Farmstay in Chile

"...jedes Mal wenn wir versucht haben, die ausgebrochenen Ponies wieder einzufangen"

  • Freiwilligenarbeit
  • Chile
  • 2 Monate

Erfahrungsbericht von

08.10.2013

Johanna schrieb:

"Es war auf jeden Fall eine goldrichtige Entscheidung diesen Auslandsaufenthalt zu machen. So eine Reise bringt einen immer weiter. Ich habe gelernt, ganz auf mich allein gestellt zu sein, mit völlig fremden und schwierigen Situationen umzugehen, und das an einem unbekannten Ort. 

Eine andere Sprache, eine andere Kultur, neue Aufgaben, ein ganz anderes Leben als gewohnt, das alles sind Herausforderungen, die es zu meistern gilt, aber das macht alles Rießenspaß! Man sieht viele Dinge danach aus einem anderen Blickwinkel, lernt, alltägliche Dinge neu zu schätzen und lernt sich selbst sehr gut kennen.

Wir mussten morgens um 7 Uhr aufstehen, die Ponies und Pferde rausstellen und sie mit Wasser versorgen. Sonntags, wenn Hernan, der Stallbursche, seinen freien Tag hatte war es außerdem unsere Aufgabe, alle Tiere zu füttern. Nachdem wir dann selber gefrühstückt hatten mussten die „Chorals“ gemistet und die Großpferde bewegt werden. In manchen Wochen kamen vormittags ganze Schulklassen auf den Hof, dann mussten wir von 9-13 Uhr bei deren Betreuung mithelfen. Nachmittags waren dann Reitstunden und wir halfen beim Putzen, Satteln und auf dem Platz, eben da, wo wir gerade gebraucht wurden.

Ab und zu kamen auch unangemeldet Kinder, die einfach nur einen kleinen Spaziergang auf dem Pony wollten, dafür waren auch wir Freiwilligen zuständig. Abends mussten die Tiere wieder in ihre Box gebracht und gefüttert werden. Neben diesen alltäglichen Dingen kamen dann noch die ein oder andere Spezialbehandlung im Krankheitsfall dazu. Am Wochenende mussten wir früher aufstehen, um die Turnierpferde zu füttern und vorzubereiten. Manchmal gingen wir auch selbst mit aufs Turnier, um dort die Kinder und die Pferde während des Wettkampfs zu betreuen. Mir haben meine Aufgaben großen Spaß gemacht, es gab immer etwas zu tun, nie wurde es langweilig und man hat immer das Gefühl gehabt, wirklich gebraucht zu werden und unersetzbar zu sein!

Dadurch habe ich sehr viel Neues dazugelernt. Einerseits im Umgang mit den Tieren, da es öfter Krankheiten, wie Pilze oder Verletzungen gab, die behandelt werden mussten. Auch im Reiten habe ich Fortschritte gemacht, da ich zuhause nur auf Kleinpferden geritten bin, auf dem Hof aber unbedingt die Großpferde bewegt werden mussten. So hab ich gelernt, mit den unterschiedlichsten Charakteren der Tiere klarzukommen, sie einschätzen und verstehen zu lernen.

Vor meinem Praktikum dachte ich immer, dass die Arbeit mit Kindern mir keinen Spaß machen würde, doch auch daran habe ich wirklich Gefallen gefunden. Ich hatte mit Kindern unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichem Alter zu tun, was sehr spannend, manchmal natürlich aber auch sehr anstrengend war. Dadurch, dass die Schüler sowohl aus Chile, als aber auch aus den USA, Frankreich und noch vielen anderen Ländern kamen, habe ich viele verschiedene Mentalitäten und Kulturen kennengelernt und konnte nicht nur meine Spanischkenntnisse vertiefen, sondern auch mein Englisch und Französisch auffrischen und weiter ausbauen.

Am Anfang hatte ich mit der chilenischen Kultur und Bevölkerung sehr wenig zu tun, da die Besitzerin Französin war und ein großer Teil der Schüler auch aus dem Ausland kam. Und in unserer kleinen Wohnung habe ich auch nur unter Deutschen gelebt. Der einzige chilenische Kontakt war Hernan, der Stallbursche, und Vale, die Reitlehrerin. Aber mit der Zeit hab ich mich dann auch mit anderen Chilenen angefreundet. Mit der Sprache hatte ich am Anfang Probleme, das "chileno" ist ja bekanntlich sehr schnell, undeutlich, mit vielen eigenen Wörtern gespickt und die Hälfte des Wortes wird einfach mal weggelassen. Aber man gewöhnt sich an alles! Die Chilenen sind sehr stolz auf ihr Land, können aber auch sehr gut über sich selber lachen, haben einen unglaublich lustigen Humor und sind sehr spontan, für den Deutschen fast unheimlich. Außerdem scheinen sie es nie eilig zu haben, aber irgendwie klappt im Endeffekt dann doch alles. Es gibt viel Asado und viel Pisco, so dass ich viele gesellige und gemütliche Abende verbringen könnte. 

Ab und zu bin ich mit meiner Mitbewohnerin nach Santiago gefahren und an einem freien Wochenende habe ich alleine einen Ausflug nach Viña del Mar und Valparaíso gemacht. Unter der Woche hatten wir aber auch manchmal ein oder zwei freie Stunden, in denen wir ausreiten konnten. Die Abende haben wir dann meistens mit den Arbeitern vom Stall gegenüber verbracht, das war viel besser als ihn nur zu zweit zu verbringen und wir hatten die Möglichkeit Spanisch zu sprechen, das chilenische Leben besser kennen zu lernen, uns über die Arbeit auszutauschen und vor allem viel Spaß und viel zu lachen!

Schwierig zu sagen, welches mein schönster Moment war, da es so viele gab. Einmal hat ein kleines Mädchen angefangen zu weinen, weil es so traurig war, dass die Reitstunde vorbei war und gar nicht vom Pferd steigen wollte. Ein anderes Mal habe ich mir mit meiner Mitbewohnerin einen Swimmingpool mit Heuballen, Plastikfolie und Wasserschlauch hinter dem Haus gebaut, das war eine schöne Abkühlung in der Sommerhitze. Lustige Momente gab es auch jedes Mal wenn wir versucht haben, die ausgebrochenen Ponies wieder einzufangen. Ich habe unzählige und unvergessliche schöne Erinnerungen!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Johanna H. so begeistert hat: Farmstay in Chile