Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador

"Ich habe mich ein wenig besser kennen gelernt und ein bisschen mehr zu mir selbst gefunden!"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 12 Wochen

Erfahrungsbericht von

30.12.2013

Maximilian schrieb:

"Meine Erwartungen vor meinem Abflug? Ich wollte Spanisch lernen und im Grunde eine Studienvorbereitung. Auch das Land an sich wollte ich kennen lernen. Die Zeit in meinem Projekt war ziemlich genau nach meinen Vorstellungen.

Ach so ein typischer Arbeitstag! Um 07.00 Uhr weckte mich, nach dem Monat Sprachschule, mein Wecker, damit ich pünktlich zur Arbeit kommen kann.
Jedoch zuvor noch duschen und die Zähne putzen und hinterher ein dezentes Frühstück. Der Bus ist in voller Besetzung, dann fünfzig Minuten in Richtung Norden gefahren, mein Ziel "La Bota". Eine Woche bevor ich anfing meiner Arbeit nach zu gehen, wurden für diese Strecke zwei Busse eingeteilt, so dass ich umsteigen musste, was kein Problem war. Angekommen in La Bota - zu Deutsch der Stiefel - lief ich fünf Minuten die Straße hinunter bevor ich mein Arbeitsplatz erreichte, der Kindergarten von La Bota.

Dort spielte ich mit den Kinder Fußball, brachte sie zum Lachen, fegte nach den Essen den Boden und half den Kleinen bei ihren Problemen: zum Beispiel Schuhe zu binden oder einfach die Rotznase abzuwischen. Auf den Heimweg aus La Bota betrachtete ich mir jedes Mal die Stadt, denn hier zu sein erfreute mich in jedem Maße.

Das Praktikum war für mich zum einen für das Studium gedacht, aber zum anderen auch dafür, ob ich später diesen Weg einschlagen möchte, also mit Kindern zu Arbeiten, und ja, klar will ich später mit Kindern arbeiten! Ich möchte später jedoch nicht mit Kindergartenkindern arbeiten, das hat nichts mit dem Studium zu tun, das war mir vorher schon latent klar. Aber das Praktikum hat mir gezeigt, dass ich diesen Weg gehen möchte. Ich habe mich sozusagen ein wenig besser kennen gelernt und ein bisschen mehr zu mir selbst gefunden!

Das Apartment war genau mein Fall und der Sprachkurs war gut und doch auch erfolgreich. Ecuador hat mir sehr gut gefallen und auch der Kontakt zu den anderen Freiwilligen war immer gut.

Dass die Menschen, in Ecuador zumindest, einen sehr starken Lebenswillen haben und für ihr Überleben kämpfen, das hat mich sehr beeindruckt. Wenn man ihnen gesonnen entgegen tritt, sind sie meistens auch freundlich, klar gibt es Ausnahmen, aber die haben wir hier in Deutschland auch tausendfach. Ich habe nette Menschen kennen gelernt, die mich mit Ihren Geschichten, Erfahrungen oder Ansichten der Welt begeistert haben. Nicht selten hatten wir auch Diskussionen.

Da die Ecuadorianer sehr gut und viel Gitarre spielen, haben wir auch Jamsessions gemacht, die bis spät bis in die Nacht gingen. Sie waren aber einfach einmalig und es ist superschöne Musik dabei raus gekommen. Außerdem spielen viele Menschen in Ecuador sehr gut Schach! Sie sind aufgeschlossen, sehr interessiert Neues zu lernen (also ich spreche hier von der jungen Generation) und kommen gerne ins Gespräch mit den Gringos, das seid ihr und ich! Und ich habe gelernt mit weniger zu leben als ich es noch vor der Reise gewohnt war - das tut mir gut. Bescheidenheit - tolles Gefühl.

Meine Freizeit…gut na ja, ich bin am ersten Wochenende gleich nach Montanita gefahren mit Mathias, die gute Seele, zwar nur für drei Tage, aber die haben sich gelohnt, denn dort habe ich weitere interessante Menschen kennen gelernt. Abends haben wir natürlich gekocht und sind ein bisschen Tanzen gewesen. Wir haben Schach gespielt, sind einfach im eigenen Apartment gesessen und haben einer Gitarre zugehört oder ich habe mich selbst darin versucht. Unter anderem habe ich auch die Cocktailklasse in der Schule besucht. Am Ende meiner Journey bin ich alleine gereist, denn ich wollte das Land aus meiner eigenen Richtung sehen. Ich möchte nicht zu pauschal antworten, wenn ich sage, dass ich jeden Moment den ich erleben durfte in mich aufgenommen habe. Die schönsten Momente waren aber die zu zweit und in der letzten Woche als ich alleine gereist bin.

Das erste Wochenende war ich mit Mathias am Strand von Montanita um einer verrückten Full-Moon-Party beizuwohnen Außerdem fuhr ich mit der Schule nach Mindo, wo ich mit Mathias und Sasha später nochmals alleine hingefahren bin. Dort gab es ein Art Naturpark mit einem zwölf Meter hohen Wasserfall und Banos um eine Fahrradtour zu machen und sich dabei die Berge und die Natur anzuschauen. Einfach der Wahnsinn: von einer Brücke zu springen, an einem Tag auf den größten Markt von Ecuador Otavalo in fünf Stunden siebzig Dollar zu lassen. Es war aber nicht alles für den Eigengebrauch. Der Dschungel, das war glaube ich mein schönstes Erlebnis, denn dazu habe ich mich spontan entschlossen. Man weiß ja auch nicht wie lange der Dschungel noch da ist.

Ich habe viel ausprobiert, so zum Beispiel habe ich Limonenameisen genascht, die auch so schmeckten, oder Käferlarven die nach Walnuss schmeckten. Ich habe auch eine Tageswanderung (und zurück mit dem Kanu) von fünf Stunden gemacht, dabei habe ich Flussdelphine gesehen, einige bunte Papageie und seltene Arten von Affen, wunderschön! Und dann bin ich noch nach Mompiche, das komplette Gegenteil von Montanita gefahren. Es ist sehr ruhig hier, keine Gringos, na ja insgesamt waren dort mit mir fünf. Hier gab es das beste Essen in drei Monaten und das auch noch im Dschungel. Schwarzer Sand, super Leute, einfach mal nichts tun und in der Hängematte abhängen y fuma un piquino porro.

Die Betreuung durch Praktikawelten war sehr gut bis gut. Die Reiseunterlagen waren richtig super! Die Informationen der eurigen Mitarbeiter in Deutschland, hat mir gefallen, besonders der Punkt, dass ihr auch lachen könnt und Spaß mitmacht am Telefon. Die Betreuung durch die Mitarbeiter vor Ort, also in Ecuador selbst, hätte nicht besser sein können. Sie haben viel Zeit für mich mitgebracht, haben mir auch gerne mal was erklärt und waren mir auf jeden Fall sehr behilflich. Danke noch mal von meiner Seite.

Es hat alles gepasst, vorne und hinten. Der Besitzer der Apartments ist ein freundlicher Mensch, der mit seinen Söhnen zudem noch eine Studenten-Bar unterhält und seine Frau hat eine Tür weiter einen Frisörladen. Er war sehr hilfsbereit und ein sehr lustiger Mensch, der auch bei den Jamsessions dabei war und sein Sohn mit der Gitarre musikalisch unterstütze.
Ein Mitarbeiter, cooler Typ, hat mich, nachdem ich zweimal den Flug verpasste habe, dann doch trotzdem abgeholt. Die Lehrer in der Schule waren total witzig und lieb, lauter nette Menschen mit denen ich oft gelacht habe. Zudem bringen sie einem auch das Kochen und Mixen von Cocktails bei. Auch die Einführung durch das Team vor Ort war gelungen, denn es blieben nur kleine Fragen offen, die ich mir selbst beantworten konnte.

Es war die beste Entscheidung der letzten fünf Jahre, diesen Auslandsaufenthalt zu machen. Ich werde definitiv auch später mit dem Rucksack durch das Land reisen, denn es gibt viel, was ich noch sehen will und noch vieles mehr zu erleben. Dieser Aufenthalt hat mich insofern weitergebracht, dass ich die Welt jetzt mit anderen Augen sehe und verstehe und nichts mehr als selbstverständlich wahrnehme. Ich bin dankbar für diese Art von Möglichkeit, die wir in unserer Zeit haben, einfach mal ein Praktikum zu machen (für mich war das mehr als nur ein Praktikum, es war unter anderem auch eine Reise zu mir selbst) in einem Land von dem viele Deutsche nicht wissen, wie die Hauptstadt heißt und wo es genau liegt.

Ich danke euch Praktikawelten, genau so danke ich meiner Familie.
Que la vaya muy bien y hasta los diaz, chicos. Vamanos a ir a Equador!

Kleiner Tipp:
Klar kann ich mich nur anschließen und sagen, macht solch eine Erfahrung! Ich werde davon erstens noch mit 105 Jahren meinen Urenkeln erzählen und zweitens ist das, was ich dort erlebt habe, unbezahlbar. Reist in den Dschungel, wer weiß wie lange der noch so ist, wie er jetzt ist. Es lohnt sich in jeder Hinsicht: man lernt sich selbst mehr kennen, neue Leute, Kultur sowie neues Essen, eine richtige Lebenserfahrung von der man zehren kann und man kann nur gewinnen, wenn man sich auf solch ein Abenteuer einlässt.

Für alle, die solch eine Reise planen: reist so viel ihr könnt, seid aufgeschlossen der Kultur sowie den Menschen gegenüber, dann lernt ihr nämlich das Ecuador kennen, so wie ich es kennen und lieben gelernt habe!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Maximilian R. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador