Individuelles Praktikum in Chile

"Es lohnt sich dieses Land zu besuchen! Genießt es!"

  • Auslandspraktikum
  • Chile
  • 6 Wochen

Erfahrungsbericht von (21 Jahre)

14.08.2016

Zunächst muss ich sagen, dass die Zeit in Chile die beste Zeit meines Lebens war .In Deutschland absolvierte ich während meines Studiums verschiedene Praktika, bei Gericht, beim Notar, in einer mittelständischen Kanzlei und in einer Großkanzlei. Aus diesem Grund spreche ich aus Erfahrung. In Deutschland hatte ich häufig den Eindruck, dass ein Praktikant eine Notwendigkeit ist und häufig auch lästig, denn in Deutschland sind Pflichtpraktika an der Tagesordnung und dementsprechend sind die Praktikumsbetreuer auch höchstmotiviert, Praktikanten zu betreuen.
Deswegen hatte ich nie den Eindruck, eine Bereicherung für das Unternehmen oder die Kanzlei zu sein. Im Vergleich dazu war das Praktikum in Chile großartig!

Zunächst will ich euch die Kanzlei aber vorstellen. Es ist ein Familienunternehmen mit drei direkten Familienmitgliedern, Patricio Garcia Parot, der Senior und Gründer der Kanzlei, und seine zwei Söhne Nicolás und Cristóbal Garcia Lorca, und zwei weiteren Anwälten. Nicolás war mein Chef während des ganzen Praktikums und der Ansprechpartner für alle meine Fragen. Er ist im Marken- und Steuerrecht spezialisiert, was heißt, dass er hauptsächlich im Büro arbeitet, während sich die anderen insbesondere um die Gerichtsverfahren kümmern. Meine Aufgaben bekam ich somit hauptsächlich von Nicolás, so musste ich zum Beispiel Verträge aus dem Englischen ins Spanische übersetzen oder Produkte, die einer bestimmten Marke zugeordnet werden, klassifizieren, um sie dann registrieren zu können. Das hört sich jetzt vielleicht einfach an, ist es aber häufig nicht!
Meine Arbeit bestand aber nicht nur darin, am Computer zu arbeiten, sondern ich musste auch häufig das Büro verlassen um bei Behörden Erkundigungen einzuholen. Am Anfang hat mir die Sekretärin gezeigt, wie es funktioniert, aber am Ende konnte ich viele Sachen bereits alleine erledigen.

In keinem anderen Praktikum in Deutschland hatte ich so viel Verantwortung und konnte ich so viele Dinge selbständig erledigen wie bei diesem Praktikum, auch wenn es in einer fremden Sprache war, was es noch schwieriger machte. Natürlich musst du die Sprache gut beherrschen, insbesondere musste du sie gut verstehen. Aber natürlich kann man auch immer sagen, wenn einem eine Aufgabe zu schwer erscheint und Nicolás und die anderen sind offen für Fragen und Anregungen und helfen immer. Außerdem konnte ich die Anwältin einmal in eine Verhandlung zu den Arbeitsgerichten begleiten. Im Grunde sind die Verhandlungen denen in Deutschland sehr ähnlich.
Das Rechtssystem ist dem deutschen sowieso sehr ähnlich, sei es in der Struktur des Instanzenzugs oder Aufgabenzuteilung des Notars, der ja v.a. Unterschriften unter Verträgen gegenzeichnen muss. Weiterhin gibt es so etwas wie ein Grundbuchamt („conservador de bienes raíces“), aber natürlich alles mit dem Hauch des Südamerikanischen.
So sind die Behörden immer überfüllt und laut und die Digitalisierung ist noch nicht weit in diesem Land vorangeschritten. Sogar beim Notar geht es zu wie bei einer Behörde, das heißt, in Ruhe einen Vertrag mit dem Notar durchsprechen, geht dort nicht. Aber dieses Flair der Offenheit und Aufrichtigkeit hat mir sehr gefallen. So wurde ich auch im Büro immer wie ein Familienmitglied behandelt, was auch die regelmäßige Einladung zum Mittagessen miteinschließt. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass man mir nie mit Vorurteilen oder Desinteresse begegnete, weil ich aus einem anderen Land kam. Alle akzeptieren dich wie du bist mit all deinen Eigenheiten.

Deswegen: Es lohnt sich dieses Land zu besuchen! Genießt es!

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