Individuelles Praktikum in Chile

"Die Lockerheit und Lebenseinstellung einiger Menschen hat mich sehr beeindruckt"

  • Auslandspraktikum
  • Chile
  • 8 Wochen

Erfahrungsbericht von

23.06.2016

Patrick schrieb:

"Direkt am zweiten Tag bin ich zum ersten Mal mit den beiden Zeugwarten des Vereins zum Trainingsgelände gefahren und habe bis zum Ende auch den Großteil der Arbeitszeit dort verbracht. Ich habe viele unterschiedliche Aspekte rund um den Aufbau des Sportvereins und die Funktion der verschiedenen Beteiligten kennengelernt.

Jeden morgen bin ich um 6 aufgestanden, da ich um 7 Uhr am Büro sein sollte und wir von dort aus zu dritt (die beiden Zeugwarte und ich) ca. 45-60 Minuten zum Trainingsgelände gefahren sind. Dort angekommen wurde zunächst das Auto ausgeladen. Anschließend fing die Vorbereitung des Trainings an. Ich habe unter anderem beim Aufbau der Trainingsübungen auf dem Platz geholfen, Tornetze eingehangen und einmal die Woche die Geräte für das Krafttraining auf den Platz gebracht. Außerdem sollte ich an manchen Tagen Gartenarbeit machen (Gras ausreißen, Pflanzen gießen, neue Pflanzen setzen...) oder Tore streichen...

Manchmal habe ich dabei geholfen, über den Zaun geflogene Bälle wiederzuholen, hatte aber auch Zeit, am Spielfeldrand zuzusehen und mich mit dem Betreuerstab auszutauschen und den Spielern oder anderen Besuchern auszutauschen. Außerdem habe ich oft beim Unterricht der Physiotherapeuten mitgemacht, was sehr interessant war oder habe dem Platzwart bei einigen Arbeiten geholfen. Einmal hat der Torwarttrainer mich mittrainieren lassen.

Dadurch konnte ich den typischen Tagesablauf in einem professionellen Sport- bzw. Fussballverein kennenlernen und habe die Perspektiven und Sichtweisen aller, die in irgendeiner Weise mit dem Verein verbunden waren, erfahren. Außerdem weiß ich heute genauer, auf welche Art Sportvereine auch unternehmerisch denken und handeln.
Als herausragende Errungenschaft sehe ich, dass ich gelernt habe, wie ich mich in unterschiedlichen sozialen Kontexten in einer fremden Sprache äußern kann.

Viele lustige Momente habe ich morgens vor Trainingsbeginn gehabt, als der Trainer beim Frühstück seine lustigen Geschichten von früher und auch von heute erzählte. Auch mit dem Platzwart Don Juan gab es lustige Momente und mit einigen Spielern habe ich lustige und interessante Gespräche gehabt (zum Beispiel als sie versucht haben, deutsch zu reden bzw. deutsche Namen auszusprechen). Nach längerer Zeit habe ich mich fast wie ein Mitglied des Kaders gefühlt.

Meiner Erfahrung nach sind die Chileninnen und Chilenen - auch wenn sie als die ruhigsten Südamerikaner gelten - sehr offenherzige Menschen und sehr gastfreundlich. Die Lockerheit und Lebenseinstellung einiger Menschen hat mich sehr beeindruckt und was mich sehr beschäftigt hat, war die große soziale Ungleichheit und eine Art von Armut, die ich aus Deutschland so nicht kannte. Besonders hat mich auf meiner späteren Reise die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft zweier chilenischer Urlauber begeistert und überrascht.

Schon vor Beginn des Sprachkurses am ersten Wochenende habe ich etwas mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unternommen und erste Kontakte geknüpft. In den ersten drei Wochen hat sich sehr viel über die Sprachschule ergeben und schon nach kurzer Zeit waren wir eine Gruppe von 6 Teilnehmern, die auch neben den gut organisierten Sprachschulaktivitäten und -ausflügen miteinander in der Freizeit unterwegs war.

Nach vier Wochen war diese Gruppe durch die Aufteilung auf verschiedene Projekte an verschiedenen Orten zerschlagen, was allerdings nur eine kleine Umstellung war, da ich durch mein Praktikum sehr beschäftigt war und es zudem einen tollen "Spandeutschen Stammtisch" gibt, bei dem ein interessanter Sprach- und Interessenaustausch stattfand und stattfindet. Auch mit meinen Mitbewohnern hatte ich ein ganz gutes Verhältnis. Außerdem habe ich noch heute Kontakt mit einem Studenten, den wir auf dem Stammtisch kennengelernt haben und mit dem wir auch mal unterwegs feiern waren. 

Ja, es war definitiv eine richtige Entscheidung, den Auslandsaufenthalt zu machen. Ich habe eine ganz andere Sicht auf Deutschland bekommen und ein besonderes Land voller unterschiedlicher Naturlandschaften erleben können. Überall sind mir interessante Menschen begegnet und unvergessliche Momente geblieben. Des Weiteren hat mir die Zeit alleine eine Menge mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit gebracht. Alles in allem war es eine sehr prägende Erfahrung mit vielen neuen Eindrücken und der Erkenntnis, wie anders vieles in einer anderen Kultur gehandhabt wird. Ich konnte mir ein ganz eigenes Bild auch in persönlichen Gesprächen verschaffen.

Kleiner Tipp:
Man sollte sich vor Reiseantritt nicht zu sehr den Kopf über alles zerbrechen, sondern auch eine große Portion Spontanität und Unvoreingenommenheit mit ins Gepäck aufnehmen!“

Erfahre mehr über das Projekt, das Patrick S. so begeistert hat: Individuelles Praktikum in Chile