Reittherapie in Argentinien

"Ich hatte viele unvergessliche Momente in Argentinien"

  • Freiwilligenarbeit
  • Argentinien
  • 12 Wochen

Erfahrungsbericht von

14.10.2007

Heidi schrieb:

"Vor meinem Abflug nach Argentinien hatte ich die Erwartungen, auf freundliche und offene Leute zu treffen, die Sprache zu lernen, in Gewohnheiten und Lebensphilosophien der Argentinier hinein zu schnuppern und den Umgang mit behinderten Kindern in Argentinien zu sehen.

Mein Projekt nahm viel weniger Zeit ein als ich dachte: maximal 3 Tage die Woche mit maximal 3h pro Tag. Die Ausbildung der Therapiepferde konnte ich daher leider kaum mit erleben.

Das Therapeutenteam war super und hat mir immer viel erklärt und mich sprachlich weiter gebracht. Zur Not konnte ich immer auf Englisch oder Französisch ausweichen. Im Therapeutenteam sind wir auch ab und zu was trinken gegangen bzw. haben sogar selbst Pizza gebacken bei der argentinischen Familie.

Die Arbeit selbst mit den Kindern in der Therapie ist wesentlich herzlicher als bei uns in Deutschland. Auch ist es in Deutschlang finanziell kaum tragbar, dass 3-5 Personen (Therapeuten und Praktikanten) sich um ein einzelnes Kind kümmern. Das war dort vor Ort natürlich genial.

Die Pferde waren sehr ausgeglichen und wurden liebevoll behandelt, allerdings wird dort natürlicher und einfacher mit ihnen umgegangen. Die Therapiepferde waren sehr gut ausgewählt.


Da ich bereits andere Therapieeinrichtungen in Deutschland kenne, konnte ich mir die neuen positiven Verhaltensweisen der argentinischen Therapeuten heraussuchen und werde diese Herzlichkeit sicherlich in meine Arbeit in Deutschland einfließen lassen. Der Körperkontakt zu den Kindern ist wesentlich näher. Das Singen mit den Kindern auf dem Pferderücken war für mich neu und die beruhigende Wirkung zusammen mit der gleichmäßigen Bewegung des Pferdes war wirklich erstaunlich. Ich habe viele spielerische Ideen um die Kinder zum Sprechen (Zählen, Geschichten erfinden) und Mitdenken zu veranlassen bekommen.

Vormittags konnte ich ausschlafen, einkaufen gehen, zur Wäscherei, putzen, mich sonnen, ins Fitness-Studio gehen, lesen - also einfach machen wozu ich Lust hatte.

Die Arbeit begann erst nachmittags, gegen halb fünf. Ich hatte eine gute Stunde Anfahrtszeit zuerst ins Zentrum von Cordoba, und dann nach Richtung Villa Allende.

Am Reiterhof angekommen, haben wir Therapeuten und Praktikanten uns erst mal gemütlich zusammen gesetzt und geratscht, darüber, wie es uns geht, was für Unternehmungen wir gemacht hatten. Aber auch, welche Kinder heute in die Therapie kommen, und mit welchen Pferden gearbeitet wird.

Auch Fragen bezüglich der Therapie oder einem Therapieverlauf konnten hier angesprochen werden.

Anschließend wurden die Ausrüstung der Pferde sowie diverse Spielgeräte (Bälle, Reifen, Hütchen, Mehl, Musikinstrumente) hergerichtet.

Bei der Ankunft der Kinder wurden erst mal alle begrüßt (auch das Pferd!), dann wird gemeinsam das Pferd geputzt und gesattelt bzw. gegurtet. Nun muss abwechselnd einer das Pferd führen, ein Therapeut sitzt teilweise mit dem Kind auf dem Pferd. Rechts und links gehen meist noch ein Therapeut oder Praktikant mit und / oder man baut verschiedene Spielstationen auf.

Eine Therapieeinheit dauerte 60 min pro Kind. So waren wir dann spätestens um halb 9 fertig. Nun musste noch aufgeräumt werden, und anschließend haben wir oft Mate getrunken oder sind etwas trinken gegangen. Dann fuhr ich noch eine gute Stunde mit dem Bus nach Hause.

Ich habe viele Erfahrungen sammeln können:

Ich fand das Zusammenleben mit den Einheimischen oft einfacher als mit den deutschen Praktikanten. Die Argentinier sprechen sehr schnell untereinander. Auch ihre Hilfsbereitschaft ist super. Der Kontakt zu Gleichaltrigen war total leicht zu finden, v.a. nachts beim Weggehen in Cordoba. Gegessen wird spät nachts und die Argentinier brauchen generell weniger Schlaf. Man wird häufig zum Asado (Grillen) eingeladen, auch wenn man die Leute noch nicht so gut kennt. Und es lohnt sich immer! Auch an Mate gewöhnt man sich und zurück in Deutschland trinke ich Mate um dem Stress zu entfliehen! Die Argentinier machen sich nicht so viel Stress wie wir und vertrauen drauf, dass alles schon gelingen wird. Und nach nur 3 Monaten merkte ich, dass es tatsächlich funktioniert – das muss wohl an der positiven Lebenseinstellung liegen!

In meiner Freizeit habe ich viel unternommen:

Ich hatte viele unvergessliche Momente in Argentinien: Unser verlängertes Wochenende in Uruguay kurz vor Weihnachten war einfach nur genial. Wir haben verrückte Weihnachtsmützen-Photos geschossen und die entspannte Atmosphäre in Uruguay war umwerfend.

Auch als einmal Therapiestunden beim Praktikum ausgefallen sind haben wir miteinander Übungen ausgetauscht und vorgemacht und dabei viel gelacht.

Die Informationen, die ich von Praktikawelten vor meiner Reise bekommen hatte waren sehr gut und nützlich. Ich fühlte mich immer gut betreut.

Da keine gravierenden Probleme auftraten, habe ich keinen Kontakt zu Praktikawelten gesucht. Andere Teilnehmer haben mir aber von der guten Erreichbarkeit berichtet.

Die Betreuung durch das Team vor Ort war super und genau nach meinen Vorstellungen! Sie waren immer für alles ansprechbar und haben sich so schnell wie möglich um alles gekümmert (nach argentinischer Zeitrechnung :-). Vielen Dank!!!

Zu Beginn meines Projektes stellten sie mich den Therapeuten vor und halfen noch als Dolmetscher. Sie haben häufig Kontakt mit den Therapeuten und hätte mich auch bei jeglichen Absprachen (z.B. bezüglich arbeiten am Wochenende) unterstützt, wenn es Probleme gegeben hätte. Hat es aber nicht!!

Das Team vor Ort war schon am Flughafen als ich ankam. Da war ich total erleichtert. Sie brachten mich zur Unterkunft, stellten mich den anderen Teilnehmern vor, gaben mir die schriftlichen Unterlagen und erklärten mir den nächsten Supermarkt, zur Bäckerei, die Wäscherei, Taxistand, Internetcafé, die weltbeste Eisdiele usw. Wir alle hatten immer die Handynummern des Teams für Notfälle (wir haben sie nie gebraucht!). Außerdem hatten wir eine Stadtführung und Hinführung zu den wichtigsten Bussen und Stationen. Die Organisation eines argentinischen Handys war suuuper!

Der Auslandsaufenthalt hat mich auf alle Fälle weitergebracht!! Ich habe (zumindest grob) argentinisches Spanisch gelernt! So konnte ich mich auf meinem Rückflug nach Europa doch glatt schon ganz nett mit einem süßen Spanier unterhalten. Ich habe gelernt mich mit Konflikten (zwischen Teilnehmern) auseinanderzusetzen, und zwar auf eine ruhige konstruktive Art und Weise. Ich weiß jetzt besser, wann und wo ich anderen gegenüber Grenzen setze. Auch mein Selbstbewusstsein ist gestärkt. Ich bleibe in Situationen ruhiger und mache mir weniger Druck. Das bringt das Reisen und die unerwarteten Situationen mit sich.

Ich habe sechs super tolle Freundinnen gefunden und bin schon gespannt wann wir uns alle wieder sehen - spätestens im Spanien-Urlaub!!

Vom fachlichen her nehme ich aus meinem Praktikum einige Ideen mit, über funktionelle Übungen bis hin zum ganzheitlichen herzlichen sozialen Kontakt der Therapeuten zum Patienten. Und dass nicht immer alles so korrekt und pingelig genau geplant ablaufen muss...

Meine Tipps für alle zukünftigen Teilnehmer: Habt keine festen Erwartungen oder Vorstellungen vorher, es wird doch anders als man denkt - aber es wird sicher gut ;o). Seid einfach offen für Neues und habt Spaß an unerwarteten Situationen. Habt keine Angst davor – es findet sich immer eine Lösung – trinkt erst mal einen Mate ;-)  Trefft klare Absprachen und ergreift selbst die Initiative, wenn es was zu organisieren gibt. Wartet nicht bis andere etwas für euch tun. Hilfe kannst du dir jederzeit holen."

Erfahre mehr über das Projekt, das Heidi D. so begeistert hat: Reittherapie in Argentinien