Umweltschutz in Heredia in Costa Rica

"Meine Tage waren sehr abwechslungsreich."

  • Freiwilligenarbeit
  • Costa Rica
  • 6 Wochen

Erfahrungsbericht von

07.07.2015

Lea schrieb:

"Bevor ich nach Costa Rica geflogen bin, habe ich versucht, so wenig wie möglich von meinem Aufenthalt zu erwarten, so wie es mir Praktikawelten empfohlen hat. Insgeheim macht man sich aber natürlich trotzdem ein paar Gedanken... In meinem Kopf habe ich mich bei tropischer Hitze gesehen, wie ich Fortschritte in der Sprachschule mache, gemeinsam mit Einheimischen auf Feldern arbeite und reife Früchte ernte oder wie ich mit anderen Freiwilligen am Strand in der Sonne liege.

Mein Projekt hat mir ziemlich gut gefallen. Zunächst einmal hat es mir gefallen, dass ich meinen Aufenthaltsort (von der Sprachschule in Heredia zur Freiwilligenarbeit in Gandoca) gewechselt habe, wodurch ich verschiedene Ecken vom Land kennenlernen durfte. Ich habe den Kontakt zu der Gastfamilie als angemessen empfunden. Die Freiwilligen waren nicht im selben Haus wie die Familie untergebracht, kamen allerdings zu den Mahlzeiten. Dadurch entstand ein lockerer Kontakt, bei dem die Freiwilligen aber auch selbst entscheiden konnten, wie viel Zeit sie mit der Gastfamilie verbringen wollen. Auf jeden Fall hatte man immer seinen Rückzugsort.

Meine Tage waren sehr abwechslungsreich. Nach dem Frühstück ging es meistens direkt mit der Farmarbeit los. Je nachdem wie schwer sie war, wurde nachmittags auch noch gearbeitet, ansonsten hatte man frei. Gearbeitet wurde immer unter Anleitung der Familienmitglieder. So haben wir beispielsweise Kakao-Sträucher und Maracuja-Stauden beschnitten, die Maracujas zum Verkauf gewaschen und sortiert oder auf einem großen Feld für Bananen Löcher gegraben, um darin dann die Setzlinge einzugraben. Auch haben wir ein Hochbeet für Gemüse angelegt, die Hühner gefüttert sowie deren Eier eingesammelt und Zement für neue befestigte Wege angerührt. Die Aufgaben waren auf Dauer wirklich körperlich anstrengend. Immerhin war man aber nie allein und die Familie hat auch geholfen, wenn sie merkten, dass es zu viel wurde. Abends gab es noch Abendessen und anschließend haben wir uns oft noch mit der Familie unterhalten oder etwas gespielt.

Die landwirtschaftliche Arbeit hat mich sehr interessiert, obwohl ich auch gelernt habe, dass es sehr anstrengend für mich ist, dauerhaft körperlich zu arbeiten. Trotzdem hat es mich bereichert. Ich konnte viel über die einzelnen Prozesse lernen, wobei ich auch eher altertümliche Methoden kennengelernt habe, die vielleicht umständlicher sind als mit einer Maschine, dafür aber keinen Strom verbrauchen und somit natürlicher sind. Zudem ist man nach der Arbeit oft stolz auf sich, besonders weil man sehen kann, was man geleistet hat. Besonders ist mir auch die Einfachheit im Land aufgefallen. An einem Nachmittag haben wir zu viert ein Hochbeet gebaut, was in Deutschland sicherlich zwei Tage mit derselben Personenanzahl gedauert hätte. Der Unterschied ist, dass in Deutschland vorher alles exakt geplant und vermessen wird. In Costa Rica legt man einfach los, schneidet verschiedene Bretter zu, die dann vielleicht nicht millimetergenau aufeinanderpassen und ein bisschen schief sind, aber dennoch wird ja der Zweck des Beetes erfüllt und das ist es schließlich, worauf es ankommt.

Was ich an Deutschland am meisten vermisst habe, war das Essen. In Costa Rica wird traditionell Gallo Pinto gegessen, als Reis mit Bohnen. Zum Teil zu allen Mahlzeiten am Tag. Manchen gefällt das, mir eher weniger. Dafür war ich im Gegenzug begeistert von den ganzen frischen Früchten die es gab. Mein Projekt fand in einer Art Dorf an der Karibikküste statt, was im Kontrast zu der Sprachschule in Heredia stand. Für mich persönlich war es entspannter, mich nicht länger in der hektischen und vollen Stadt aufhalten zu müssen. Das Lebensmotto von Costa Rica „Pura Vida“ habe ich auch erst in meinem Projekt wirklich kennengelernt. Den Menschen dort merkte man auf den ersten Blick an, dass sie entspannter waren. Das beinhaltete jedoch auch nicht selten, dass die Leute zu spät zu Verabredungen kamen, was dann doch ziemlich nervig sein kann. Wenn man lange genug in Costa Rica war, lernt man es aber auch selbst. Man wird lockerer, lässt sich einfach weniger von allem stressen und unter Druck setzen. Auch wenn etwas mal nicht klappt, ist es halb so wild. Man genießt das Leben einfach und macht immer das Beste daraus.

In meiner freien Zeit in Heredia habe ich nachmittags oft etwas mit den anderen Schülern unternommen. Auch die vielfältigen Angebote der Schule konnte man wahrnehmen. Es gab einen Tanz- sowie Kochkurs und einen Nachmittag sind wir zu einem traumhaften Wasserfall gefahren, inklusive kleinem Zoo mit Schmetterlings- und Tukanhaus. An den Wochenenden hat die Schule auch Fahrten organisiert, die ich gerne wahrgenommen habe. Am ersten Wochenende ging es in einen Nationalpark, wo wir viel Programm hatten. Wir sind zum Canopy geritten, bei dem man an einem Drahtseil durch den Urwald fährt. Anschließend baden in einem kleinen Wasserfall und nachmittags zu heißen Quellen. Das zweite Wochenende ging es an eine Hafenstadt an der Karbikküste, wo wir eine Fahrradtour gemacht und ansonsten den Strand und das Meer genossen haben.

Einer der schönsten Momente war der Geburtstag einer anderen Freiwilligen in meinem Projekt. Zusammen mit der Gastmutter habe ich abgesprochen, wie wir sie überraschen können und welchen Kuchen wir backen. Allein schon der Kuchen war etwas Außergewöhnliches und Seltenes und hat diesen Tag so besonders gemacht. Außerdem ist es doch schön, wie viel Mühe wir uns gaben, damit sie sich an ihrem Tag wohl fühlt und ihre Familie nicht zu sehr vermisst. Sie hat sich sehr gefreut :)

Ich fand es sehr gut, dass Praktikawelten mir meinen Aufenthalt auch noch so kurzfristig ermöglicht hat. Gerade für spontane Menschen ist dies sehr hilfreich. Ich hatte nicht sehr viel Kontakt zum Team vor Ort, was aber nicht schlimm war, da die Schule sich sehr fürsorglich gekümmert hat. Bei Fragen stand mir aber immer ein Ansprechpartner zur Verfügung.

Fazit:
Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, mal ins Ausland zu gehen. Bei manchen großen Entscheidungen im Leben muss man sich mal fragen, ob man es später bereuen würde, wenn man es nicht täte. Ich hätte es definitiv bereut. So viele Schwierigkeiten es auch geben kann, es gibt einem immer neue Erfahrungen. Gerade an Problemen wächst man!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Lea K. so begeistert hat: Umweltschutz in Heredia in Costa Rica