Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador

"Die Arbeit, das Land, die Leute. Alles war einfach perfekt"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 16 Wochen

Erfahrungsbericht von (19 Jahre)

12.10.2010

Annalena schrieb:

"Vor meinem Abflug hatte ich keine genaue Vorstellung, was mich in Ecuador erwartet. Ich habe zwar ein bisschen in meinem Reiseführer gelesen und mich informiert, hielt es aber dann für besser mich einfach überraschen zu lassen, anstatt irgendwelche Erwartungen zu haben, die dann eventuell nicht erfüllt werden.

Im Bezug auf meine Arbeit im Kindergarten habe ich gehofft, dass ich eine gute Beziehung zu den Kindern aufbauen, den Kindergärtnerinnen wirklich helfen und einfach einen guten Einblick in den Alltag eines ecuadorianischen Kindergartens bekommen kann.

Die Zeit während meines Programms war einfach super, ich war einfach total begeistert. Ich hätte niemals gedacht, dass es mir so super gefällt. Die Vorstellungen, die ich hatte, wurden weit übertroffen. Meine Arbeit im Kindergarten hat mir totalen Spaß gemacht und die Leute sowohl dort, als auch in der Schule, waren super nett. Ecuador ist total schön und ich habe es geliebt dort zu leben und die Kultur kennenzulernen.

Meine Unterkunft hat mir gut gefallen und jeden Morgen bin ich um 7 Uhr aus dem Haus gegangen. Die ersten 4 Wochen habe war ich in der Gruppe mit den Kleinsten (1-2 Jahre). Dort habe ich morgens die Kinder in Empfang genommen, wenn sie von ihren Eltern gebracht wurden, ihre kleinen Rucksäcke ausgepackt und dann ein bisschen mit ihnen gespielt. Wenn dann alle Kinder da waren, gab es Frühstück. Da habe ich dann beim Verteilen des Essens und teilweise auch beim Füttern geholfen. Später war dann alles sauberzumachen und Windeln zu wechseln. Diese Arbeit habe ich mir dann, wie alles andere auch, mit der Kindergärtnerin dieser Gruppe geteilt. In den Gruppen mit den älteren Kindern habe ich dann nur noch selten gefüttert und es war auch nicht mehr so viel sauber zu machen. Dafür habe ich dann mit ihnen gespielt oder mit ihnen kleine Arbeiten gemacht, wobei sie spielerisch z.B. die Zahlen von 1-5 gelernt haben. Mir hat die Arbeit sehr viel Spaß gemacht. Sowohl mit den älteren Kindern (3-4 Jahre), als auch mit den ganz Kleinen. Die Kinder hatten sofort Vertrauen zu mir und dadurch war die Arbeit mit ihnen einfach super... 

Ich habe den Alltag in einem Kindergarten miterlebt und dadurch den Beruf der Kindergärtnerin näher kennengelernt. Während meiner Arbeit habe ich feststellen können, dass dieser Beruf häufig unterschätzt wird und dass die Frauen, die dort arbeiten, eine verantwortungsvolle und manchmal auch schwierige Aufgabe haben. Am Ende meiner Zeit bleibt die Bewunderung für diejenigen, die dort ihr Leben lang arbeiten und es schaffen, den Kindern eine schöne und weitgehend unbeschwerte Kindergartenzeit zu ermöglichen.

Mein Kontakt zu den Teilnehmern, wie auch zu den Einheimischen war sehr gut und  mit der Kultur bin ich auch sehr gut zurechtgekommen. Ich habe die Ecuadorianer als ein sehr nettes, aufgeschlossenes und hilfsbereites Volk kennengelernt. Glücklicherweise habe ich wirklich ausschließlich gute Erfahrungen mit ihnen gemacht und hatte persönlich keine Probleme z.B. mit Kriminalität.

Mich haben die Offenheit der Ecuadorianer und ihr Interesse an Ausländern sehr begeistert. Nicht selten bin ich im Bus auf dem Weg zur Arbeit mit Menschen jeden Alters ins Gespräch gekommen, die sich einfach dafür interessiert haben, woher ich komme und was ich in Ecuador mache. Oft endeten die Gespräche dann damit, dass ich eingeladen wurde zu irgendwelchen Feiern oder mir die Emailadresse gegeben wurde, mit dem Angebot, dass ich mich immer melden könne, wenn ich Probleme oder Fragen hätte.

Da ich diese Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft aus Deutschland nicht kannte, war es am Anfang auch etwas ungewohnt, aber ich habe es schnell schätzen gelernt, die Möglichkeit zu haben mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

Die ecuadorianische Kultur ist allgemein geprägt von Lebensfreude. Überall Musik, selbst in den Bussen und abends gibt es viele Möglichkeiten zu feiern. Die positive Stimmung reißt einen einfach mit und man kann eigentlich nicht anders als glücklich zu sein...

In meiner Freizeit habe ich sehr viel unternommen. Ich habe, vor allem am Anfang meiner Zeit in Ecuador, mit anderen Teilnehmern einige Sehenswürdigkeiten in Quito besucht. Wir waren z.B. bei mitad del mundo, sind mit dem Teleferiqo auf den Pichincha gefahren und waren haben mit der Schule eine Altstadtbesichtigung bei Nacht gemacht, wobei wir auch die Virgen auf dem Panecillo aus der Nähe gesehen haben. An den Wochenenden bin ich sehr viel mit anderen Freiwilligen rumgereist. Wir waren an der Küste, im Regenwald, auf dem Cotopaxi, auf den Galapagos Inseln und in vielen anderen Städten. Begeistert war ich, wie viele andere Mädchen auch, von dem Markt in Otavalo. Ein riesiger bunter Markt, wo man alles kaufen kann, was das Herz begehrt und sich besonders gut im Handeln üben kann ;) ich war insgesamt 4 Mal da und habe vor allem die Atmosphäre dort geliebt. Die Vielfältigkeit Ecuadors hat mich total begeistert und selbst nach 4 Monaten hatte ich noch das Gefühl, nicht alles gesehen zu haben. Aber natürlich kehrt auch irgendwann ein bisschen Alltag in das Leben in Quito ein und man verbringt seine Zeit, auch gern damit, nach der Arbeit einen Kaffee trinken zu gehen oder einfach Dinge zu erledigen wie ins Internetcafé zu gehen, einzukaufen oder Wäsche zu waschen. Aber gerade dadurch, dass ich länger in Quito gelebt habe und dort auch einen gewissen Alltag hatte, habe ich das Gefühl, das ecuadorianische Leben gut kennengelernt zu haben.

Es gab während meines Aufenthalts so viele schöne und lustige Momente, dass ich sie nicht alle aufzählen kann. Aber viele schöne Momente hatte ich vor allem in dem Kindergarten, in dem ich gearbeitet habe. Die Kinder sind mir einfach so ans Herz gewachsen und es gab Momente, in denen ich gemerkt habe, dass sie mich auch mögen und das war einfach ein tolles Gefühl. Schon allein die Begrüßung jeden Morgen, wenn ich in den Gruppenraum kam und die Kinder meinen Namen gerufen haben und alle auf einmal auf mich zugestürzt sind um mich in den Arm zu nehmen, war so schön. Genauso wie der Abschied an meinem letzten Tag im Kindergarten. Ich war so traurig und habe die ganze Zeit mit den Tränen gekämpft. Da kam irgendwann ein Kind und hat gefragt, warum ich weine. Dann haben ich und die Kindergärtnerinnen den Kindern erklärt, dass das mein letzter Tag in Quito ist und da haben auf einmal alle Kinder angefangen zu weinen. Es war wirklich traurig, aber auch so süß und es hat mir einfach gezeigt, dass ich nicht die einzige war, der der Abschied schwer fällt.

Ansonsten hatte ich natürlich auf den ganzen Reisen viele unvergessliche Momente. Die Stimmung im Regenwald, wenn man im Boot sitzt auf der großen Lagune und den Sonnenuntergang beobachtet und schwimmen geht.

Das Adrenalin und die Begeisterung, die man spürt, wenn man beim Schnorcheln vor den Galapagos Inseln einen Hai unter sich herschwimmen sieht oder riesige Wasserschildkröten und Seelöwen. Aber man kann das nicht beschreiben, man muss das erleben... :)

Ich fand die Organisation und Information durch die Mitarbeiter gut. Besonders gut gefallen hat mir, dass das mit der Anmeldung sehr schnell ging. Man hat schon kurz nach der Online-Anmeldung die ersten Informationen per Post zugeschickt bekommen und konnte sich so gut auf die Reise vorbereiten. Vor allem das Reise 1x1 hat mir sehr geholfen.

Das Team vor Ort war super. Man konnte, wann immer man Fragen oder Probleme hatte, in die Schule gehen und sicher sein, dass einem geholfen wird. Man hat gemerkt, dass den Leuten, die in der Sprachschule arbeiten, ihre Arbeit Spaß macht und dass sie dir gerne helfen. Außerdem haben sie auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten etwas mit den Freiwilligen unternommen, wodurch ein freundschaftliches, lockeres Verhältnis entstanden ist und jeder, denke ich, gerne wiederkommt. Ein besseres Team hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können... :)

Die Entscheidung, nach Ecuador zu gehen, war die beste, die ich treffen konnte. Die 4 Monate in Quito werde ich nie vergessen und ich wünsche mir, dass ich so schnell es geht nochmal dorthin kann. Die Arbeit, das Land, die Leute. Alles war einfach perfekt. Mein Aufenthalt hat mich sehr weitergebracht. Es ist eine tolle Erfahrung, ein fremdes Land kennenzulernen, indem man dort lebt und arbeitet. Gleichzeitig ist man umgeben von anderen Freiwilligen, die es einem leicht machen, sich am Anfang zurechtzufinden und sich einzugewöhnen. Ich habe viele neue Freunde gefunden. Sowohl Ecuadorianer, als auch andere Volunteers. Die Zeit in Ecuador hat mich auf positive Art sehr verändert. Ich habe gelernt, mich alleine in fremder Umgebung zurechtzufinden und Kontakte zu knüpfen. Außerdem denke ich, dass es immer eine Bereicherung ist, fremde Kulturen kennenzulernen und seinen Horizont so zu erweitern. Meine Reise nach Ecuador hat eine Begeisterung in mir geweckt, die Welt kennenzulernen. Dieses völlig andere Leben dort hat mich fasziniert und wenn ich an Ecuador denke, immer mit ein bisschen Wehmut, aber vor allem mit unendlicher Begeisterung. 

Hier noch ein Tipp für zukünftige Teilnehmer: Es braucht immer gewisse Zeit, bis man sich eingelebt hat. Am Anfang hatte ich totales Heimweh und habe sogar überlegt, wieder nach Hause zu fahren. Aber wenn man diese etwas schwierige Eingewöhnungszeit überstanden hat, ist es einfach der Wahnsinn. Auch, wenn es am Anfang schwer fällt, es zu glauben, was andere sagen oder schreiben. Es stimmt, dass die Zeit viel zu schnell vergeht und man am Ende gar nicht mehr weg will...

Danke an Praktikawelten für eine unvergessliche Zeit!!!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Annalena S. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Ecuador