Psychologie in Ecuador

"Die zweifellos schönste Erfahrung war für mich die Zeit im Urwald im Cuyabeno Nationalpark "

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 13 Wochen

Erfahrungsbericht von

02.03.2014

Malte schrieb:

"Vor meinem Abflug war ich bereits auf das wilde, großstädtische Leben in Quito, die landschaftliche Vielfalt in den verschiedenen Regionen, die Ruhe und Schönheit der einzigartigen Natur und auf die freundlichen, aufgeschlossenen Menschen eingestellt.

Von meiner Arbeit hatte ich hingegen vor meinem Aufbruch keine rechte Vorstellung, da mich diese nicht nur mit den grundsätzlichen Arbeitsumständen Ecuadors konfrontieren, sondern mich auch in eines der ärmsten Viertel Quitos führen sollte. Klar war mir hingegen natürlich, dass sich die Arbeit in Ecuador stark von der in meiner Heimat unterscheiden würde. Gerechnet habe ich mit teils schwierigeren, teils vielleicht aber auch entspannten Verhältnissen.

Die Zeit während des Programms war jedoch anders, als ich dachte – im positiven Sinne! So wurde ich entgegen meiner Vorstellungen von chaotischer Organisation von einem erstklassig vorbereiteten Doktoren vor Ort sogleich mit den Begebenheiten meiner Arbeit vertraut gemacht und eine andere Freiwillige, die gerade in ihrer letzten Woche im Projekt war, arbeitete mich in meinen zukünftigen Hauptarbeitsbereich ein, den ich später tatsächlich und, entgegen meiner Erwartungen, selbstständig übernehmen durfte. Was von meinen Erwartungen jedoch zutraf, war die sehr entspannte Arbeitsatmosphäre, welche in der Praxis vorherrschte.

Auf der Arbeit hatte ich verschiedenste Aufgaben, denen ich im Laufe der Zeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten nachging. Das Kernelement meiner selbstständigen Arbeit, welche ich bereits in der zweiten Woche aufnehmen konnte, war das Durchführen von Gedächtnis- und Aufmerksamkeits-Tests und Trainings für Kinder, die zum Beispiel an ADHS leiden oder einfach einen niedrigeren IQ haben. Diese Tests variierten in ihrer Ausprägung und Länge zwischen 15 und 50 Minuten pro Patienten. Während sie bei den ADHS Patienten dazu dienten, die Einstellung und Wirkung von Medikamenten zu testen, sollten andere Kinder durch das Training einfach nur ihre aktive Gedächtnisleistung verbessern. Ansonsten durfte ich hospitierend bei Therapiesitzungen (Gesprächs-, Entspannungs- und Hypnosetherapie) zusehen oder diverse Hilfsarbeiten erledigen. Freitags war es möglich, dem Doktor zu seiner Arbeit in der Forensik der Polizei Quitos zu begleiten. Dabei beschränkte sich die Arbeit allerdings darauf, den Ärzten vor Ort über die Schulter zu schauen und gegeben falls Nachfragen zu stellen.

 

Über die Erfahrung auf fachlicher Ebene kann ich in erster Linie sagen, dass es die Möglichkeit gab, bei den Therapiesitzungen anwesend zu sein, was in dieser Form in deutschen Einrichtungen sicher nicht möglich wäre. Jedoch darf man nicht unterschlagen, dass es für jemanden, der gerade erst Spanisch lernt, sehr schwierig sein kann, einer schnellen und umgangssprachlich geprägten Konversation unter Landsleuten zu folgen.

Was man auf jeden Fall lernt ist, sich selbstständig und selbstbewusst mit Problemen auseinander zu setzen und dabei auch sprachliche Grenzen hinter sich zu lassen. Trotz Einschränkungen noch seine Kompetenzen zu verkörpern und sich auch angesichts sprachlicher Unzulänglichkeiten gegenüber Patienten nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, verlangt Zweifels ohne ein Maß an Selbstvertrauen, welches man mit solchen Situationen zwangsläufig lernt. Eben darum sehe ich auch einen ganz großen Gewinn darin, diese Erfahrungen in einem Land wie Ecuador zu machen, denn Herausforderungen der verschiedensten Art warten an jeder Ecke auf einen und man lernt wesentlich mehr, als nur fachbezogene Prozesse oder Methoden im Projekt kennen.

Nach der Arbeit ging es immer mit dem Bus durch die bereits nächtlich verdunkelte Stadt zurück zur WG.  Apropos Unterkunft: die war super! Für ausgedehnte Abendprogramme unter der Woche war ich allerdings dann meist nicht zu haben. Wenn ich mich dann aber meiner mitunter doch mal recht guten Feierlaune nicht erwehren konnte, zog ich mit Freunden oder Mitbewohnern zunächst einmal Richtung Plaza Foch, dem unangefochtenen Party-Hot- Spot von Mariscal. Mir persönlich waren die immer überfüllten Clubs bald aber etwas langweilig und so entdeckten meine Amigos und ich die kleinen, urigeren Bars für uns, in denen auch das köstliche Nationalgetränk Ecuadors, der Canelazo, ausgeschenkt wurde.

Das absolute Freizeithighlight waren ganz ohne Frage die großen und kleinen Wochenendausflüge. Die ersten zwei Male habe ich dabei Angebote der Sprachschule wahrgenommen. Dabei ging es in größeren Gruppen zum Beispiel auf den Cotopaxi oder in den Nebelwald am Westhang des Pichincha in das kleine Dörfchen Mindo. Gerade bei diesen Ausflügen ließen sich auch immer sehr gut andere Freiwillige oder Spanisch Schüler aus aller Welt kennen lernen, mit denen ich dann mitunter die folgenden Wochenenden auf eigene Faust in Ecuador herumgereist bin.

 

Einen wirklichen Kontakt zu Ecuadorianern aufzubauen war trotz der Nähe zu den Einheimischen in der Sprachschule jedoch ebenso schwer, wie später im Projekt. Jene, mit denen ich mich auch privat getroffen habe, waren eher westlich orientiert. Der Stadtteil Mariscal in Quito ist generell sehr westlich geprägt und stark auf Touristen ausgelegt. Es waren daher eher die kleinen und unerwarteten Momente, in denen ich mit Einheimischen in wirklichen Kontakt kam. Dabei erlebte ich die Ecuadorianer als sehr freundliche und hilfsbereite Menschen.

Wer einmal den Norden Quitos und das historische Zentrum Quitos hinter sich lässt, findet sich bald in einem Teil Quitos wieder, der dem Bild einer südamerikanischen Großstadt wohl eher gerecht wird. Dort aber wirklich in Kontakt mit Leuten zu kommen ist wesentlich schwieriger, vielleicht, weil sich Gringos einfach selten in diese Gebiete verirren.

Lustige Momente gab es zu Hauf! Die zweifellos schönste Erfahrung war für mich die Zeit, die ich im Urwald im Cuyabeno Nationalpark verbracht habe. Trotz großer Beliebtheit bekommt man dort von den anderen Touristen nicht viel mit, wenn man entweder in seiner eigenen Unterkunft in der Hängematte liegt oder mit dem Boot die Flüsse und Lagunen erkundet. So kommt man in den Genuss von etwas, was der moderne Mensch in dieser Form kaum einmal erleben darf: die absolute Ruhe und Schönheit der freien Natur zu erleben und mittendrin zu sein.
Ähnlich verhält es sich auch mit anderen unzähligen Momenten in der vielfältigen Natur Ecuadors. Sei es, den Gletscher des Cotopaxi zu berühren oder in einem eiskalten Wasserfall zu schwimmen.

Im Hinblick auf die Organisation und Vorbereitung seitens Praktikawelten bin ich sehr froh, dass Praktikawelten meinen Aufenthalt in Ecuador organisiert und begleitet hat. Alles Nötige an Informationen wurde mir zügig zur Verfügung gestellt und im Gegensatz zu einer selbst organisierten Anreise ist es durch die Vorbereitung unmöglich gewesen, irgendetwas wichtiges zu vergessen. Alle Anfragen per Mail wurden schnell bearbeitet und auch am Telefon wurde einem freundlich geholfen. Auch die Betreuung vor Ort war super. Das Team war nett und hilfsbereit und es waren allesamt sehr angenehme Menschen.

Fazit:

 Es war auf jeden Fall eine sehr gute Entscheidung, diesen Auslandsaufenthalt zu machen und ich kann nur sagen, dass ich ganz ohne Zweifel noch lange von dem profitieren werde, was diese Zeit mich gelehrt hat.

Meine Tipps:

Das Wichtigste, was ich an kommende Reisende weitergeben kann, ist, dass man nicht mit "europäischen" Erwartungen nach Ecuador gehen sollte:

-          Rechnet nicht mit deutscher Pünktlichkeit.

-          Achtet etwas mehr auf euch und eure Freunde, als es in unseren
           Großstädten nötig wäre.

-          Hört auf gut gemeinte Ratschläge und vertraut auf euer Gefühl, wenn ihr
            euch bei irgendetwas nicht wohl fühlt.

-          Sicherheit ist in jeder Hinsicht ein wichtiges Thema, nehmt es ernst, aber
            lasst euch auch nichts verderben. Geht einfach mit etwas Verstand an
           die Sache ran und denkt daran, dass zu jeder Erfahrung auch
            Schattenseiten gehören.

Bezüglich des Sprachunterrichts würde ich kommenden Bewerbern eher zum Einzelunterricht raten. Dieser ist nur unwesentlich teurer und bietet dafür einen maßgeschneiderten Spanischunterricht.

 Aber am Wichtigsten: Nehmt alles mit, was ihr mitnehmen könnt."

Erfahre mehr über das Projekt, das Malte M. so begeistert hat: Psychologie in Ecuador