Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador

"In der Zeit in Ecuador habe ich sehr viele neue Freunde kennengelernt"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 10 Wochen

Erfahrungsbericht von

12.05.2011

Charlotta schrieb:

"Ich hatte leider nicht so viel Zeit mich genauer über das Land Ecuador und die Leute dort zu informieren, da ich relativ schnell nach meinem Abitur nach Ecuador gereist bin. Ich hatte hauptsächlich allgemeine Informationen. Generell habe ich erwartet, dass das Leben in Ecuador viel billiger ist als in Deutschland - was aber nicht für alles gilt!

Die Informationen, die ich im Voraus vom Praktikawelten-Team zu meiner Arbeit bekommen habe, waren sehr präzise und haben auch alle der Wahrheit entsprochen. Die Betreuung war sehr gut. Immer wenn ich eine Frage per E-Mail gestellt habe, konnte ich am nächsten Tag mit einer Antwort rechnen. Somit konnte ich schnell weiterplanen. Außerdem hat mir das Internetauftreten von Praktikawelten sehr gut gefallen. Sowohl die Präsentation des Teams vor Ort, als auch das Video und die Erfahrungsberichte, haben dazu geführt, dass ich mich entschlossen habe, mit Praktikawelten nach Ecuador zu gehen – und ich wurde nicht enttäuscht! Besonders gut fand ich, dass man mit allen Fragen zu dem Team vor Ort kommen konnte. Vor allem beim Planen unserer Reisen konnten sie uns den einen oder anderen wichtigen Tipp geben!

Im Kindergarten durfte ich viel mithelfen und konnte somit die Arbeit anderer Erzieher erleichtern. Genauso wie ich es erwartet hatte. :-) Am Tag der Einführung wurden mir alle Gruppen des Kindergartens gezeigt und am Ende des Rundgangs durfte ich die Gruppe, in der ich die nächsten Wochen mithelfen sollte, frei wählen. Ich habe viele Aufgaben übertragen bekommen. So sollte ich beispielsweise von Anfang an beim Servieren des Essens helfen, auf die Kinder aufpassen, während sie auf dem Spielplatz tobten, und Fragen beim beim Erlernen neuer Buchstaben und Zahlen beantworten. Nach den ersten Tagen, durfte ich auch Aufgaben der Erzieher übernehmen. Manchmal habe ich selbst an der Tafel gestanden und mit den Kindern gearbeitet, ich ging mit ihnen regelmäßig alleine zum Zähneputzen und las ihnen zum Einschlafen Märchen vor. Ich wurde also von Anfang an in den ganz normalen Tagesablauf eingebunden. Insgesamt hatte ich eher den Status einer Erzieherin als eines Volontärs - und bei all den Aufgaben hatte ich auch sehr viel Spaß mit den Kindern.

Außerdem war es kein Problem, sich auch mal den ein oder anderen Tag für längere Ausflüge frei zunehmen, wenn man an anderen Tagen vorgearbeitet hatte. Es war also sehr unkompliziert in meinem Kindergarten.

So sah einer meiner Tage in Ecuador aus:

Morgens musste ich meist schon sehr früh aufstehen, obwohl ich erst um 8.30 Uhr auf der Arbeit sein sollte. Da mein Kindergarten im Süden von Quito war und ich im Norden wohnte, dauerte mein täglicher Weg dorthin über eine Stunde. In meiner Vorschulgruppe im Kindergarten wurde oft zuerst ein bisschen im Klassensaal gesungen und Allgemeinwissen wiederholt. Nach einem kleinen Snack zum Frühstück, wurde die große Pause auf dem Spielplatz verbracht. Danach folgte für meine Gruppe der arbeitsintensivste Teil des Tages.

Sie lernten zu zählen, mit den Fingern zu rechnen und erste Buchstaben und Zahlen zu lesen und zu schreiben. Ständiges erklären, wiederholen, vormachen und „Lachsmileys“ zur Belohnung für vollständige und richtige Arbeiten zu verteilen, gehörten zu meinen Aufgaben während dieser Zeit. Zum Mittagessen gingen die Kinder in den Speisesaal, wo sie darauf warteten von uns das Mittagessen serviert zu bekommen. Nachdem sie fertig waren, putzten wir gemeinsam Zähne, bevor ein Teil der Kinder abgeholt wurde und der andere Teil zum Schlafen gehen sollte. Oftmals wurde vor dem Mittagschlaf von uns noch ein Märchen vorgelesen. Dass auch alle Kinder langsam zur Ruhe kommen und einschlafen, haben wir uns zu ihnen gelegt. Für mich hat der Arbeitstag damit geendet, dass ich zusammen mit den anderen Betreuern zu Mittag gegessen habe. Danach folgte die einstündige Busfahrt heim.

Da ich auch schon in Deutschland sehr oft mit Kindern zusammengearbeitet habe, gab es für mich keine großen Überraschungen. Tatsächlich sind Kinder auf der ganzen Welt gleich. Sie brauchen viel Aufmerksamkeit, Hilfe und können teilweise auch sehr anstrengend sein. Gleichzeitig geben sie einem aber auch sehr viel Liebe zurück und zeigen, wie sehr sie die Zeit mit einem genießen. Außerdem ist man immer gefordert zu erklären, Anweisungen zu geben und teilweise auch ermahnende Worte zu sprechen. Obwohl einen die Kinder meist verstehen, wird man dabei ständig verbessert -  was gibt es Besseres, um eine Sprache zu lernen. :-)

In Ecuador leben noch sehr viele Einheimische, die vor allem auf Märkten versuchen ihr täglich Brot zu verdienen. Während meines Ausflugs in den Dschungel, hatte ich die Möglichkeit das Haus einer einheimischen Familie zu sehen. Die Bedingungen unter denen sie wohnen, sind für uns unvorstellbar. Dennoch sind sie sehr glücklich mit dem was sie haben – diese Lebenseinstellung lässt einen sehr dankbar werden für alle Dinge, die wir als selbstverständlich erachten und ohne die wir nicht mehr leben könnten. Generell sind die Menschen in Ecuador gegenüber Ausländern sehr offen und bewundern den Einsatz von Volontären.

Ecuador bietet sehr viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Angefangen haben wir mit Ausflügen in und um Quito. Das historische Zentrum der Hauptstadt Ecuadors ist wirklich sehenswert. Neben vielen Kirchen, kann man die koloniale Straße „La Ronda“ besuchen, oder den Präsidenten Rafael Correa jeden Montag am „Plaza de Independencia“ während der Wachablösung sehen. Highlights außerhalb Quitos waren der Ausflug zum Äquator und die Fahrten nach Mindo und Baños. In Mindo kann man unter anderem Canopying machen und Tuben (eine Art Rafting). Baños ist der perfekte Ort für extremere sportliche Aktivitäten, wie z.B. Bungee-Jumping und Canyoning, aber auch Reiten und Fahrrad fahren. Besonders spannend war der fünftägige Ausflug in den Dschungel. Der Kurzurlaub an der Küste in Montañita war perfekt zum Surfen, Sonnenbaden, Feiern und Relaxen. Das absolute Highlight war der Urlaub auf den Galápagos-Inseln. Wir haben eine fünftägige Island-Hopping Tour gemacht, bei der wir mit Haien und Robben schnorcheln konnten, Riesenschildkröten gesehen haben und viel Zeit auf „unserem“ Katamaran verbracht haben. Und das alles in einem Paradies.

In der Zeit in Ecuador habe ich sehr viele neue Freunde kennengelernt, mit denen ich ständig tolle Sachen gemacht habe. Egal ob das gemeinsame Kochen in unserem Apartment oder die vielen Ausflüge, wir hatten immer viel Spaß zusammen. In meinem Kindergarten habe ich mich immer sehr gefreut, wenn die Kleinen zu mit kamen und mir gesagt haben, wie sehr sie mich mögen. Ständig wurde ich umarmt und zum Abschied bekam ich sogar von jedem ein Bild gemalt.

Mein Fazit:

Ich bin sehr froh nach Ecuador gegangen zu sein.

Für mich war schon einige Zeit klar, dass ich nach meinem Abitur nach Südamerika gehen wollte, hauptsächlich um Spanisch zu lernen. Der Auslandsaufenthalt hat mich aber in vielerlei Hinsicht weitergebracht. Zuerst finde ich es sehr wichtig zu sehen, dass man mit den eigentlich geringen Sprachkenntnissen die man hat, wirklich gut in einem fremden Land leben kann, solange man aufgeschlossen ist und versucht mit Fremden in Kontakt zu kommen. Außerdem war es für mich das erste Mal, dass ich so lange von zu Hause weg war, die Familie und Freunde nicht in meiner Nähe hatte. Auch in einer WG zu wohnen war für mich eine völlig neue Erfahrung. Aber gerade dort ist man auf viele sehr unterschiedliche Leute getroffen, die doch alle Eines gemeinsam hatten, nämlich dass sie aufgeschlossen und unkompliziert waren und Ecuador kennenlernen wollten. Gemeinsam haben wir Spanisch gelernt, Land und Leute kennengelernt und einige Ausflüge und Urlaube gemacht.

Wenn man 10 Wochen miteinander lebt, lernt man sich sehr schnell sehr gut kennen. So haben sich dort viele Freundschaften gebildet, die auch noch weit über unsere Zeit in Ecuador hinaus anhalten werden.

Mein Tipp für euch:

Sobald ihr euch entscheiden solltet in ein fremdes Land zu gehen, solltet ihr auch mit den Vorbereitungen anfangen, die etwas Zeit in Anspruch nehmen. Ich habe mir leider viel zu spät einen Arzttermin geben lassen, um über die nötigen Impfungen zu sprechen. Deswegen ist mein Tipp mit solchen Dingen wesentlich früher zu beginnen!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Charlotta H. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador