Humanmedizin in Ecuador

"Die meiste Zeit verbrachte ich bei der Geburtshilfe"

  • Freiwilligenarbeit
  • Ecuador
  • 10 Wochen

Erfahrungsbericht von

01.10.2013

Susanne schrieb:

"Vor meinem Abflug nach Ecuador hatte ich wegen Zeitmangels (Abiturstress) relativ wenige Vorstellungen und Erwartungen. Doch ich hoffte natürlich ein paar medizinische Fähigkeiten zu erwerben um mir so klarer über meinen eventuellen Berufswunsch zu werden und meine Interessen zu erkennen.

Auch hatte ich mir vorgenommen Land, Leute und Kultur kennen zu lernen, doch ich plante von Deutschland aus eigentlich überhaupt nichts und ließ vieles auf mich zu kommen.

Während meines Praktikums begann mein Tag morgens um halb sieben mit einem guten Frühstück, um dem Krankenhausklima super gewachsen zu sein. Anschließend bin ich mit anderen Freiwilligen im Bus zum Krankenhaus gefahren, wo um acht die Arbeit begann. Nachdem ich meinen Kittel angezogen und die Patienten und Schwestern auf meiner Station begrüßt hatte, habe ich meistens den Ärzten bei ihren morgendlichen Patientenuntersuchungen zugesehen und dabei einiges gelernt. Danach führte ich verschiedenste Pflegetätigkeiten aus: Betten machen, Essen verteilen, Patienten waschen, versorgen und untersuchen.

Die meiste Zeit verbrachte ich bei der Geburtshilfe, weswegen es meine Aufgabe war mich um die Babys zu kümmern (baden, wickeln…). Das hat sehr viel Spaß gemacht. Darüber hinaus desinfizierte ich Kaiserschnittnarben und unterhielt mich mit den Müttern. Mein Arbeitstag endete um zwölf. Für mein Projekt hätte ich mir teilweise noch mehr medizinische Nähe gewünscht, doch da ich kein Vorwissen hatte, konnte ich ja auch nicht erwarten vollständig integriert zu werden.

Meine Unterkunft und der Sprachkurs waren super! Ebenso der Kontakt zu den anderen Freiwilligen. Guten Kontakt hatte ich auch zu den Einheimischen. Ich bin vor allen Dingen von deren Hilfsbereitschaft begeistert, denn obwohl sie selbst an der Armutsgrenze leben, teilen sie gerne und freuen sich, wenn sie weiterhelfen können. Sie sind überaus nette Menschen, besonders dann, wenn sie spüren, dass man sich um die Sprache und Integration bemüht. Gleichzeitig habe ich aber auch lernen müssen, aufgrund von bisher eher unbekannten Alltagsrisiken, wie Armutskriminalität und Unfallgefahren, auf meine Sicherheit zu achten und niemandem zu sehr zu vertrauen. Doch die große Mehrheit meiner Erfahrungen war durchweg mehr als nur positiver Art, einfach nur unvergesslich!

In meiner Freizeit habe ich viel unternommen. Abends war ich oft mit Freunden aus: in der Disko, Salsa tanzen, im Restaurant oder einfach nur mit ihnen im Appartement bei gemütlichem Beisammensein. Am Wochenende wurde stets der Rest des Landes durch Herumreisen erkundet, was wunderschön, aufregend und vielseitig war (im Dschungel Piranhas fischen, auf Galapagos mit Schildkröten schwimmen, am Stand mit einem Batido in der Hand in der Hängematte liegen, Vulkane bewandern oder vom Wasserfall springen).

Es gibt unglaublich viele schöne oder lustige Momente, sodass es schwer ist welche herauszugreifen. Sicherlich gehört mein Spanischunterricht zu der lustigsten Zeit, denn mein Lehrer war einfach nur unbeschreiblich sympathisch, lustig und anspruchsvoll und wir haben viel zusammen gelacht. Zu den schönsten Tagen zählen sicherlich die, die ich auf den Galapagos verbrachte. Aber am bewegendsten und nachhaltigsten waren die wunderbaren Menschen, die ich kennen lernen durfte und die vielen schönen ruhigen Abende im Appartement mit meinen Freunden.

Die Information und Organisation in Deutschland hat mir weitestgehend gut gefallen. Die Mails wurden stets schnell beantwortet und die Erreichbarkeit war sehr gut, sodass ich mich gut betreut fühlte.

Die Betreuung vor Ort war super und übertraf meine Vorstellungen, insbesondere die Unterstützung bei Krankheit oder sonstigen Problemen durch ausnahmslos jede Person der Sprachschule war wirklich unglaublich. Man fühlte sich sehr gut aufgehoben.

Die Einführung durch das Team vor Ort war ebenfalls gut und hilfreich, doch die Erfahrungen und Tipps von schon länger anwesenden Freiwilligen waren unbezahlbar und ich hätte sie nicht missen wollen.

Während meines Aufenthaltes habe ich unglaublich viele und vielseitige Erfahrungen gesammelt, die ich gar nicht mehr missen möchte. Man gewinnt an Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit, was mir später nur nützlich sein kann. Ich habe so unglaublich nette und interessante Menschen aus aller Welt kennen gelernt und auch was es bedeutet Teil einer zunächst völlig fremden Kultur zu werden und Land und Leute zu lieben. Letztendlich möchte man gar nicht mehr abreisen. Doch man lernt auch aufgrund der teilweise schlechten Lebensbedingungen der Einheimischen vorherige Selbstverständlichkeiten (wie Bildung oder Gesundheit) sehr viel mehr zu schätzen. Meinen Berufswunsch habe ich zwar immer noch nicht gefunden, dafür aber eine neue Leidenschaft: das Reisen!

Hier habe ich noch einige Tipps für euch:
Im Projekt: keine zu hohen Erwartungen haben und immer wieder versuchen, sich nützlich zu machen und vor allen Dingen: Spanisch sprechen!

Im Land: so viel reisen wie möglich und den Mut haben auch Dinge selbst zu organisieren, auf die Menschen zu gehen und so viele Erfahrungen mitnehmen wie möglich!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Susanne B. so begeistert hat: Humanmedizin in Ecuador