Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador

"Das Land war überwältigend und auch in die Kultur konnte ich mich wunderbar einfügen."

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 11 Wochen

Erfahrungsbericht von

04.08.2013

Lisa schrieb:

"Vor meinem Abflug habe ich mich natürlich schon im Internet und in Reiseführern über das Leben in Ecuador informiert. In den meisten Internetforen findet man allerdings hauptsächlich Berichte über negative Erfahrungen, die Reisende und Volontäre in Ecuador gemacht haben. So ist zum Beispiel häufig die Rede von Überfällen und Betrug, was natürlich die große Euphorie vor Reisebeginn ein wenig trübte.

Dann kam ich jedoch selbst als Volontär nach Ecuador und je länger ich dort war, desto mehr kehrte sich mein Bild vom Land und den Leuten dort um. Natürlich sollte man immer mit einer gewissen Vorsicht und ohne Leichtsinn durch das Land Reisen, aber das gilt meiner Meinung nach für Ecuador nicht mehr als für die meisten anderen Länder. Die Ecuadorianer sind offen und hilfsbereit und das Land bietet so vielfältige Naturräume auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche, dass man schon in kurzen Wochenendtrips viele Seiten des Landes kennenlernen kann. Die Arbeit im Projekt entsprach im Wesentlichen meinen Vorstellungen, da sie den Beschreibungen anderer Praktikawelten-Teilnehmer entsprach und der Projektbeschreibung von Praktikawelten glich.

Das Land, die Unterkunft und das Zusammenleben mit den anderen Volontären haben meine Vorstellungen übertroffen. Aus Mitbewohnern wurden schnell Freunde. Die gemeinsamen Ausflüge ließen sich einfacher als gedacht selbst organisieren und die Erlebnisse werden unvergessen bleiben.

 An einem typischen Wochentag stand ich um 7:00 Uhr auf, um mit meinen Mitbewohnern zu frühstücken. Dann gingen wir alle in unsere verschiedenen Projekte. Mein Projekt lag im Süden von Quito, ca. 45 Minuten Busfahrt von unserer Wohnung entfernt. Von der Bushaltestelle waren es noch einmal 15 Minuten zu Fuß bis zum Kindergarten, wo ich gegen 9:00 Uhr ankam. Dort wurde ich dann schon von einigen Kindern mit Umarmungen begrüßt und wie jeden Morgen gefragt, wo ich gewesen sei. Dann half ich den Kindern beim Frühstück. Anschließend wurde spielerisch gelernt, gebastelt, gesungen etc. Auch beim Mittagessen benötigten manche Kinder Hilfe, obwohl sie für ihr Alter (3-4) alle schon sehr selbstständig waren. Danach half ich den Kindern beim Umziehen, die nach dem Essen schlafen gingen. Am Nachmittag fuhr ich dann zurück zur Wohnung. Da nicht alle Mitbewohner gleichzeitig von ihren Projekten zurückkamen, kochte meist jeder für sich. Ich hatte allerdings auch die Möglichkeit im Kindergarten zu essen. Sobald mein Magen sich einmal an das ecuadorianische Essen gewöhnt hatte, tat ich das auch. Am Nachmittag stand dann meist noch Waschen, Einkaufen o.ä. auf dem Programm. Abends gingen wir dann gemeinsam zum Salsa-Kurs, zum Kochkurs in der Sprachschule oder in eine Bar etwas trinken. Die Wochenenden wurden immer für Ausflüge genutzt, mal in den Dschungel, dann an die Küste oder zu einem der vielen Vulkane der ecuadorianischen Anden.

In dem Projekt lernte man vor allem die besondere Herausforderung bei der Arbeit mit Kindern kennen. Die Kinder unterschieden sich trotz ihres gleichen Alters zum Teil immens in ihrer Entwicklung. Daher benötigten sie unterschiedlich viel Hilfe und mussten auf verschiedene Art und Weise gefördert werden. Gleichzeitig war die Dankbarkeit der Kinder für jegliche Hilfe so groß, dass sie alle Anstrengung vergessen ließ. Auch die anfänglichen Sprachprobleme meinerseits, hinderten die Kinder nie daran, mit mir spielen zu wollen oder mich um Hilfe zu bitten.

Mein Kontakt zu anderen Teilnehmern war sehr gut. Das Land war überwältigend und auch in die Kultur konnte ich mich wunderbar einfügen.

In der Hauptstadt Quito waren die kulturellen Unterschiede zunächst einmal nicht so groß wie erwartet, da alles schon stark westlich beeinflusst ist. Erst auf verschiedenen Touren lernte man abseits der großen Städte die ecuadorianische Kultur kennen und schätzen. Wir lernten im Dschungel bei einem Besuch eines Schamanen und in einem Dorf die Bräuche der Urvölker des Dschungels kennen und trafen in den Anden eine Familie, die mitten in den Bergen in einem winzigen Haus ohne Strom und fließendes Wasser lebte, zusammen mit vielen Meerschweinchen, die in Ecuador als Delikatesse gelten. Bei einem Ausflug mit der Sprachschule hatten wir die Möglichkeit, selbst einmal gegrilltes Meerschwein zu probieren. Vor allem im alltäglichen Umgang mit den Ecuadorianern lernt man aber die Unterschiede zu unserer Kultur kennen, ob im Bus, beim Einkaufen oder im Kindergarten: Dort erfährt man mit der Zeit am besten, wie die Ecuadorianer leben. Insgesamt waren alle Einheimischen immer hilfsbereit, verständnisvoll und freundlich.

In meiner Freizeit sind wir abends häufig ausgegangen zum Tanzen, Billardspielen oder einfach nur zum Essen in einem einheimischen Restaurant. Am Wochenende fanden wir uns in kleinen Gruppen zusammen, organisierten die Woche über eine Tour und machten uns dann Freitagabend oder Samstagmorgen auf den Weg. Am Anfang führten die Touren noch in die nähere Umgebung von Quito, später dann auch in weite Teile des Landes, in den Dschungel, an die Küste. Auch über die Sprachschule ließen sich organisierte Touren am Wochenende unternehmen. Häufig kochten wir auch gemeinsam in unserer Freizeit, gingen Souvenirs shoppen, in einen der nahegelegenen Stadtparks oder auf unserer Dachterrasse ein wenig Sonne tanken.

Es gab so viele schöne Momente, dass ich nicht einen einzelnen auswählen möchte. Highlights waren jedes Mal aufs Neue die Momente, in denen man exotischen Tieren in freier Wildbahn begegnete, darunter z.B. ein Krokodil, viele verschiedene Affenarten, Faultiere, Papageien, Wale und ganz viele mehr.

Die Anfragen per E-Mail wurden allesamt hervorragend von Praktikawelten beantwortet. Auch wenn ich Probleme hatte konnte ich immer jemanden erreichen.

Auf alle meine Fragen wurde immer schnell und korrekt geantwortet, ob am Telefon oder per Mail. Auch die Kommunikation zwischen Praktikawelten und der Organisation vor Ort funktionierte einwandfrei. Besonders gefallen hat mir, dass man auf Probleme schnell reagiert hat und immer ein offenes Ohr hatte.

Mein Fazit:

Es war definitiv die richtige Entscheidung nach dem Abitur ins Ausland zu gehen. Man lernt auf jeden Fall unabhängiger und selbstständiger zu sein. Es erweitert den eigenen Horizont und öffnet einen für Neues. Man lernt sich selbst abseits vom familiären Umfeld noch einmal besser kennen und kann viele Erfahrungen fürs Leben sammeln.

Meine Tipps:

Je geringer man die eigenen Erwartungen und Ansprüche hält, desto positiver wird man am Ende überrascht. Und man sollte sich auf keinen Fall von Beiträgen in Internetforen abschrecken lassen, sondern lieber eigene Erfahrungen sammeln und immer mit einer positiven Einstellung auf das Land und die Leute zugehen."

Erfahre mehr über das Projekt, das Lisa B. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador