Unterrichten in Puerto Viejo in Costa Rica

"Eines der Highlights war definitiv das Bundesliga Fußballspiel mit meiner Gastfamilie"

  • Freiwilligenarbeit
  • Costa Rica
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

12.04.2013

Anna-Luisa schrieb:
"Vor meiner Abreise nach Costa Rica hatte ich natürlich schon eine gewisse Vorstellung was mich dort erwarten wird, ich habe durch vorherige Internet Recherche zum Beispiel schon gewusst, dass die Menschen in Costa Rica sehr gastfreundlich und herzlich sein würden. Bereits bei meiner Ankunft hat sich dies bestätigt, und die Erwartung wurde sogar noch übertroffen. Ich habe selten zuvor dermaßen freundliche und offene Menschen kennengelernt.

Ich dachte vor meiner Anreise auch, dass Costa Rica noch sehr ärmlich und unterentwickelt ist, dies hat sich allerdings nicht bestätigt. Costa Rica hat sich mir als in weiten Teilen sehr modernes und verhältnismäßig reiches Land in Mittelamerika präsentiert.

Meine Arbeit habe ich mir vorher sehr interessant und belohnend vorgestellt. Da ich eine zweisprachige Schule als Projekt gewählt habe, dachte ich ein recht hohes Niveau vorzufinden, dies war allerdings überhaupt nicht der Fall, so dass ich oft Lehrer in den einfachsten Sachen korrigieren musste, was ihnen verständlicherweise meist etwas unangenehm war. Da ich allerdings mit dem Ziel ins Projekt gestartet bin etwas zu bewegen (was wahrscheinlich etwas naiv war bei der kurzen Projektdauer von vier Wochen), fühlte ich mich verpflichtet auch den Lehrern zu einem besseren Englisch zu verhelfen. Alles in allem, wurden meine Erwartungen bzgl. des Landes in vielen Teilen getroffen und auch manchmal übertroffen, allerdings war ich vom Essen sehr enttäuscht (sehr Amerikanisch beeinflusst und fettig, ungesund). Mein Projekt hat mich teilweise wie erwähnt enttäuscht, allerdings waren die meisten Lehrer sehr freundlich und die Kinder sehr süß.

Ich habe mich während meines Projekts in der Sprachschule, als auch der Schule (Unterrichten) sehr wohl gefühlt, da alle beteiligten Lehrer, Betreuer, Koordinatoren (Sprachschule), immer da waren, wenn ich Fragen hatte, Hilfe brauchte oder einfach nur Tipps suchte. Auch habe ich mich bei meiner Gastfamilie sehr gut aufgehoben gefühlt, da mich meine Gastmutter und der Rest der Familie von der ersten Sekunde an total in die Familie integriert haben und ich somit immer das Gefühl hatte ein Teil der Familie zu sein. Vor allem meine Gastmutter hatte immer ein offenes Ohr für mich und ich hatte nie das Gefühl allein zu sein.

Während meines Sprachkurses und auch meines Projekts in der Schule begann mein Tag meist um ca. 07:00 Uhr mit einem Frühstück mit meiner Gastmutter, und anschließend Sprachkurs/Unterrichten von ca. 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr. In der Sprachschule hatte ich dann ca. 3 1/2 Stunden Unterricht mit regelmäßigen Pausen, in meinem Schulprojekt hatte ich eine Art Stundenplan nach dem ich erst ca. eine Stunde mit Vorschülern spielerisch Englisch lernte, danach mit Erst- und Zweitklässlern Spanisch oder Englisch lernte und schließlich mit Kindergartenkindern spielte und ebenfalls spielerisch Englisch lernte. Danach traf ich mich meist mit Freunden aus der Sprachschule zum Mittagessen, bummeln, Kaffee oder einfach nur zum quatschen um Pläne für das bevorstehende Wochenende zu schmieden. Nachmittags ging ich dann meistens zurück zur Gastfamilie um mit meiner Gastfamilie zu reden und mein Spanisch in die Praxis umzusetzen, und natürlich um Hausaufgaben zu machen. Abends aßen wir dann zusammen zu Abend und danach traf ich mich entweder mit Freunden im Zentrum, in einer Bar oder ich ließ den Abend mit der Gastfamilie ausklingen.

Während meines Projekts in der Westland School habe ich die typischen Abläufe in einer Grundschule und einem Kindergarten kennengelernt. Ich habe zudem erfahren wie schwierig es sein kann Kinder pädagogisch zu erziehen und ihnen schwieriges Wissen kinderleicht zu vermitteln.

Ich war von Anfang an sehr beeindruckt von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Ticos. Vor allem meine Gastfamilie hat mich von Anfang an komplett in die Familie integriert und mir ein heimisches Gefühl gegeben. Auch im Umgang mit Fremden war dies der Fall, da die Ticos generell ein sehr offenes und gastfreundliches Volk sind. Ich war allerdings kulturell gesehen etwas von der Costa Ricanischen Küche enttäuscht, da diese sehr von den USA beeinflusst ist und meiner Meinung nach alles sehr viel Zucker enthält, sehr fettig und daher ungesund ist. Außerdem fand ich fremde Männer in Costa Rica sehr respektlos, da diese zum Beispiel ständig Frauen auf der Straße hinterher pfeifen und ihnen schmutzige Wörter entgegenrufen.

Unter der Woche habe ich die Nachmittage normalerweise mit Freunden aus der Sprachschule verbracht, wir sind dann zum Beispiel ins Zentrum gegangen zum Bummeln, Kaffee trinken, oder Mittag essen. Die Abende habe ich oft mit meiner Gastmutter verbracht, zu Hause oder auch oft bei Familienmitgliedern zum Kaffee trinken oder einfach nur quatschen. An den Wochenenden bin ich dann immer mit Leuten aus der Sprachschule herumgereist, meistens an einen schönen Strand.

Eines der Highlights war definitiv das Bundesliga Fußballspiel mit dem Neffen meiner Gastfamilie. Er ist total Fußball verrückt so wie viele Ticos und deshalb war das Spiel ein riesen Spaß. Die Atmosphäre im Stadion war unglaublich und die Leidenschaft der Ticos für diesen Sport in der Luft zu spüren. Ein weiterer unvergesslicher Tag war einer meiner ersten in Costa Rica, an dem ich mit meiner Gastmutter, ihrem Neffen, ihrer Schwester, und ihrem Vater (Mitte 80 und topfit!) an einen nahegelegen Strand fuhr. Meine Gastmutter hat an dem Tag an einem Fluss ihren Hut verloren, da der Wind so stark war. In dem Fluss waren auch noch hunderte Krokodile, die sich dann natürlich gleich auf den Hut stürzten. Später hat uns dann der Opa beim Schwimmen alt aussehen lassen, da er mit seinen über 80 ein begeisterter und sehr guter Taucher und Schwimmer ist. Die wunderschönen Sonnenuntergänge an den unzähligen verlassenen Costa Ricanischen Stränden waren definitiv auch immer ein Highlight.

Im Allgemeinen fand ich den Service von Praktikawelten gut. Emails wurden schnell beantwortet und auch am Telefon waren alle immer sehr nett und hilfsbereit. Die Betreuung vor Ort war gut, die Koordinatoren waren immer bereit Fragen zu beantworten oder einem einfach nur Tipps für das Land zu geben. Außerdem waren alle sehr freundlich und haben auch Englisch gesprochen. Besonders die Receptionistinnen in der Sprachschule waren super nett und hatten immer einen Tipp parat.

Ich denke für mich persönlich war diese Art von Auslandsaufenthalt die richtige Wahl, da ich dadurch meine Spanischkenntnisse verbessern konnte und gleichzeitig durch meine Freiwilligenarbeit etwas Gutes für das Land tun konnte. Durch den Aufenthalt bei einer Familie habe ich außerdem einen direkten Einblick in das tägliche Leben einer einheimischen Familie bekommen, was ich sehr interessant fand. Mein Aufenthalt hat mich definitiv weiter gebracht, ich habe Deutschland noch mehr zu schätzen gelernt, Freundschaften mit Ticos und Menschen aus aller Welt geschlossen, die unglaubliche Natur Costa Ricas kennengelernt, und Kenntnisse in einer tollen Sprache verbessert.

Costa Rica ist immer noch ein Land das in der Entwicklung ist, und das zudem in vielerlei Hinsicht ganz anders als Deutschland ist. Es ist zum Beispiel oft generell weniger modern und sauber, die Menschen sind hingegen sehr offen und oft körperbetonter als die Deutschen (Begrüßung, etc.).

Daher ist es wichtig, dass man sich dieser Unterschiede vor der Anreise bewusst ist. Außerdem ist es sehr von Vorteil einfach offen und tolerant ins Land zu gehen, dann hat man die Herzen der Ticos schnell erobert. Gerade diese Gegensätze zu Deutschland machen das Land aber auch so reizvoll, deshalb sollte man sich meiner Meinung nach einfach auf das Abenteuer einlassen, es lohnt sich."

Erfahre mehr über das Projekt, das Anna-Luisa W. so begeistert hat: Unterrichten in Puerto Viejo in Costa Rica