerhalb von Quito noch freundlicher und offener waren und war immer wieder beeindruckt, dass sie sich mit den einfachsten Sachen zufrieden geben.

Während meines Sprachkurses war auch unter der Woche abends öfters weggehen angesagt, was sich während meines Praktikums auf 1x die Woche beschränkt hat.

Die meisten Wochenenden habe ich mit anderen Freiwilligen genutzt, um das Land zu erkunden. Dabei hat man viele neue Eindrücke bekommen, wunderschöne Landschaften gesehen und das Leben der Einheimischen noch besser kennen gelernt.

Die wenigen Wochenenden, die wir in Quito verbracht haben, haben wir uns die Stadt angesehen und Mariscal, das Touristen-und Partyviertel, unsicher gemacht!   

Einen schönsten Moment aus meinem Aufenthalt in Ecuador zu benennen, ist schwer, da ich die gesamte Zeit dort als sehr schön empfunden habe.

Ich denke aber, dass zu den schönsten Momenten u.a. zählen:

- das ich sofort total lieb im Apartment aufgenommen wurde
- die Erfolgserlebnisse im Sprachkurs
- der letzte Tag im Kindergarten war sehr traurig, aber auch total schön, weil die Erzieher mir eine Torte gekauft haben und mir ein Bild von mir und den Kindern im selbstgemachten Bilderrahmen geschenkt haben
- das ich in einigen Freiwilligen richtig gute Freunde gefunden habe
- meine nach meinem Projekt stattgefundene, dreiwöchige Rundreise an die Küste, in den Dschungel und auf die Galapagos-Inseln

Ich habe die Arbeit der Organisation als gut empfunden. Wenn man Fragen hatte, konnte man diese ohne Probleme per Mail oder Telefon stellen und hat auch immer Antworten bekommen.

Die Betreuung vor Ort war super, da alles geklappt hat und ich mich bei Fragen immer an das Team wenden konnte. Auch mit dem Abholservice am Flughafen hat alles prima geklappt und auch sonst war die Unterstützung sehr hilfreich. Auch wenn es Probleme gab, konnte man sich immer an jemanden vom Team wenden. Meine Einführung vor Ort war gut, da mir alle wichtigen Plätze gezeigt, Sachen erklärt und meine Fragen beantwortet wurden.

Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt "Abenteuer Ausland" gewagt habe, denn der gesamte Aufenthalt, die Hochs und Tiefs, die Arbeit, die Menschen und das Land haben mich sehr geprägt und reifen lassen. Ich bin selbstbewusster geworden und sehr stolz, dass ich das alles so hinbekommen habe. Die Arbeit hat mein Durchsetzungsvermögen gestärkt und ich habe meine eigenen Grenzen kennen gelernt und erweitert. Ich weiß die früher für mich so selbstverständlichen Dinge jetzt viel mehr zu schätzen, habe einen anderen Blickwinkel bekommen. Zusätzlich habe ich in einigen anderen Freiwilligen super Freunde gefunden. Meine Anfangserwartungen wurden mehr als erfüllt und ich würde immer wieder einen Auslandsaufenthalt machen und kann es nur empfehlen.

Meine Tipps: Seid auf jeden Fall offen für eine andere Welt! Falls ihr mit der Sprache noch Probleme habt, lasst euch davon nicht daran hindern, mit anderen zu reden, es funktioniert! Und, ganz wichtig: genießt euren Aufenthalt! Die Zeit geht so schnell um, das glaubt man gar nicht!“

Erfahre mehr über das Projekt, das Tatjana E. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador