Hotelpraktikum in Südafrika

" Ich bin selbstständiger, unkritischer und selbstbewusster geworden"

  • Auslandspraktikum
  • Südafrika
  • 12 Wochen

Erfahrungsbericht von (20 Jahre)

16.12.2016

Ich habe mir das Land nicht so grün vorgestellt und bin eher von einer Dürrelandschaft ausgegangen. Außerdem hatte ich einige Bedenken wegen der Sicherheit, jedoch habe ich keinerlei Erfahrungen machen müssen, die dies bestätigen. Zudem hatte ich mir bezüglich des Essens Sorgen gemacht, aber es war alles super lecker. Auch bezüglich der Infrastruktur war ich verunsichert, jedoch sind sowohl Strom- und Wassernetz als auch Straßen und Internet etc. gut ausgebaut. (Jedenfalls dort, wo ich unterwegs war.)
Auch dachte ich, dass die Städte ziemlich schmutzig wären, wurde aber eines besseren belehrt. Ich bin von einer gelassenen Grundstimmung der Menschen ausgegangen, welches sich auch bewahrheitet hat. Meine Arbeit hatte ich mir etwas strenger und ernster vorgestellt, allerdings war alles ganz locker und ich durfte sogar meine normalen Alltagsklamotten tragen. Insgesamt wurde ich sehr positiv überrascht in jeder Hinsicht. 

Am Anfang des Praktikums war ich noch ziemlich verunsichert, was aber denke ich auch völlig normal ist. Wann hat man schließlich vorher schon mal komplett die Verantwortung für ein völlig fremdes Unternehmen übernommen in einem fremden Land? Nach den ersten Schichten, die ich allein gearbeitet habe, wurde ich aber entspannter und habe gemerkt, dass alles läuft, wenn ich den Plan, den ich bekommen habe, so abarbeite, wie es mir gesagt wurde. Das Pensum war allein gut zu schaffen, obwohl die Liste der Aufgaben am Anfang sehr erschlagend und umfangreich klang. Auch wenn es mal schwierigere Situationen gab, wurde im Endeffekt für alles eine Lösung gefunden. In den Wochen der Hochsaison hätte ich mir allerdings schon etwas Hilfe gewünscht, da wir wirklich komplett ausgebucht waren und überall etwas zu tun war. Ansonsten wurde auf meine Wünsche oftmals eingegangen und auch bei der Planung meiner Aktivitäten wurde ich gut unterstützt.


In der Frühschicht, die von 6:30-14:30 Uhr ging, war eine Aufgabe unter anderem als erstes alle unnötigen Lichter auszuschalten. Danach musste die Getränkestation vorbereitet werden, bevor es an den Computer ging. Hier wurden im Buchungssystem alle Gästekonten überprüft und aktualisiert, zum Beispiel Getränke von der Bar eingetragen oder gebuchtes Frühstück hinzugefügt. Weiterhin musste ich schauen, welche Zimmer am Tag auschecken und eine Liste an das Reinigungspersonal übergeben. Die check-out Zeit ist in der Lodge um 10 Uhr. Zudem musste ich alle Mitarbeiter fragen, ob irgendetwas, wie Holz, Reinigungsmittel oder Strom im Haus benötigt wird, damit Bestellungen aufgegeben werden konnten. Falls Frühstück bestellt wurde, musste ich auch dieses vorbereiten.
Die ganze Schicht über wurden E-Mails und Anrufe beantwortet und ich achtete darauf, dass das gesamte Anwesen immer ordentlich und sauber war. Gegen Ende der Schicht erledigte ich dann das tägliche cash-up. Die Spätschicht ging von 14:00-22:00 Uhr. Zu Beginn gab es einen Informationsaustausch mit dem Manager der Frühschicht, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Ab 14 Uhr können die Gäste in der Lodge einchecken. Vorher war es meine Aufgabe, durch die Zimmer gehen und zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Auch ungebuchte Zimmer mussten stets kontrolliert werden, falls spontan Gäste ankamen und nach einer Unterkunft suchten.
Auch wie bei der Frühschicht wurden bei der Spätschicht regelmäßig die E-Mails nachgeschaut, Anrufe beantwortet und das Anwesen im Auge behalten. Zudem mussten Lieferungen angenommen und verstaut werden. Sobald es dunkel wurde, mussten alle Lichter draußen angeschaltet werden. Falls ein braai gebucht wurde, gehörte es auch zu meinen Aufgaben, ein Feuer zu machen. Kurz bevor die Schicht endete, habe ich immer alle wichtigen Zugänge zur Lodge abgeschlossen sowie auch die Wäscherei und die Bar. Falls es zu späten check-ins kommen sollte, wurde das Telefon mit auf das Zimmer genommen.
Die Arbeitseinteilung war so, dass man quasi eine 24 Stunden Schicht hatte und dann 24 Stunden frei. So begann man mit der Spätschicht, nahm das Telefon mit auf das Zimmer und am nächsten Tag hatte man die Frühschicht. Es waren also eher viele kleine Aufgaben, die ich zu erledigen hatte. Am meisten Spaß gemacht hat mir natürlich die Rezeption, da ich hier in Kontakt zu vielen Leuten gekommen bin.

Ich habe gelernt noch selbstbewusster zu sein und dass man nicht immer alles so stark an sich heranlassen sollte. Es gibt immer freundlichere und unfreundlichere Menschen, die Sache ist nur, wie man selbst damit umgeht. Ich habe einen Einblick in den Bereich der Hotellerie bekommen, worin ich vorher noch keinerlei Erfahrungen gesammelt hatte. Ich habe gemerkt, wie abhängig man in Ferienorten von der Saison ist und sich darum immer bei den Buchungen mit einer Anzahlung absichern sollte, damit man alle möglichen Buchungen annehmen kann. Auch ist es sehr wichtig, sich mit dem Team abzusprechen, damit man nicht in unangenehme Situationen gerät. Außerdem ist es in diesem Bereich scheinbar normal, dass man mal über die Zeiten heraus arbeiten muss, je nachdem, was los ist. Zudem konnte ich natürlich mein Englisch verbessern.

Ich habe gemerkt, dass es in Südafrika üblich ist, unpünktlich zu sein. Stress gibt es dort quasi nicht. Alle Menschen, die ich kennengelernt habe, waren wirklich sehr freundlich und interessierten sich für meinen Aufenthalt im Land. Viele Leute waren sehr hilfsbereit und verständnisvoll. Es war einfach alles nicht so ernst und streng wie in Deutschland, sondern ein entspannteres Leben. 

Ich hatte relativ viele freie Tage und konnte somit eine Safari Tour machen, mit Elefanten spazieren und sie füttern, mit Löwen spazieren, sandboarden gehen und auch mit dem baz bus ein wenig herumreisen. Ich war in den cango caves in Oudtshoorn, auf der Straußenfarm und auf der wild life ranch und durfte Geparden streicheln. Ich hatte Zeit, um mit anderen Teilnehmern zum Strand und einen Kaffee trinken zu gehen oder auch einen Ausflug zur mall zu machen. Meine Unterkunft liegt ziemlich zentral in Mossel Bay, sodass ich zu Fuß alles gut erreichen konnte. Fast jeden Tag war ich essen mit Freunden. Manchmal saß ich auch einfach im Garten und habe gelesen. Es war nie langweilig.
Die schönste Zeit meines Aufenthalts waren die letzten zwei Wochen. Mein Freund war zu Besuch und ich hatte fast die ganze Zeit frei, da ich vorher etwas mehr gearbeitet habe. Wir sind viel gereist und das schönste war eindeutig, den Sonnenuntergang vom Tafelberg anzusehen. Lustig war auch immer, als man Englisch gedacht hat und dann Deutsch aus einem heraussprudelte. 

Alle meine Fragen wurden schnell und sehr gut beantwortet, egal ob per Mail oder am Telefon. Auch besondere Anfragen, beispielsweise bestimmte Unterlagen eher zu erhalten oder die Änderung meines Reisezeitraums, waren kein Problem. Sogar konnte ich mit einer Freundin reisen, die dann nur am Ende der Straße in einem anderen Hostel arbeitete. Dass man Versicherungen mitbuchen kann und auch ein Flugangebot erhält finde ich sehr gut. Ich war und bin sehr zufrieden mit der Unterstützung. Ich werde Praktikawelten nur weiterempfehlen. 

Mein Betreuer hat mich ab und zu angerufen und gefragt, ob alles gut bei mir ist. Ich konnte ihn jederzeit erreichen, was mir ein sicheres Gefühl gegeben hat. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang schon Zweifel hatte, ob ich mich so weit von zu Hause in einem komplett anderen Land allein zurecht finden würde. Zumal der Bereich der Hotellerie ganz neu für mich war und ich keinerlei Erfahrungen hatte. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Zweifel unbegründet waren. Ich habe nicht nur sprachlich, aber auch menschlich viel für mich mitnehmen können. Nicht allein die Erfahrungen bei der Arbeit haben mich bereichert, sondern auch der Kontakt zu den verschiedensten Menschen. Außerdem hat sich meine Persönlichkeit weiter entwickelt. Ich bin selbstständiger und unkritischer geworden und selbstbewusster. Es war also in jedem Fall eine sehr gute Entscheidung, den Auslandsaufenthalt anzutreten.
Wenn man die Arbeit gewissenhaft macht und Anweisungen befolgt, sollte alles gut sein. Dann kann man auch schon mal nach ein paar freien Tagen fragen oder ähnlichem. Auf jeden Fall sollte man im Allgemeinen nicht zu kritisch sein und allem offen begegnen, es kommt Freude zurück.

Erfahre mehr über das Projekt, das Katharina M. so begeistert hat: Hotelpraktikum in Südafrika