Psychologie in Ecuador

"Nach Ecuador betrachte ich vieles mit anderen Augen"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

29.07.2010

Thomas schrieb:

„Vor meinem Abflug habe ich einfach keine Erwartungen gehabt und alles auf mich zukommen lassen, aber ich habe mich sehr darauf gefreut! Die Zeit während meines Programms war dann auch super!

Es wäre möglich ein kleines Buch über meine Erfahrungen zu schreiben, aber das ist hier nicht der Sinn. Ich bin Dankbar für diese Erfahrungen, denn sie haben meinen Charakter weiterentwickelt. Nach Ecuador betrachte ich vieles mit anderen Augen und werde dies nie vergessen. Ich kann jedem nur raten, solche Reisen zu unternehmen, da solche Erfahrungen eigentlich unbeschreiblich sind und jeder selbst erleben müsste.

Ich begleitete den Psychologen bei unzähligen Therapiesitzungen. Es war faszinierend wie er sowohl die psychoanalytische als auch die Verhaltenstherapie sich zu nutzen machte und dabei stets sehr bildhaft mit den Patienten sprach. Da die meisten Patienten jung waren oder eine sehr niedrige oder keine Bildung hatten erschien dies auch sehr sinnvoll.

In einem Fall häuslicher Gewalt zeichnete er eine Nase und einen schreienden Mund und fragte ein 5-jähriges Mädchen, wer dies sei. Dies war eine sehr interessante Technik für mich, da das Mädchen sich somit an ihre stärkste Assoziation erinnert. Der Psychologe machte sich auch oft meine Abstammung zunutze, da diese für die Kinder sehr interessant war. In einem sexuellen Missbrauchsfall eines 6-jährigen Kindes versuchte er in der ersten Sitzung das Kind mit meiner Hilfe zu öffnen. So brachte ich dem zurückhaltenden Kind erst mal ein paar deutsche Sätze bei, welches das Kind ein wenig entspannen ließ.

Daraufhin sollte das Kind sein zuhause malen und um das Kind zu motivieren durfte es sich aussuchen was ich malen würde. Somit malte ich einen deutschen Wald und beobachtete wie das Kind anfing sein zuhause zu malen. Dies war ein psychoanalytischer Test um Anhaltspunkte über die Verschlossenheit und andere Dinge zu ermitteln. Es zeigte sich, dass das Kind nur ein verschlossenes Haus und einen Himmel ohne Personen oder Bäume malte. Dies als auch die kräftige Malweise deuteten auf ein sehr verschlossenes und aggressives Kind hin.

Eine weitere tolle Gelegenheit war eine erstmals organisierte Freizeitbeschäftigung für alte Menschen. In dieser wurden die alten Menschen mit verschiedenen Spielen untersucht. In einem Fall sollten die alten Menschen Masken malen und später Episoden aus ihrem Leben nachspielen, welches für diese ein großer Spaß war. Für uns war es ein Mittel der Diagnostik des Langzeitgedächtnisses. Somit verbrachte ich viel Zeit mit den alten Menschen und half ihnen dabei die verschiedenen Aufgaben zu meistern. Dabei war es zusätzlich meine Aufgabe verschiedene Dinge zu diagnostizieren.

Ich habe bei dem Psychologen vieles gesehen,  gehört und vor allem gelernt, wofür ich ihm sehr dankbar bin, da er sich nach den Therapiesitzungen immer Zeit genommen hat um mit mir diese zu besprechen.

Mein Kontakt zu den Teilnehmern und auch zu den Einheimischen war sehr gut. Die Menschen in Ecuador sind sehr offen, warmherzig, teilen gerne und sind dankbar für die Dinge die sie haben, obwohl das Land so arm ist. Als ich auf dem Rückweg vom Chimborazo war (dem höchsten Berg in Ecuador) nahm mich ein Pärchen mit zurück nach Quito. Obwohl wir uns das erste Mal trafen luden sie mich zum Frühstück ein und brachten mich später fast vor meine Haustür. Dies kann ich mir in Deutschland kaum vorstellen. Mit der Kultur bin ich sehr gut zurechtgekommen und das Land hat mir auch sehr gut gefallen.

In meiner Freizeit war ich immer unterwegs. Hauptsächlich habe ich Ecuador bereist, aber natürlich sind wir auch ausgegangen, haben Sport gemacht, Museen besucht oder haben einfach das gute Essen und vor allem die köstlichen Fruchtsäfte genossen.

Zu den schönsten Momenten gehören der Dschungel, der Chimborazo, Banos, Puerto Lopez, Mindo und Montanita.

Zum Dschungel muss ich nicht viel schreiben. Er ist einfach eine Wucht. Es gibt unzählige Pflanzen und Tiere und es ist einfach alles wunderschön. Ob man Piranhas angelt, eine Dschungeltour macht oder einfach in der großen Lagune beim Sonnenuntergang schwimmt. Es war unbeschreiblich.

Den Chimborazo zu besteigen ist eine Erfahrung für sich. Leider hatten wir einen Schneesturm, so dass wir bei 5500 m zurück mussten, weil es viel zu gefährlich wurde. Dennoch ist es eine große Herausforderung und die kann ich nur jedem empfehlen, der körperlich fit ist.

In Banos bin ich Wasserfälle runtergeklettert und habe natürlich "Swingjumping" gemacht. Es war eine irre Erfahrung mit dem Geschirr an der Brust von der Brücke zu springen!

In Puerto Lopez habe ich Wale in 10 Metern Entfernung beobachtet wie sie aus dem Wasser sprangen und nebenbei war auch eine große Herde Delphine.

Mindo war einfach nur schön. Es war ein Regen/Nebelwald und dort habe ich natürlich Canopy (an Eisenseilen über den Wald) sausen) gemacht und war auf der schönen Schmetterlingsfarm.

Montanita ist einfach eine schöne Strandstadt. Alles ist dort relaxt und da habe ich mir erst mal Surfstunden genommen.

Dies waren "nur" die besten Dinge in Ecuador und dabei gab es noch so viel mehr ;)

Alle Mitarbeiter von Praktikawelten waren immer sehr freundlich und hilfsbereit! Ich habe nichts zu beanstanden. Vielen Dank für die Hilfe =) Auch die Betreuung durch das Team vor Ort war super und ich kann an dieser Stelle nichts Negatives sagen. Ich war vollkommen zufrieden!

Es war eine gute Entscheidung, diesen Auslandsaufenthalt gemacht zu haben. Wie ich schon geschrieben habe, hat mich dieser Aufenthalt weiterentwickelt. Ich bin sehr glücklich dort gewesen zu sein und ich werde sicherlich auch noch öfters in das Ausland fahren!

Hier noch ein paar Tipps für zukünftige Teilnehmer:

Man sollte nicht erwarten, dass man wie ein König/Königin in Ecuador empfangen wird. Wenn man offen und freundlich ist, dann sollte es keine Probleme geben. Vor allem sollte man aber mit den Einheimischen versuchen viel zu sprechen, so dass man seine Sprachkenntnisse festigt. Ich habe immer mit allen Taxifahrern lange Gespräche geführt."

Erfahre mehr über das Projekt, das Thomas S. so begeistert hat: Psychologie in Ecuador