Journalismus Praktikum in Ghana

"ich lernte das Land mit all seinen Ecken und Kanten lieben"

  • Auslandspraktikum
  • Ghana
  • 7 Wochen

Erfahrungsbericht von

21.03.2012

Gordon schrieb:

"Welcher europäische Journalist kann schon von sich behaupten, dass die erste Pressekonferenz, die er in seinem Leben besucht hat, in Ghana stattfand?

Dank meines Praktikums in der Politikredaktion einer großen ghanaischen Tageszeitung, war schon der Startschuss meiner jungen Journalistenkarriere aus einer ganz besonderen Startpistole abgefeuert.

Teil der Politikredaktion zu sein, bedeutete Eigenständigkeit zeigen. Im Gegensatz zu anderen Mitarbeitern, die zu festen Terminen geschickt wurden, war Selbstorganisation bei der Politikredaktion groß geschrieben. Aber natürlich wurde ich nicht allein ins chaotische Accra auf Jagd nach Polit-Interviews geschickt. Ein einheimischer Praktikant war mein ständiger Begleiter, was nicht nur die Arbeit erleichterte, sondern auch eine tolle Freundschaft hervorbrachte.

Gemeinsam mit meinem ghanaischen Kameraden besuchte ich den Hauptsitz jeder namenhaften ghanaischen Partei und war zu Gast bei den wichtigsten Pressekonferenzen des Landes. Als Ghanas Präsident zu Beginn der zweiten Hälfte meines Praktikums verstarb und das Land in einen dreiwöchigen Zustand der Trauer versank, reduzierten sich die Möglichkeiten zur Berichterstattung für mich zwar enorm, dennoch machte ich durchgehend viele wertvolle Erfahrungen, die mir die Bestätigung gaben nichts anderes als Journalist werden zu wollen.

Allen, die auch Journalist werden wollen und vorhaben mit einem Praktikum in Ghana ein besonderes Fundament für ihre Laufbahn zu setzen, kann ich jedoch Folgendes raten: Schafft euch genug Vorwissen über Ghana an, frischt eure Englischkenntnisse ordentlich auf und nehmt euch ein gutes Diktiergerät und angemessene, akkurate Kleidung mit. Außerdem solltet ihr bereit sein mehr zu arbeiten als der Rest eurer Mitbewohner – ein Zehnstundentag war nicht unüblich im Projekt.

Kam ich dann allerdings nach Hause, war ich immer in guter - größtenteils weiblicher - Gesellschaft. In der "Praktikawelten-WG" im Praktikawelten-Haus wurde es nie langweilig – Offenheit und Redseligkeit vorausgesetzt. Stress gab es nie, es schien als hätte die Friedfertigkeit der Ghanaer auf uns abgefärbt. Am Wochenende entdeckten wir zusammen entweder das ghanaische Nachtleben - und bekamen vor Augen geführt was wir in Sachen Tanzen für steife Bretter im Vergleich zu den Ghanaern sind. Oder wir reisten durch das Land - und lernten die Regionen kennen, die grüner und schöner sind als das von Abgasen bedeckte Accra.

Doch egal ob das dreckige Accra oder die waldige Volta-Region – das ganze Land ist ein Teil von mir geworden. Sei es das Wasser aus den Plastikbeuteln, die rumpligen Fahrten in den verbeulten Tro-Tros, die Offenheit, Gelassenheit und Nettigkeit der Leute, das ölige Essen, die Straßenhändler oder der anarchische Verkehr – ich lernte das Land mit all seinen Ecken und Kanten lieben. Und irgendwann fand ich mich auch damit ab als „Oburoni“ immer im Mittelpunkt zu stehen.

Ohne die Kontakte, die Praktikawelten zu ghanaischen Verlagen hat, wäre es mir wahrscheinlich nicht möglich gewesen in der Redaktion einer großen Zeitung zu landen. Der E-Mail-Kontakt zu Praktikawelten verlief immer zügig und problemlos und das Team vor Ort hat sich Mühe gegeben die Wünsche aller Teilnehmer zu erfüllen, auch wenn sich dies bei drei Häusern mit jeweils 30 Teilnehmern als recht schwierige Aufgabe herausstellte. Insgesamt bin ich jedoch sehr zufrieden mit meinem Auslandspraktikum. Und jetzt ab nach Ghana mit euch allen!"

Erfahre mehr über das Projekt, das Gordon W. so begeistert hat: Journalismus Praktikum in Ghana