Was ist eine Famulatur

Praxiserfahrung für angehende Ärzte

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – das gilt auch für angehende Ärzte. Noch während des Medizinstudiums heißt es bei der Famulatur „Raus aus dem Hörsaal und ran an die Patienten“. Die Famulatur ist Pflicht, ohne sie gibt es keine Approbation. Was euch während der Famulatur erwartet und wie ihr gleichzeitig auch eure Reiselust stillen könnt – Praktikawelten verrät es euch!

Was bedeutet eigentlich der Begriff Famulatur?

Der Begriff Famulatur leitet sich vom lateinischen „famulus“ („Diener“, „Gehilfe“) ab. Die Famulatur ist fester Bestandteil der Ausbildung zum Mediziner in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bereits in den ersten Semestern konntet ihr im Rahmen eines Pflegepraktikums Erfahrungen im Medizinbetrieb sammeln. Nach dem Physikum kommt nun die „Zeit des Dienens“, die im In- oder Ausland abgeleistet werden kann.

Was ist der Zweck der Famulatur?

Die Famulatur gibt angehenden Medizinern die Gelegenheit, verschiedene medizinische Einrichtungen zu durchlaufen, den medizinischen Betrieb „von innen“ kennenzulernen und praktische, medizinische Erfahrung zu sammeln.

Das verhilft nicht nur zu einem tieferen Verständnis im weiteren Studium, sondern sorgt auch dafür, die Weichen für die spätere Arztkarriere zu setzen. Ihr könnt herausfinden, ob euch zum Beispiel der Krankenhausbetrieb besonders gefällt oder ihr euch in einer Hausarztpraxis wohler fühlt.

Außerdem werdet ihr Erfahrungen im direkten Patientenkontakt sammeln können. Denn die psychologische und kommunikative Kompetenz beim Umgang mit Kranken und ihren Angehörigen kann im Arztberuf natürlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Was gehört zu einer Famulatur und welche Tätigkeiten fallen an?

Insgesamt ist die Famulatur für mindestens vier Monate angedacht und wird dabei in drei Blöcke aufgeteilt:

  • Mindestens zwei Monate der Famulatur werden in einem Krankenhaus abgeleistet.
  • Jeweils einen Monat verbringen die Famulanten in der ambulanten Versorgung und in einer hausärztlichen Praxis.

 

Natürlich werdet ihr während der Famulatur nicht direkt mit selbstständigen Behandlungen oder Operationen betraut. Trotz der Wortherkunft „famulus“ besteht die Famulatur jedoch aus weit mehr als Krankenakten-Tragen.

Was genau ihr während der Famulatur leisten könnt und dürft, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab:

  • Bisherige Praxiserfahrung und die Fähigkeit, seine Schüchternheit zu überwinden, sind in den Krankenhausalltag einzufügen und mit Patienten in Kontakt zu treten. Wer hier schon fit ist, kann durchaus bereits Patientengespräche führen, Zugänge legen oder bei kleineren Eingriffen assistieren. Dabei kommt es besonders darauf an, in welchem Land du dich befindest und welche Kultur vor Ort gelebt wird. In den Ländern herrschen verschiedene Bedingungen und Regeln vor, welche Einfluss auf deinen Aufgabenbereich haben.
  • Bei Famulaturen im Ausland steht häufiger das Zusehen und -hören im Vordergrund, wenn Kenntnisse in der Landessprache fehlen und neben der Kultur auch die medizinischen Standards andere als bei uns sind. Dennoch gibt es viel zu lernen für angehende Mediziner, auch weil in der Regel ein englischer Ansprechpartner vor Ort dabei hilft, Vorgänge zu verstehen.

Fazit: Wer also Augen und Ohren offenhält, ist während der Famulatur nicht nur nah genug dabei, sondern schon tief genug drin im Arztberuf, um eine Menge zu lernen.

Von wem werden Famulaturen anerkannt und was ist bei der Auslandsfamulatur zu beachten?

Die Approbationsordnung schreibt eine Famulatur während des Medizinstudiums zwingend vor. Ohne sie wird die staatliche Genehmigung zur selbständigen Ausübung des Arztberufs nicht erteilt.

Die Anerkennung einer Famulatur erfolgt durch die Landesprüfungsämter und ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Das bringt Unterschiede in den Details mit sich. Hinzu kommt, dass auch von Fakultät zu Fakultät die genauen Bestimmungen variieren.

Bei einer Famulatur im Ausland muss außerdem im Vorfeld sichergestellt werden, dass sie in Deutschland überhaupt anerkannt werden kann.

Da dies in einer Hausarztpraxis nicht unbedingt zu gewährleisten ist, wird bei der Famulatur im Ausland in aller Regel der Krankenhausblock abgeleistet.

Können Medizinstudenten ihr Fernweh mit einer Famulatur im Ausland kurieren?

Auch als Studenten der Medizin seid ihr nicht gefeit gegen Unwohlsein und Unpässlichkeiten. Bei Erkältung und Grippe hilft euch ein Gang in die Apotheke oder heißer Tee. Lautet die Diagnose allerdings „akutes Fernweh“, steht euch ein ganz besonderes Heilmittel zur Verfügung: Die Famulatur im Ausland hilft, dieses Leiden zu kurieren. Eine vollkommen natürliche Therapie, die ihre Wirkung nie verfehlt.

Welche Länder bieten sich für eine Famulatur im Ausland an?

Wer seine Famulatur ableisten und andere Kontinente entdecken möchte, ist bei Praktikawelten „geografisch“ gesprochen gleich dreifach richtig:

  • Für Asien-Interessierte stehen Sri Lanka auf der Liste der Möglichkeiten.
  • Wer Afrika bevorzugt, kann an Krankenhäusern in  Sansibar arbeiten.
  • In Südamerika können Famulaturen in Ecuador, Peru und Argentinien abgeleistet werden.

Die Famulaturen, die Praktikawelten an Krankenhäusern in diesen Ländern vermittelt, werden in Deutschland entsprechend anerkannt.

Für wen eignet sich eine Famulatur im Ausland?

Ganz einfach:

Für alle Studentinnen und Studenten der Medizin, die zugleich ihren Wissensdurst und ihr Fernweh stillen wollen. Das Medizinstudium ist schließlich geprägt von intensiven Vorlesungs- und Lernzeiten und es bleibt wenig Zeit für ausgedehnte Reisen ins Ausland. Wer sich also für eine Famulatur im Ausland entscheidet, „schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe“.

Eine Auslandsfamulatur verbindet den Ausbau medizinischer Praxiserfahrungen mit einem Blick über den eigenen kulturellen Tellerrand. Denn ein Aufenthalt in Córdoba, Quito oder Sri Lanka an einem Krankenhaus vermittelt viel tiefere Einblicke in Lebensweisen und Mentalität auf anderen Kontinenten, als es ein Urlaub je könnte.

Wer außerdem seine Kenntnisse in der Sprache des Gastlandes in einem professionellen Umfeld vertiefen möchte, vielleicht weil er darüber nachdenkt, auch nach dem Studium dort zu leben und zu arbeiten, kann während der Famulatur im Ausland wertvolle Grundsteine für die Zeit nach dem Studium legen. Auch die Kontakte, die er während der Zeit der Famulatur knüpft, können ihm später den Einstieg in den Beruf dort erleichtern. Denn ein Krankenhaus ist nicht nur ein Ort des Heilens, sondern auch eine gigantische Kontaktbörse für Mediziner.

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