Sozialarbeit mit Kindern in Argentinien

"Die freundliche und lustige Atmosphäre in der Sprachschule war toll!"

  • Freiwilligenarbeit
  • Argentinien
  • 2 Monate

Erfahrungsbericht von

16.08.2013

Isabel schrieb:

"Vor meinem Abflug wusste ich erst wenig über Argentinien, allerdings war ich sehr gespannt darauf Land und Leute kennen zu lernen. Ich wollte gerne Spanisch lernen, diese Sprache hat mich schon vorher fasziniert, aber in der Schule bot sich leider nicht die Gelegenheit Spanisch als Unterrichtsfach zu wählen.

Für die Freiwilligenarbeit habe ich mich entschieden, da ich gerne eine Aufgabe im Zielland haben und nicht nur aus dem Blickwinkel eines Touristen das Land besuchen wollte. Mir war klar, dass ich mich an völlig neue Gewohnheiten und an ein neues Umfeld anpassen musste.

Die ersten vier Wochen hatte ich Spanischunterricht in einer Sprachschule - immer von 9-13 Uhr. Zunächst waren wir nur zu zweit im Anfängerkurs, dann kamen einige Brasilianer dazu. Die Lehrerinnen und Lehrer in der Sprachschule waren sehr nett und es gab auch viele Aktivitäten neben dem Unterricht, z.B. Museumsbesuche und Salsa-Unterricht.

Im Klassenraum wird meist Spanisch gesprochen, wenn man etwas nicht versteht, wird auch mal was auf Englisch erklärt. Schnell hab ich Fortschritte gemacht, obwohl ich ohne Spanischkenntnisse nach Argentinien gekommen bin.

Die freundliche und lustige Atmosphäre in der Sprachschule war toll! Die Lehrer und Lehrerinnen haben oft auch mit den Schülern geplaudert, uns Tipps für Ausflüge gegeben und waren auch bei Problemen immer ein guter Ansprechpartner.

Vormittags Theorie, und nachmittags Praxis, zum Beispiel im Supermarkt. Viel lässt sich auch beim Einkaufen durch Zeichensprache erklären, die Mitarbeiter in Geschäften geben sich auch sehr viel Mühe, dich zu verstehen und dir zu helfen. Häufig sind solche Situationen auch sehr lustig, zum Beispiel, wenn man Streichhölzer einkaufen möchte und mit der dazu passenden Handbewegung sich verständlich machen möchte.

Im zweiten Monat meines Aufenthaltes arbeitete ich von Montag bis Donnerstag immer von 8.30 bis 12.30 Uhr in einer Schule. Das frühe Aufstehen um 6.15 Uhr war nicht immer angenehm, aber von meinem Apartment aus waren es 10 Minuten Fußweg zur Bushaltestelle und dann nochmal 40 Minuten Busfahrt zur Schule.

Auch nach vier Wochen habe ich immer noch nicht genau herausgefunden, um wie viel Uhr genau der Bus fährt. Manchmal um 7.40 Uhr, oft auch früher. Ungefähr 20 Minuten später fuhr der nächste Bus, leider kam ich dann erst 5 Minuten nach dem Klingeln in die Schule, das fand jedoch niemand schlimm.

Bei meinem Projekt unterstützte ich die Lehrerin, spielte mit den Kindern oder half einzelnen z.B. bei den Rechenaufgaben.

Die Grundschule lag in einem sehr armen Vorort von Cordoba (40 Minuten Busfahrt vom Zentrum aus) und ich wurde mit sehr armen Verhältnissen konfrontiert, die ich von zuhause nicht gewohnt war, mit denen ich allerdings gerechnet hatte. In der staatlichen Schule waren die Lehrerinnen und Lehrer immer sehr freundlich und hilfsbereit und es herrschte insgesamt eine angenehme Atmosphäre.

Anfangs war es schwierig für mich, mich im Unterricht einzubringen, da ich noch nicht so gute Spanischkenntnisse hatte und die Abläufe noch nicht kannte. Dies besserte sich aber mit der Zeit.

Ich half in einer dritten Klasse. Anders als in meiner eigenen Schulzeit mochte ich den Matheunterricht, da ich den Schülern bei den Aufgaben helfen konnte und ihnen einen Hinweis für den Lösungsweg geben konnte.

Bei Kurzgeschichten auf Spanisch konnte ich beim Vorlesen helfen, aber leider verstand ich meist nicht viel.

Außerdem habe ich beim Informatikunterricht beim Umgang mit den Computern geholfen, meist waren die Kinder aber schon recht gut drin.

Im Kunstunterricht bekam ich oft Bilder gezeigt und lobte die Kinder, ich bastelte aber auch selbst mit. Der Kunstunterricht hat mir besonders viel Spaß gemacht, da ich auch in meiner Freizeit gerne male.

In der Pause schwang ich fast jeden Tag das Seil für die Mädchen (die Jungs spielten lieber Fußball). Besonders lustig fanden es die Kinder, wenn ich auch versuchte Seil zu springen. Schwierig, wenn die Kinder halb so groß wie man selbst ist sind und man sich beim Springen ducken muss.

Gegen 14 Uhr war ich wieder zuhause und machte mir Mittagessen. Nach der Arbeit war ich ziemlich erschöpft, also war nachmittags oft Siesta angesagt.

In den letzten zwei Wochen hatte ich dann noch Einzelunterricht in der Sprachschule von 16-18 Uhr, um am Ende meines Aufenthaltes das Sprachniveau A2 abzuschließen.

Mit den anderen Teilnehmern kam ich auch sehr gut aus, das Land hat mich von Anfang an begeistert und in die neue Kultur konnte ich mich sehr schnell einleben, auch wenn einiges anders ist:

So sind die Argentinier sehr offen und freundlich. Sie sehen die Dinge anders, haben eine lockere Einstellung. Pünktlichkeit ist nicht so wichtig, oft kommen Argentinier ein bisschen später und man isst erst spät am Abend, Partys gehen oft auch erst ab Mitternacht oder danach los.

Nachmittags kann man in Cordoba gut die Stadt erkunden, Eis essen, in die Geschäfte gucken oder im Park sitzen. Fast jeden Tag schien die Sonne, auch wenn es im Juli/August dort Winter ist.

Unter der Woche bin ich meistens abends zuhause geblieben, dann haben wir in der WG zusammen gekocht oder uns einen Film angeguckt.

Mittwochs war immer der Salsa-Kurs, der von der Sprachschule organisiert worden ist. Ich war jede Woche da, das Tanzen hat sehr viel Spaß gemacht. Der Lehrer war immer gut gelaunt, auch wenn wir Deutschen uns beim Lernen der lateinamerikanischen Tanzschritte und Bewegungen oft ein bisschen schwer taten.

Durch meinen Auslandsaufenthalt habe ich bei der Arbeit mit den Kindern gelernt geduldiger zu sein, aber auch mal spontan zu sein.

Außerdem war es sehr interessant das argentinische Schulleben kennenzulernen und zu erkennen, dass auch eine Schule, die nicht so ausgestattet ist wie man es in Deutschland gewohnt ist, funktioniert und Kindern Wissen vermittelt.

Ein Tag in Cordoba ging immer sehr schnell vorbei und Langeweile kam nie auf!

Meine 2 Kurzreisen, die ich in meiner Zeit in Argentinien gemacht habe, werden mir besonders in Erinnerung bleiben.

Meine erste Reise ging in den Norden Argentiniens, in die Provinzen Salta und Jujuy. Die Landschaft ist atemberaubend schön! Mein Lieblingsort war das Dorf Purmamaca, das am Fuß des siebenfarbigen Berg liegt.

Außerdem war ich in Buenos Aires und für einen Tag sind wir mit der Fähre nach Uruguay rübergefahren. Dort war der Rio de la Plata und der tolle Strand in Colonia/Uruguay besonders beeindruckend.

Die Hauptstadt Argentiniens ist auch sehr sehenswert.

Und dann gibt es noch die vielen kleinen Momente, die sicher auch in einigen Jahren noch da sind, wenn ich an meinen Aufenthalt in Argentinien zurückdenke…

Praktikawelten hat sich gut um mich gekümmert, zum Beispiel war der Umschlag voller Infos sehr hilfreich. Die Mitreisendenliste war auch super, ich konnte schon vorab Kontakt mit meinen Mitreisenden (und zukünftigen Mitbewohnern) aufnehmen. Auch das Team vor Ort war immer für mich da.

Mein Fazit:

Ja, es war eine sehr gute Entscheidung den Schritt ins Ausland zu wagen. Ich habe sehr viel über Land und Leute, aber auch für mich persönlich gelernt. Ich bin selbstständiger geworden und habe mich an ein neues Umfeld gewöhnt, neue Freundschaften geschlossen und neue Sprachkenntnisse erworben.

Ich denke, dass diese Dinge mein weiteres Leben sehr beeinflussen werden. Ich sehe viele Dinge jetzt anders, einiges in Deutschland weiß ich jetzt mehr zu schätzen als vorher (z.B. kann man hier Klopapier in die Toilette werfen, ohne eine Kloverstopfung befürchten zu müssen :-D).

Unser Lebensstandart hier ist schon sehr hoch. Allerdings werden mir auch Dinge in Deutschland fehlen, zum Beispiel die Freundlichkeit auch gegenüber völlig fremden Leuten, die die Südamerikaner dir entgegenbringen.

Ich kann einen Auslandsaufenthalt in Argentinien sehr empfehlen und würde es jederzeit wieder machen.

Klar, es erfordert Mut und einiges an Organisation vor der Reise, aber vieles ergibt sich auch vor Ort.

Cordoba ist eine tolle Stadt mit vielen jungen Leuten, die Sprachschule ist super, man trifft auch auf viele andere Reisende, die schon länger da sind und auch hilfreiche Tipps geben können.

Die 2 Monate in Argentinien waren eine sehr tolle Zeit, in der ich viel erlebt habe, eigentlich war die Zeit auch schon fast zu kurz. Ich wäre gerne noch ein paar Wochen in Argentinien und vielleicht Chile und Brasilien rumgereist.

Das werde ich aber noch nachholen, denn ich habe mir fest vorgenommen, nach dem Studium wieder nach Südamerika zu reisen! Denn es lohnt sich!:-)"

Erfahre mehr über das Projekt, das Isabel T. so begeistert hat: Sozialarbeit mit Kindern in Argentinien