Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador

"ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich zu Hause nicht machen könnte"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 21 Wochen

Erfahrungsbericht von

16.11.2013

Lukas schrieb:

"Ich hab mir zunächst mal das Land sehr viel wärmer vorgestellt als Deutschland, da es ja immerhin am Äquator liegt. Auch auf die Anden war ich sehr gespannt, ich wohne sehr nah an den Alpen und hab mich gefragt, wie unterschiedlich die beiden Gebirge sind. Dann natürlich auch die Menschen.

Die Angst, dass ich nichts verstehe war schon ein bisschen da, weil ich in der Schule kein Spanisch hatte und nur davor zu Hause ein bisschen gelernt habe. Auf die Kultur habe ich mich sehr gefreut, ich hatte gehofft, dass ich dort ganz andere Menschen treffen würde, mit anderen Mentalitäten und vielleicht ein bisschen freundlicher als die Menschen in Deutschland. Bei meiner Arbeit hatte ich gehofft mit netten Menschen zusammen arbeiten zu können, möglichst nur mit Menschen aus Ecuador. Die Arbeit mit den Kindern habe ich mir eigentlich ausschließlich positiv vorgestellt.

 

Die Zeit während meines Programms war einfach spitze und genau nach meinen Vorstellungen.

Ich hatte mir am Anfang vorgestellt, dass ich viel mit den Kindern spielen kann und dass ich im Grunde machen kann, was ich will. Gehofft habe ich auch, dass ich auch ein bisschen gebraucht werde und nicht nur der nervige Volunteer bin der jetzt halt da ist und unterhalten werden soll. Und genau so war es auch nicht. Es war echt schön, am Morgen konnte ich mit den Kindern immer machen was ich wollte, die einzelnen Gruppen wechseln und alle Erzieherinnen haben sich gefreut, wenn ich mal wieder in der Gruppe vorbeigeschaut habe. Auch das Gefühl unnütz zu sein kam nicht auf, da ich am Mittag immer das Essen an alle Kinder verteilt habe und das hat auch wirklich die Erzieherinnen entlastete, weil die mit Füttern beschäftigt waren. Es war echt eine gute Mischung zwischen gebraucht werden und trotzdem die Freiheit zu haben das zu tun was man will, auch einfach mal eine kleine Pause. :-)

Am Anfang bin ich morgens noch um 6:00 Uhr aufgestanden, damit ich um 8:00 Uhr im Kindergarten war (1 Stunde Busfahrt). Da habe ich dann aber nach ein paar Wochen nett gefragt, ob ich nicht ein bisschen später kommen könnte und das war kein Problem. Also war ich dann immer um 9:00 Uhr im Kindergarten. Ich wurde immer von den Kindern freudig begrüßt und wir haben im Hof gespielt. Um 10:00 Uhr gab es immer einen kleinen Snack (Früchte, etc.). Das war lustig, weil man den Kindern beim Essen helfen konnte. Und man bekam auch selber was (deswegen kenne ich jetzt alle Früchte in Ecuador :-)). Danach gab es immer einen kleinen Lern-Abschnitt. Die Kinder mussten bestimmte Formen oder Farben lernen und dazu malte man Sachen aus, bastelte oder hat etwas ausgeschnitten. Man konnte den Kindern immer irgendwo helfen. Danach war dann wieder Spielen angesagt bis um 12:00 Uhr. Dann kam das Mittagessen. Auch hier konnte man wieder beim Essen helfen. Nach dem Mittagessen fielen die Kinder todmüde ins Bett und haben geschlafen bis sie von ihren Eltern ab 3 Uhr abgeholt wurden. In dieser Zeit konnte man helfen Sachen für die Kinder zu basteln oder auch mal zu putzen.

Ich habe vor allem Erfahrung mit der Arbeit mit Kindern gemacht. Ein bisschen habe ich gelernt, wie man die Aufmerksamkeit der Kinder gewinnen kann, wie man sie dazu bringen kann etwas zu arbeiten, was sie fasziniert und bei was ihnen schnell langweilig wird. Auch habe ich gelernt jedes Kind zu lieben, auch wenn es sich schlechter verhält als die anderen. Alle sind im Grunde wirklich tolle Kinder, die es verdient haben etwas zu lernen und eine Zukunft zu haben. Ein Beruf in diesem Feld hat durch dieses Praktikum auf jeden Fall an Attraktivität gewonnen.

Mein Kontakt zu den Einheimischen war hervorragend und das Land war einfach fantastisch. Die Kultur hat mir auch keinerlei Probleme bereitet.

Mit der Kultur, der Bevölkerung und den Menschen habe ich ausschließlich positive Erfahrung gemacht. Die Menschen sind auch zu Ausländern immer sehr nett und nehmen einen auch in Gruppen schnell auf. Man kann schnell Freunde finden. Auch die Gastfreundschaft ist sehr groß, so wird man auch mal von der Mutter eines Freundes zum Mittagessen oder zum Übernachten eingeladen und fühlt sich gleich wie ein Teil der Familie. Als Ausländer ist man auch immer besonders interessant. Viele finden Deutschland und Europa sehr interessant und so gibt es immer was zu erzählen. Auch wenn man in Gruppen unterwegs ist, herrscht ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl als in Deutschland. Es wird immer alles geteilt, das Essen oder auch am Abend das Bier. Und ab und zu gibt man auch mal das Essen für alle aus. Auch die ältere Kultur des Landes ist sehr interessant und die Menschen der älteren Völker in Ecuador sind Besuchern gegenüber sehr offen und erzählen auch gern von ihrer eigenen Kultur.

 

Unter der Woche kam ich immer so um 16:00 Uhr nach Hause, dann war ich aber meistens ziemlich fertig und habe nicht mehr so viel gemacht. Ab und zu bin ich dann aber doch mal noch in ein Museum, in den botanischen Garten oder in den Park zum joggen. Am Abend ist man aber meistens mit den anderen Teilnehmern in Diskos, Bars oder ins Kino gegangen. Oder man hat sich einfach in der Küche getroffen, gekocht und sich bei Musik unterhalten.;-)

Die meiste Freizeit hatte ich am Wochenende, da war ich auch immer unterwegs. Das wurde auch in den 5 Monaten nie langweilig. Ecuador hat sehr viel zu bieten, wie zum Beispiel den Dschungel, das Meer, Vulkane, einheimische Märkte, heiße Quellen und vieles mehr. Besonders gefallen hat mir, dass das Reisen dort sehr leicht ist, da es ein sehr gutes und preisgünstiges Bussystem in alle Teile des Landes gibt.

 

Der schönste Moment war wohl der, als ich in einem Kanu abends auf einem Fluss im Dschungel gefahren bin und dann in einer Lagune den Sonnenuntergang beobachtet habe.

Fast genau so schön war auch der Moment, als ich im Meer baden war und plötzlich neben mir ein Seelöwe auftauchte und auf mich zu schwamm. Ein bisschen Angst war auch dabei, es war aber trotzdem eines der besten Erlebnisse.

Meine Anfragen per E-Mail wurden allesamt super von Praktikawelten beantwortet. Auch wenn ich Fragen oder Probleme hatte konnte ich immer jemanden erreichen.

Besondern gut gefallen hat mir die Freundlichkeit der Personen wenn man angerufen hat und eine Frage hatte. Man hat auch immer schnell eine gute Antwort bekommen. Auch den Brief, den ich bekomme habe, was ich alles brauche, war sehr gut (mit einer Liste zum abhaken). Somit konnte man eigentlich nichts vergessen.

Gefallen hat mir, dass das Team vor Ort von Praktikawelten immer gut die Fragen beantworten konnte, zu Reisen im Land oder wie man mit dem Bus irgendwo hin kommt. Da hatten sie wirklich immer Ahnung. Auch bei anderen Problemen waren sie immer hilfsbereit und hatten ein offenes Ohr. Ich habe auch von anderen gehört, die problemlos ihr Projekt wechseln konnten. Sonst gab es auch mehrere Treffen im Monat, wo man hätte sagen können, wenn es einem nicht gefällt. Es gab auch andere kleine Veranstaltungen, bei denen man andere Teilnehmer kennen lernen konnte. Es gab eigentlich immer Programm.

Mein Fazit:

Der Auslandsaufenthalt war auf jeden Fall eine super Entscheidung. Ich habe Glück, dass ich so etwas machen durfte und ich denke, ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich zu Hause nicht machen könnte. Zum Beispiel wie es ist, weit weg von der Familie zu wohnen, sich in einer WG zurechtzufinden und mit den anderen auszukommen. ;)

Dann habe ich viele Erfahrungen darin gesammelt Reisen zu organisieren und auch mit ungewohnten Situationen oder Problemen umzugehen. Irgendwie findet man aber dann doch immer eine Lösung. Dann hab ich auch den Umgang mit Menschen mit einer anderen Kultur gelernt. War echt interessant zu sehen wie unterschiedlich doch die Menschen in den einzelnen Ländern sind. Außerdem habe ich natürlich auch viel im Umgang mit Kindern gelernt. Mit ihnen zu spielen, aber auch ihnen etwas beizubringen oder zu lernen. Vor  allem habe ich aber viel in Sachen Selbstständigkeit gelernt.

 

Meine Tipps:

Man muss offen sein für neue Leute und sich nicht nur im Kreis der anderen Teilnehmer bewegen. Man lernt die Kultur am besten kennen, wenn man sich mit den Leuten auseinander setzt, mit ihren Problemen, ihren Einstellungen oder deren Lebensgestaltung.

Reist natürlich so viel wie möglich. Man ist nur einmal in Ecuador (wahrscheinlich :-)).

Und im Projekt sollte man immer das machen, was auch Spaß macht. Wenn einem die Arbeit nicht gefällt, kann man vielleicht woanders helfen. Und vielleicht nicht drauf warten, dass man eine Arbeit zugeteilt bekommen, sondern einfach selber gucken wo man gebraucht werden kann."

Erfahre mehr über das Projekt, das Lukas B. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador